Rhein-Pfalz Kreis Ein großes Herz für Kinder

Wird ihre „Pesta“ vermissen: Schulleiterin Petra Böck-Dorsch geht in den Ruhestand.
Wird ihre »Pesta« vermissen: Schulleiterin Petra Böck-Dorsch geht in den Ruhestand.

«Mutterstadt.» Kinder unterstützen und begleiten, Grundschule gestalten, Verantwortung übernehmen: Dafür ist Petra Böck-Dorsch Lehrerin geworden. Zuletzt hat sie die Geschicke der Pestalozzi-Schule in Mutterstadt elf Jahre als Rektorin gelenkt. Am kommenden Mittwoch wird die 60-Jährige nun in den Ruhestand verabschiedet.

Lehrerin wollte sie schon immer werden, verrät Petra Böck-Dorsch. „Denn ich liebe Kinder, ihre Offenheit, ihre Herzlichkeit, ihre Spontaneität und ihren Charme.“ Deswegen habe sie auf jeden Fall einen Beruf ergreifen wollen, der mit Kindern zu tun hat. Am Berufsbild der Lehrerin habe sie gereizt, „die Kinder dabei zu unterstützen, wenn sie die Welt entdecken, und dabei zu sein, wenn sie sich zu eigenen Persönlichkeiten entwickeln“. Darüber hinaus erlaube es der Beruf, kreativ zu sein und innerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs viel zu gestalten – als Rektorin sogar noch mehr. „Ich weiß es bis heute zu schätzen, dass ich meine Arbeit 37 Jahre lang so ausüben konnte“, sagt die bald aus dem Amt scheidende Grundschulchefin. Am Job der Rektorin gefallen ihr außerdem der Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen, Institutionen und Organisationen, die zunehmende Anpassung an die Kinder. „Die Pesta ist kunterbunt und international“, schwärmt sie von „ihrer“ Schule. In ihrer langen Laufbahn hat Böck-Dorsch nach dem Studium der Mathematik, Philosophie und Grundschulpädagogik in Landau an sieben Grundschulen unterrichtet – unter anderem in Mainz, im Westerwald, in Birkenheide sowie als Rektorin ab 2003 in Fußgönheim und seit 2006 in Mutterstadt. Die vielen Stationen verlangten von ihr, sich stets neu einzuarbeiten, lehrten sie aber auch, über den Tellerrand zu blicken. „Dadurch bin ich flexibel geblieben, was mir als Lehrerin durchaus zugute kam“, sagt die 60-Jährige. Ihre Heimatverbundenheit brach sich Bahn, als Böck-Dorsch im Westerwald schwanger wurde. „Ich wollte unbedingt, dass meine Tochter Pfälzerin wird. Deshalb bewarb ich mich hierhin und hatte Glück, dass es klappte“, sagt sie. Nach den schönsten Momenten ihrer Karriere gefragt, grübelt sie kurz. „In der Schule ist jeder Tag ein Höhepunkt. Man denkt immer, man hat schon alles erlebt, erlebt dann aber ständig neue Situationen, auf die man reagieren muss“, sagt Böck-Dorsch. Und überlegt weiter. Schließlich findet sie doch eine herausragende Begebenheit: die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Pestalozzi-Schule im Schuljahr 2012/13. „Wir haben ein Jahr lang gefeiert und unter anderem im Palatinum vor 800 Gästen eine Revue aufgeführt. Sie stellte die Schulgeschichte im Spiegel der jeweiligen Zeit dar. Ich hab’ damals den Text geschrieben, und jedes Kind hatte einen Bühnenauftritt. Das war ein ganz besonderes Highlight“, erinnert sie sich. Selbstverständlich habe sich in den zurückliegenden Jahrzehnten im Schulalltag vieles geändert. Die Verschiedenheit der Kinder nehme etwa immer weiter zu. Die tägliche und größte Herausforderung bestehe daher darin, „den Lehrstoff so vorzubereiten, dass man alle Schüler da abholen kann, wo sie stehen“. Zumal die Familien heute weniger bildungsnah seien als früher, als Eltern sich noch mehr darum bemüht hätten, dass ihr Nachwuchs etwas lernt. Einen wichtigen Einfluss auf die gesamte Gesellschaft und eben auch auf die Grundschule hätten daneben die neuen Medien wie PC, Internet und soziale Netzwerke oder Tablets. „Wir verteufeln sie nicht, benutzen im Unterricht zum Beispiel auch Whiteboards. Unsere Aufgabe sehen wir darin, den Kindern einen sinnvollen Umgang mit diesen Medien zu vermitteln und sie auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die damit verbunden sind“, schildert Böck-Dorsch neue Aspekte, um die sich Lehrer inzwischen ebenfalls kümmern müssen. Je länger sie erzählt, desto deutlicher wird die Leidenschaft, mit der die 60-Jährige noch immer für ihren Beruf brennt. Der Aufkleber „I love my Job“ (Englisch für: Ich liebe meine Arbeit) auf ihrer Bürotür bestätigt den Eindruck. Eben darum sehe sie dem nahenden Ruhestand mit gemischten Gefühlen entgegen. Wehmut sei zweifellos dabei. „Ich werde den Unterricht vermissen, die Zusammenarbeit mit dem Kollegium, das Beraten von Eltern, Lehrern und Kindern, die Gestaltung der Schule als Ganzes“, gesteht Böck-Dorsch. Was ihr den bevorstehenden Abschied von ihrer geliebten „Pesta“ etwas erleichtert, ist, dass bereits eine kompetente Nachfolgerin gefunden wurde, deren Name bald bekannt gegeben werde. Doch all die vielfältigen Tätigkeiten kosteten zusammengenommen auch viel Kraft. Kraft, die sie fortan in andere Lebensbereiche investieren könne, die bisher vielleicht etwas zu kurz kamen. „Ich freue mich darauf, mehr Zeit zu haben für mein Enkelkind, für Reisen, für ein gesünderes Leben und mehr Sport“, blickt sie auf die Vorteile. „Vielleicht entdecke ich ja auch neue Hobbys, für die mir bislang die Muße fehlte.“ Zu ihrer aktuell liebsten Freizeitbeschäftigung gehört das Lesen, Böck-Dorsch bevorzugt Prosa, Krimis und Fachliteratur über ihren Beruf. Daneben wandert sie gerne oder bewegt sich gern in der freien Natur, fährt mit dem Fahrrad, macht „ein bisschen“ Step Aerobic und Walken. Ihre Reisen haben sie schon in viele Länder geführt, besonders gut gefällt ihr Frankreich. Kennenlernen möchte Böck-Dorsch als nächstes Südafrika und die Karibik und generell möchte sie mehr Sightseeing betreiben. „Denn bislang stand eher die Erholung im Vordergrund“, sagt sie.

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