Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Ein gutes Jahr für die Störche

Drei Jungstörche auf der Kollerinsel bei Otterstadt: Sie sind im Juni beringt worden.
Drei Jungstörche auf der Kollerinsel bei Otterstadt: Sie sind im Juni beringt worden.

Trotz lange andauernden Regens sowie kühler Temperaturen an den Eisheiligen und einer weiteren frischen sowie nassen Wetterphase Anfang bis Mitte Juni, der sogenannten Schafskälte, sieht es nach einem guten Storchenjahr im Raum Speyer aus. Ingrid Dorner, die den Storchennachwuchs in der Region beringt, berichtet von zwei bis drei Jungtieren pro Nest.

Es gab aber auch Opfer zu beklagen bei den Storchen-Bruten. „In Römerberg-Heiligenstein, Zehentwiesen, verlor ein Brutpaar durch frühen Brutbeginn alle seine wohl schon über drei Wochen alten Jungen während des ,Storch-Sterbewetters’ der Eisheiligen“, weiß Ingrid Dorner. Allein am Montag, 11. Mai, der nach dem Heiligen Mamertus, im 5. Jahrhundert Bischof von Vienne in Südfrankreich, benannt ist, hat es zirka 30 Liter geregnet. Dabei stieg die Temperatur laut den Daten der Wetterstation Speyer auf dem Rinkenbergerhof an dem Tag nicht über 17 Grad, der Tiefstwert lag bei kalten 2,9 Grad. In den folgenden drei Tagen und Nächten blieb es zwar trocken, aber es war teils noch kälter.

Wenn die Jungstörche nass werden und auskühlen, droht ihnen eine lebensgefährliche Lungenentzündung. Bei „schlechtem Wetter“ kann es zudem sein, dass die Storchen-Eltern ihrem Nachwuchs weniger Nahrung als sonst bringen können – ob Mäuse, Heuschrecken oder Amphibien wie Kröten und Frösche. Krankheit und Hunger fordern in längeren Regenperioden unausweichlich ihre Opfer unter den kleinen Adebaren. Wobei die Größe der Brut, also die Anzahl der Küken, einen weiteren Faktor für die Überlebenschancen darstellt.

Mit Jungen überfordert

Ingrid Dorner, Sprecherin der Landesarbeitsgruppe (LAG) Weißstorchschutz beim Naturschutzverband Nabu, geht von einer Mindestschlupfgröße – auch bei Erstbrüterpaaren – von vier Nestlingen aus. „Die erfahrenen Altvögel entscheiden je nach Witterung und Nahrungsverfügbarkeit, wie viele Junge sie unter den herrschenden Umständen großziehen können, und werfen die schwächeren Jungtiere ab“, teilt die Bad Dürkheimerin mit. Junge Paare, die zum ersten Mal brüten, seien unter widrigen Wetterbedingungen mit der Versorgung ihrer Kleinen überfordert. „Sie füttern nur die bettelnden Erstgeschlüpften, die jüngeren Geschwistern bekommen wenig ab, schwächeln und werden über den Nestrand ,entsorgt’“, informiert die Expertin.

Trotz allem kann die Naturschützerin von der Beringung der Jungstörche im Raum Speyer in den vergangenen Wochen überwiegend Erfreuliches berichten. In Römerberg-Mechtersheim wachsen in einem Nest am Altenhof und in einem weiteren in der Speyerer Straße jeweils drei Jungstörche heran (2019: drei/vier). In dem Römerberger Ortsteil haben zudem zwei junge Adebare in der Mechtersheimer Straße durch Dorner das „Kennzeichen“ an ihrem rechten Beinchen angelegt bekommen (2019: einer). Hinzu kommen jeweils zwei Jungstörche in Harthausen in der Oberen Flussgewanne und in Hanhofen am Kandelhof (2019: einer/zwei). Vergangenes Jahr sind zudem in Berghausen in der Riedwiesengewanne drei Junge registriert worden. In den Zehentwiesen in Heiligenstein wurden auch 2019 schon keine Küken entdeckt.

Auf dem Dach der Grundschule in Otterstadt gab es diesmal mit einem ganz jungen Brutpaar zwar ebenfalls keinen Nachwuchs. Doch bei zwei weiteren Nestern des Vereins für Heimatpflege und Naturschutz Otterstadt (VHNO) auf der badischen Kollerinsel hat Dorners Kollege Helmut Stein bereits Anfang Juni insgesamt fünf Junge mit Ringen ausgestattet (in einem Nest zwei, im anderen drei). Die vergangenes Jahr auf der Otterstadter Schule geschlüpfte Thilo ist zudem weiter bei guter Gesundheit und seit einigen Wochen hauptsächlich im Landkreis Karlsruhe, jüngst bei Hambrücken, auf Nahrungssuche. Über die App „Animal Tracker“ lässt sich die Position der mit einem GPS-Sender ausgerüsteten Störchin verfolgen.

Naturschützer zufrieden

Ingrid Dorner zieht eine positive Bilanz des im August mit dem Zug der meisten Störche nach Süden zu Ende gehenden Storchenjahrs: „Im Großen und Ganzen ist der Bruterfolg im Speyerer Raum mit durchschnittlich zweieinhalb Jungen pro Brutpaar durchaus zufriedenstellend, in diesem Jahr vielleicht sogar überdurchschnittlich“, teilt das Nabu-Mitglied mit. Wobei sie auch über ein Paar berichten kann, dass nicht in einem von Menschen gemachten Nest seinen Nachwuchs aufzieht.

„In Römerberg-Berghausen wachsen auf einem nicht erreichbaren Pappelstamm mindestens zwei Jungstörche heran. Da die Jungen bei meinen vorabendlichen Beobachtungen immer schlafend in der Nestmulde lagen, können es auch bei diesem, seit Jahren zusammenhaltenden Elternpaar, noch mehr sein. Das wird sich zeigen, wenn die Jungvögel Flugtraining absolvieren und in voller Größe zu sehen sind“, sagt Dorner.

Auch in Hanhofen gibt es Jungstörche: Diese beiden wachsen in einem Nest am Kandelhof auf.
Auch in Hanhofen gibt es Jungstörche: Diese beiden wachsen in einem Nest am Kandelhof auf.
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