Mutterstadt Ein Jahr Jugendpforte – ein Erfolgsmodell

Die offene Küche ist ein Treffpunkt im Jugendtreff: Maria Tsompanoglou kocht mit Kindern.
Die offene Küche ist ein Treffpunkt im Jugendtreff: Maria Tsompanoglou kocht mit Kindern.

Vor einem Jahr wurde in Mutterstadt mit der Eröffnung der Jugendpforte ein Meilenstein in der Jugendarbeit gesetzt. Der Treff ist zum Erfolgsmodell avanciert.

Jugendpforte-Leiter Sebastian Abecker und seine Stellvertreterin Maria Tsompanoglou wirken entspannt, fast schon in sich ruhend, aber vor allem zufrieden. Und das sind sie auch, wie sie sagen. Vor einem Jahr begann für beide die berufliche Veränderung und die Mammutaufgabe, die Jugendarbeit für Mutterstadt wieder aufzubauen. Fast fünf Jahre lag diese in der rund 13.500 Einwohner zählenden Kommune brach. So war der 18. November 2024 quasi die Stunde null.

Fast alles, was in dem großen, komplett renovierten Treff an Interieur vorhanden ist, ist durch ihre Hände gegangen – von der Tasse bis zum Tischkicker. Für die Renovierung der Räume im Untergeschoss der Neuen Pforte im Zentrum von Mutterstadt hat die Gemeinde 680.000 Euro investiert. Und jeder Euro war es wert, würden die beiden wohl unterschreiben. Denn wie wichtig so ein lokales Jugendzentrum in einer Gemeinde wie Mutterstadt ist, das habe das vergangene Jahr gezeigt. Es sei ein sicherer Raum für Kinder und Jugendliche geworden – eine ideale Mischung aus offenem Treff, professioneller Betreuung und einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm. Und die beiden künftig noch mehr anbieten.

Hier werden fleißig Plätzchen gebacken.
Hier werden fleißig Plätzchen gebacken.

Riesiges Interesse

Doch von Anfang an: 2019 hatte die Gemeinde beschlossen, den in die Jahre gekommenen Jugendtreff – ein Relikt aus der Kellerkultur der 90er-Jahre – komplett zu renovieren. Dann kamen Corona, krankheitsbedingte Ausfälle im vorherigen Team und die Schwierigkeiten in der Baubranche. Der Neubeginn musste ein ums andere Mal verschoben werden. Die Geduld hat sich aber gelohnt. Auf 420 Quadratmetern Fläche ist nun Platz für Kinder und Jugendliche vom Grundschulalter bis zur Volljährigkeit. Es gibt eine kleine Bühne, einen Tischkicker, Airhockey, einen Rückzugsbereich, gemütliche Sitzmöglichkeiten, einen voll ausgestatteten Zockerraum, eine großzügige offene Küche und vieles mehr.

Das Interesse der Mutterstadter war riesig. Zur Eröffnung im November wurden den beiden sprichwörtlich die Türen eingerannt. Gleich nach der Eröffnungsfeier füllten sich die Räume bis auf den letzten Platz. „Nach 14 Uhr war das Zentrum brechend voll, wir schätzen, dass rund 600 Besucher an diesem Tag vorbeikamen“, erinnert sich der Teamleiter und ist immer noch überwältigt.

Am großen Billard-Tisch werden auch Turniere veranstaltet.
Am großen Billard-Tisch werden auch Turniere veranstaltet.

Öffnungszeiten angepasst

Auch die ersten Wochen seien sehr gut besucht gewesen, fast schon zu gut. Es kamen bis zu 150 Kinder pro Tag. Und das aus den unterschiedlichsten Altersgruppen – vom Grundschulalter bis zu Jugendlichen in der Oberstufe, mit und ohne Migrationshintergrund. Das sei zu Beginn eine große organisatorische Herausforderung gewesen, geben die beiden zu. „Am Anfang hatten wir Grundschüler, die teilweise bis 20 Uhr hier waren – das war einfach zu lang“, berichtet Maria Tsompanoglou. Daraufhin seien die Öffnungszeiten angepasst worden. Es gebe eine gemeinsame Zeit aller Altersgruppen, um Geschwistern den gemeinsamen Besuch zu ermöglichen. Ab 17 Uhr ist dann die Zeit für die „Teens und Jugendlichen“. „Das gibt Struktur und hilft den Älteren, auch ihre Zeit und ihren Raum zu bekommen“, sagt Sebastian Abecker. Das habe nicht allen Eltern gefallen. Für die Jugendarbeit sei es aber ein wichtiger Schritt gewesen.

