Rhein-Pfalz Kreis Ein halbes Jahrhundert

Mutterstadt. Es war 1965, als ein paar Jungs aus Mutterstadt von der Beatmusik so begeistert waren, dass sie selbst eine Band gründeten. Jetzt feiern die Midnights ihr 50-jähriges Bestehen. Das große Jubiläum soll am Wochenende auf der Mutterstadter Kerwe so richtig gefeiert werden. Frühere Mitglieder, Freunde und natürlich die Fans sind eingeladen zur großen Sause am Sonntag ab 16 Uhr im Kerwezelt.
Es ist Freitag, der 15. Oktober 1965. Für fünf Mutterstadter Jungs zwischen 15 und 17 Jahren wird ein Traum wahr: Sie haben den ersten Auftritt mit ihrer Band Midnights in der TSG-Halle. Veranstalter sind sie selbst. Sie wollen fetzige Musik machen. Wenn sie an diesem Mittag die Deutsche Hitparade einschalteten, hörten sie die neue Nummer Eins von einer Band, die gerade zwei Jahre zuvor gegründet worden war: „Satisfaction“ von den Rolling Stones. Der erste Hit des Jahres 1965 war „Pretty Woman“ von Roy Orbison. Am Jahresende stand Drafi Deutscher mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ auf Platz Eins. Selbstverständlich haben die Midnights alle diese Songs im Laufe ihrer Bandgeschichte mehr als einmal gespielt. Herbert Krick, Gründungsmitglied und Rhythmusgitarrist, muss heute nur Drafi Deutschers Zeilen „Weine nicht, wenn der Regen fällt“ anstimmen, dann antwortet das Publikum wie aus der Pistole geschossen mit „Damm-damm, damm-damm“ und im Refrain geht es lautstark zur Sache. „1965 war eine andere Zeit für Musiker“, sagt Krick heute. Damals wurde Musik noch live von Bands gespielt. Im Herbst ging die Ballsaison los. „Wir waren meist komplett ausgebucht und spielten jedes Wochenende woanders“, erzählt der Gitarrist und Sänger. Ein Ball war ein Ereignis, für das sich die Musiker und das tanzfreudige Publikum in festliche Anzüge und Kleider hüllten. „Die Midnights spielten, was angesagt war“, erzählt Krick. Die Shadows waren große Favoriten der Gründungsmitglieder Bernd Römer und Erhard Rein. Die beiden werden auch zum Jubiläum erwartet. Im Laufe der fünf Jahrzehnte seien gut 30 Musiker dabei gewesen – allesamt Amateure, die sich neben ihrer Leidenschaft Musik tagsüber Schule, Ausbildung oder Beruf widmeten. Das sei manchmal ganz schön anstrengend geworden. Midnights nannte sich die Band, weil sie, wie alle Tanzkapellen damals, bis in die Morgenstunden spielten. Wenn die Jungs dann montags wieder Lehrlinge waren, sei auch schon mal einer an der Werkbank oder auf der Baustelle eingeschlafen, erinnert sich Krick. Die Midnights waren als vielseitige Tanzband sehr gefragt. Sie hatten Engagements im Tanzcafé Manz in Lambsheim und im Tanzpalast Delfin in Mutterstadt. Über die Pfalz hinaus spielten sie auch große Veranstaltungen wie Bälle, Silvesterfeiern und andere gesellschaftliche Ereignisse in noblen Hotels, bei großen Firmen und Institutionen. Später spezialisierte sich die Combo auf Weinfeste und Fasnachtsveranstaltungen. Doch die Zeiten für Livemusik wurden immer schwerer – zum Ball lädt heute kaum noch ein Veranstalter. „Von zehn Bällen ist noch einer geblieben“, sagt Krick. Hinzu komme, dass heute kaum ein Veranstalter noch eine Band bezahlen wolle. „Reich werden“ konnte man als Amateurmusiker nie, sagt Krick und liefert gleich ein Rechenbeispiel nach: „Für einen Gig fahre ich um 16 Uhr los, dann Aufbau und Soundcheck, um halb acht beginnt die Musik, man spielt bis um 2 Uhr, dann wird abgebaut. Wenn alles glatt läuft, komme ich um 4 Uhr morgens ins Bett.“ Die Musik sei für Amateure eher ein Hobby, das sich selbst finanziere. Mit dem Durchbruch als Rocker oder Popstar habe auch keiner der Musiker gerechnet, meint Krick. Alle seien unter der Woche anderen Berufen nachgegangen. Krick arbeitete als Servicetechniker für Alarm- und Brandmeldeanlagen. Aber von der Musik will der 65-Jährige nicht lassen, ebenso wie Schlagzeuger Achim Flick, Leadgitarrist Ivo Weinfurter und Keyboarder Stefan Forler. Die heutigen Midnights freuen sich schon riesig darauf, die alten Mitstreiter wieder auf die Bühne zu holen. Und natürlich wird die Band jede Menge Hits aus fünf Jahrzehnten Bandgeschichte spielen.