Rhein-Pfalz Kreis Ein Gefühl der Vernachlässigung
«Dannstadt-Schauernheim.» Das große Dorfjubiläum Dannstadt-Schauernheims geht am Samstag zu Ende. Gefeiert wurde in beiden Ortsteilen – Dannstadt und Schauernheim. Lothar Distler findet allerdings, dass es bei der Aufteilung von Festivitäten und Aktionen nicht gerecht zuging. Der Rentner stammt aus Schauernheim, engagiert sich bei der Gruppe „Wir aus Schauernheim“ und hat das Gefühl, dass sein geliebter Heimatort stiefmütterlich behandelt wird. Nicht nur in Sachen Dorfjubiläum. Er hat gleich mehrere Punkte zu bemängeln. Theater Saalü Die groß angekündigte Vorstellung des Theaters Saalü, die einen Höhepunkt der Festivitäten in Schauernheim markieren sollte, „war der Reinfall des Jahres“, findet Distler. Nach seinen Beobachtungen waren die Gäste empört, viele hätten die über vier Stunden dauernde Veranstaltung vorzeitig verlassen. Das habe sich negativ auf den Besuch des sehr guten Konzerts des Musikvereins Harmonie zwei Wochen später ausgewirkt, bei dem die Veranstaltungshalle nur zu etwa 70 Prozent ausgelastet gewesen sei. Hierdurch seien den beteiligten Vereinen Unkosten entstanden, die sie aus eigener Kasse hätten begleichen müssen. Ortsbürgermeister Bernd Fey (CDU) weist den Vorwurf der Schauernheimer Vernachlässigung entschieden zurück. Sämtliche Festveranstaltungen seien von der gesamten Bürgerschaft geplant und organisiert worden. „Das ist nicht mein Programm, sondern das Ergebnis der Arbeitskreise, in denen auch viele Schauernheimer rege mitgewirkt haben. Es ist ein Programm von Bürgern für Bürger“, sagt er. Distlers Kritik am Theaterabend stimmt Fey indes zu. Er habe sich viel zu lange hingezogen. „Ich war selbst sauer“, räumt er ein. Zumal es ab 21 Uhr nichts mehr zu essen gegeben habe. Aber: „Das Theater stand nicht unter Regie der Ortsgemeinde. Es ist beim Gemeinde- und Städtebund sowie beim Kultusministerium in Mainz angesiedelt, auf den Ablauf des Abends hatten wir keinen Einfluss“, hebt er hervor. Das Harmonie-Konzert wiederum sei aus der Mitte der Vereinswelt heraus entstanden und nicht Teil des offiziellen Jubiläumsprogramms. „Ich war trotzdem dort, weil ich mich über die wunderbare Musik gefreut habe“, erklärt Fey. Wenn jemand eine Verbindung zwischen Theater und Konzert herstelle, könne er das nicht nachvollziehen. Finanzielle Unterstützung Laut Distler müssen sich die Schauernheimer stets selbst um alles kümmern. So habe seine Gruppe eigens einen Jubiläumssekt organisiert, das passende Etikett habe die Firma Eisel aus Bad Dürkheim angefertigt und als Sachspende zur Verfügung gestellt. Der Verkaufserlös werde Schauernheimer Belangen zugutekommen. So flössen zwei Euro vom Verkaufspreis je Flasche in die Pflege des Verkehrskreisels am Ortsausgang Richtung Fußgönheim, dem sogenannten Storchenkreisel. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Torbjörn Kartes habe für die Bundestagsfraktion eine größere Menge geordert, Sonja Schönherr vom CDU-Kreisverband Frankenthal ebenfalls. Und der CDU-Ortsverband habe 870 Euro vom Erlös des Scheunenfests gespendet. Der Verbandsbürgermeister dagegen habe bei seiner Amtseinführung lieber anderen Sekt verköstigt. „Was ich an meiner Amtseinführung zum Trinken ausschenke, bleibt mir überlassen“, kommentiert Stefan Veth (CDU) diesen Vorwurf. Er habe in der Vergangenheit aber auch schon Distlers Sekt bestellt und getrunken. Der Storchenkreisel Hier war nach Distlers Angaben die Beleuchtung der namensgebenden Storchenfiguren kaputt, die Reparatur kostete 2400 Euro. Davon habe die Sparkasse Vorderpfalz 1000 Euro gespendet, die Firma Dell 600 Euro. „Die restlichen 800 Euro mussten wir über Spenden beziehungsweise den Sektverkauf aufbringen“, erzählt der 78-Jährige. Außerdem habe er zum Jubiläum vier Eselsfiguren anfertigen lassen, um sie auf dem Kreisel aufzustellen. Bis Fey eingeschritten sei und darauf bestanden habe, dass