Derzeit habe sich die tägliche Besucherzahl zwischen 30 und 80 eingependelt. In der Jugendpforte haben die Kinder und Jugendlichen viele Möglichkeiten, sich allein und miteinander zu beschäftigen. Zudem gibt es im Schnitt einmal in der Woche eine besondere Aktion, dann wird gebastelt, gebacken, gekocht oder ein Turnier veranstaltet. „Diese Angebote sind bei den Kindern sehr beliebt“, erzählt Maria Tsompanoglou.

Ein Blick ins „Wohnzimmer“ der Kinder und Jugendlichen.
Ein Blick ins »Wohnzimmer« der Kinder und Jugendlichen.

Kinder können mitbestimmen

Schon vor der Eröffnung sagte Sebastian Abecker: „Das soll das Wohnzimmer der Kinder und Jugendlichen sein!“ Mit anderen Worten: Sie bestimmen auch maßgeblich mit, was gemacht wird. So gab es zum Beispiel einen Ausflug in eine Lasertag-Arena – ein ausdrücklicher Wunsch der Kinder. Die jungen Besucher sollen sich wohlfühlen, nur so würden sie die Betreuer auch als Vertrauenspersonen sehen. Und auch das sei bisher gelungen. „Dafür ist es auch von Vorteil, dass sie hier einen Mann und eine Frau als Bezugspersonen haben“, sagt Sebastian Abecker. Diese Vertrauensarbeit sei oft leise, aber von großer Bedeutung. Nur so könnten Defizite oder Belastungen frühzeitig gesehen und begleitet werden.

Die beiden konnten auch schon in Elterngesprächen bei Problemen intervenieren und helfen. Zudem sind die beiden Pädagogen in Kontakt mit der Sozialarbeiterin der Grundschulen, Nicole Kruse. Sie kommt regelmäßig mit den Schulkindern zum Schnuppern vorbei, damit die Kinder das Angebot kennenlernen. Auch die Ortsranderholung sei eine gute Werbung für die Jugendarbeit. Für die Ferienbetreuung in den Sommerferien im Mutterstadter Wald sind die beiden mit verantwortlich.

Die Kinder und Jugendlichen, die die Jugendpforte schon längst kennen, kommen regelmäßig, einige auch täglich. Der Bedarf nach einem sicheren Raum, in dem die jungen Menschen freiwillig und ohne Zwang kommen können, sei groß. Das hat auch die Gemeinde erkannt. In diesem Jahr hat sie nach eigenen Angaben die Jugendarbeit mit 240.000 Euro finanziert, im kommenden Jahr sollen es noch einmal 30.000 Euro mehr sein.

Sebastian Abecker ist Leiter der Jugendpforte.
Sebastian Abecker ist Leiter der Jugendpforte.

Etabliert als sozialer Treff

Mittlerweile hat das Leitungsteam auch Unterstützung von Aushilfen und derzeit auch von Janis Gaß, der ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Jugendpforte absolviert. Das ermögliche es, die Jugendarbeit weiterzuentwickeln. „Wir haben zum Beispiel nun die Öffnungszeiten ausgeweitet, um Hausaufgabenhilfen anzubieten“, sagt Maria Tsompanoglou. So können Kinder mit Bedarf direkt nach der Schule in den Treff kommen. „Wir haben in Gesprächen gemerkt, dass das ein großes Thema in den Familien ist“, sagt sie. Und man wolle die Pforte auch als Veranstaltungsort für jeden öffnen, etwa mit größeren Veranstaltungen. Eine solche sei zum Beispiel der „Comedy-Flash“ mit dem bekannten Mannheimer Comedian Dennis Boyett im März gewesen.

Im Gespräch mit Abecker und Tsompanoglou wird schnell klar, die Jugendpforte ist in ihrem ersten Jahr gewachsen – nicht nur in Besucherzahlen, sondern vor allem in ihrer Bedeutung. Sie ist mittlerweile ein fester Bestandteil des sozialen Lebens in Mutterstadt und für viele Kinder und Jugendliche ein zweites Zuhause. Und die Einrichtung hat ganz offensichtlich das Potenzial, sich dauerhaft als sozialer Mittelpunkt zu etablieren. Sebastian Abecker und Maria Tsompanoglou wünschen sich, dass Bürger und Kommunalpolitiker noch viele Jahre zur Jugendpforte stehen und der Finanzierung gewogen bleiben. So könnten sie auch entspannt in die Zukunft schauen.

Der erste „Geburtstag“ wird natürlich gefeiert. Am Freitag, 21. November, steigt eine große Party für die Kinder und Jugendlichen. Alle Infos gibt es im Netz unter https://jugendpforte-mutterstadt.de.

Maria Tsompanoglou ist stellvertretende Leiterin.
Maria Tsompanoglou ist stellvertretende Leiterin.
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