Rhein-Pfalz Kreis Ein Gemeinschaftsmensch

In der Gemeinschaft der Dörfler fühlt sich Erich Armbrüster, Vorsitzender des MGV Klein-Schifferstadt, wohl. Seit seinem 19. Leb
In der Gemeinschaft der Dörfler fühlt sich Erich Armbrüster, Vorsitzender des MGV Klein-Schifferstadt, wohl. Seit seinem 19. Lebensjahr singt er im Verein.

«Schifferstadt.» Wie schafft er das eigentlich alles? Das fragt man sich schon mal bei Erich Armbrüster. Seit Jahrzehnten ist er Vorsitzender des MGV Klein-Schifferstadt, leitete den Sängerkreis Speyer, ist als Presbyter kirchlich engagiert, war für die Industrie- und Handelskammer im Prüfungsausschuss und engagiert sich für den Heimatpflegeverein. Nun hat er für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement die Verdienstmedaille des Landes erhalten.

Wenn Erich Armbrüster ein Ehrenamt übernimmt, gibt er 100 Prozent. Das ist für den 75-Jährigen Ehrensache. Wer den Schifferstadter kennt, schätzt ihn als immer freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Sein Talent, Menschen zu führen und Projekte zu organisieren, hat er schon früh entdeckt. Bereits in jungen Jahren hat es in seinem Leben eine wichtige Weichenstellung gegeben. „Als ich meine Ausbildung zum Formschmied in der BASF gemacht habe, bin ich dem Lehrmeister aufgefallen“, sagt Armbrüster. Nach der Gesellenprüfung arbeitete Armbrüster als Facharbeiter im Betrieb. Nach Ableistung der Bundeswehrzeit kehrte er in die BASF zurück. Der Lehrmeister schlug ihm vor, als Lehrgeselle die Ausbildung junger Leute in der Lehrwerkstatt zu unterstützen. So kam es, dass Armbrüster mit knapp 24 Jahren bereits Ausbildungsgruppen von jungen Leuten unterrichtete. „Da habe ich gemerkt, dass ich das gerne mache und auch Talent zum Reden habe“, erinnert er sich. Armbrüster hat nicht nur als Formschmied seinen Meister gemacht, er wurde auch Kunstschmied, Schlossermeister und Schweißfachmann. Der Schifferstadter wollte nicht nur Wissen für sich erwerben, er wollte es weitergeben. „Ich hatte Ehrgeiz und habe Talente entwickelt, die ich selber nicht erwartet hätte“, erinnert er sich. Und diese Freude wollte er jungen Leuten vermitteln. Bis zu seinem Ruhestand ab 2002 war er als Ausbildungsmeister aktiv. Und heute noch gibt er dieses Wissen weiter: Er hat dem Verein für Heimatpflege geholfen, eine Schmiede einzurichten und seit 20 Jahren zeigt Armbrüster im Herbst auf diesen Gerätschaften die Kunst des Schmiedens. Und er bringt jedes Jahr einen neuen Vortrag. Als 19-Jähriger hat Armbrüster begonnen, im MGV Klein-Schifferstadt zu singen. Die Dörfler wollten ihn auch bald zum Vorsitzenden machen. „Ich hab dann erst mal gebremst, denn ich hatte gar keine Erfahrung mit Vereinsführung“, berichtet er. Nach zwei Jahren als Stellvertreter rückte er an die Spitze. Und hatte große Projekte zu stemmen: Die Dörfler wollten ein Vereinsheim, das 100-jährige Vereinsbestehen war zu feiern – und das ging so munter weiter. Außerdem ist der Verein seit nunmehr 30 Jahren unter Armbrüsters Leitung auf dem Rettichfest mit einem Zelt vertreten. „Ich mag Herausforderungen“, sagt er. Aber er fügt gleich hinzu, dass er keiner ist, der alles an sich reißt. „Es gehört immer ein Team dazu, alleine kann keiner was bewegen“, ist Armbrüster überzeugt. Auch die Leitung des Sängerkreises Speyer hat er übernommen, hat dessen Feier zum 50-jährigen Bestehen organisiert und war von 1998 bis 2016 Vorsitzender. Mit den Sängern organisierte Armbrüster mehrere große Konzerte in der Gedächtniskirche und im Dom, an denen 1200 Sänger beteiligt waren. Seit der Fusion des Sängerkreises mit dem Kreis-Chor-Verband Germersheim, ist er Ehrenvorsitzender des Verbands. Auch wenn Armbrüster längst als Ur-Schifferstadter geschätzt ist – in die Pfalz gekommen ist seine Familie als eine Art Flüchtlinge. Die erste Unterkunft in Schifferstadt war eine Turnhalle. Die Familie Armbrüster sind Rumäniendeutsche. Nach der Besetzung Frankreichs wollte Hitler das Elsass wieder „deutsch“ machen. Dafür sollten Deutsche aus Rumänien ins Elsass übersiedeln. Armbrüster wurde auf dem Weg dorthin in Neu-Ulm geboren. Die Familie bezog einen Bauernhof, dessen ursprüngliche Bewohner vertrieben worden waren. Dann ging der Krieg verloren. Und da war klar, dass auch die französischen Hofbesitzer wieder zurück kehren werden. Die Familie machte sich dem zuvorkommend mit einem Wagen und zwei Pferden auf den Weg nach Deutschland. Die Turnhalle in der Rehbachstraße war 1944 in Schifferstadt ihr erster Unterschlupf, dann lebten die Armbrüsters bei einer Familie in der Burgstraße. 1951 zog die Familie in die Klappengasse. Als Erich Armbrüster 1966 seine Frau Helga heiratete, zog er zu ihr aufs Dörfel. „Die Familie ist ganz wichtig, ohne ihr Einverständnis und Unterstützung hätte ich das alles nicht machen können“, betont er. Die Familie nennt er das eine Standbein, das andere ist der MGV Klein-Schifferstadt und die Gemeinschaft der Dörfler.

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