neben zwei Eseln – dem Schauernheimer Symbol – künftig zwei Ochsen – das Dannstadter Symbol – den Kreisel zieren. „Wir haben alles über Spenden finanziert. Dann habe ich erfahren, dass er die Ochsen aus der Gemeindekasse bezahlt und das Geld zumindest für zwei Esel eingefordert“, sagt Distler. Das Geld sei inzwischen auch überwiesen. Er beklagt aber, dass die Kommune nicht einmal von sich auf die Gruppe „Wir aus Schauernheim“ zukam. Zumal für den Aldi-Kreisel in Dannstadt ein ungleich größerer Aufwand betrieben werde, um ein Modell der einstigen Lokalbahn Feuriger Elias aufzustellen. Vom Kultur- und Heimatkreis (KHK), der vor drei Jahren die Störche aufstellen ließ und dessen Vorsitzender Veth ist, komme seit Jahren keine Unterstützung mehr. „Es ist sehr lobenswert, dass es Bürger gibt, die bereit sind, Gemeindeflächen zu pflegen“, findet Fey. Die Geschichte mit den Tierfiguren bestätigt er. „Ochs und Esel, die gemeinsam den Karren ziehen, war immer unser Motto. Die Gemeinsamkeiten habe ich auch in einem Gedicht herausgestellt. Deshalb war ich dagegen, dass nur vier Esel auf den Kreisel kommen. Um die Ochsen musste ich mich selbst kümmern, und die Kosten für zwei Esel hat die Gemeinde übernommen“, berichtet er. Das Projekt am Aldi-Kreisel werde hingegen von der Ortsgemeinde finanziell nicht unterstützt. „Das läuft dort ausschließlich über Spenden“, hebt er hervor. Veth betont, dass Distler nie an den Kultur- und Heimatkreis herangetreten sei. „Um über eine Unterstützung beraten zu können, sollte auch tatsächlich angefragt werden“, erklärt er. Wie andere Vereine sei der KHK auch in Schauernheim aktiv, habe sich zum Beispiel beim Gemüsestraßenfest mit einer Bilderausstellung über „Alt-Schauernheim“ und einem Eisstand beteiligt. Daher weise er diese Kritik, die besonders zu Lasten des sehr aktiven Vorstands gehe, vehement zurück. Spenden Da Distler und seine Gruppe keine Spendenquittungen ausstellen dürfen, überließ er sämtliche Spenden der Kommune. Die darf Quittungen ausstellen. Vor Kurzem sei ihm jedoch mitgeteilt worden, dass das fortan nur noch für Neugestaltungen möglich sei, für Instandhaltungen nicht mehr. Darüber hinaus erhalte er keinen Zugriff auf Spenden, die er abgegeben habe. Kämmerer Dominik Wellstein habe sogar „infrage gestellt, was ich tue“ und Verwendungsnachweise verlangt. Bürgermeister Veth erklärt, dass für ordentlich geleistete Spenden über 50 Euro nach wie vor Quittungen ausgestellt würden. Und natürlich erhalte Distler Zugriff auf durch ihn veranlasste Spendengelder. „Dazu muss er allerdings die ordnungsgemäße Verwendung belegen.“ Stelle die Gemeinde Spendenquittungen aus, übernehme sie die Verantwortung. Deshalb seien Belege erforderlich. „Die Leute sollen ja nachvollziehen können, wofür ihr Geld verwendet wurde“, stellt er klar. Das sei Distler in einem Gespräch verdeutlicht worden. Nicht zuletzt nimmt Veth seinen Mitarbeiter in Schutz: „Kämmerer Wellstein ist ein korrekter und äußerst fähiger Mitarbeiter, der zu keiner Zeit das Engagement von Herrn Distler infrage gestellt hat.“ Alte Grenze Für Distler steht fest: „Die Gemeinsamkeiten zwischen Dannstadt und Schauernheim enden auf der Brücke (über die Autobahn 65, Anm. d. Red.)“. „Das habe ich nie so erlebt und erfahren“, lautet Feys Kommentar. Auch Veth teilt diesen Eindruck nicht. Gerade im Jubiläumsjahr würden fast alle Vereine beider Ortsteile gut zusammenarbeiten. „Vielleicht schätzt Lothar Distler das falsch ein, weil er schon zu lange in Mutterstadt wohnt.“ Es gebe immer wieder mal alte Ressentiments, die aber nicht mehr der täglichen Lebenspraxis entsprächen. Gerade in den vergangenen Jahren sei für Schauernheim viel getan worden, sagt Veth und nennt Beispiele: Erhalt und Ausbau der Grundschule, Renovierung von Straßen und Spielplätzen, Erstellung des Neubaugebiets Schauernheim-West samt Seniorenzentrum und Neugestaltung der Trauerhalle.