Rhein-Pfalz Kreis „Ein Fass ohne Boden“
„Das alles ist schon heftig.“ Das Ludwigshafener SPD-Urgestein Hans Mindl (72) legt kurz den Hörer zur Seite und holt sich den Aktenordner. Hier hält der Stadtrat seit Sommer 2011 akribisch fest, was sich beim Thema Elektrifizierung der S-Bahn vom Hauptbahnhof zur BASF tut. Die reinen Zahlen sind erschreckend. Denn die Stadt startete am 22. August 2011 mit einem Ansatz von 630.000 Euro. Seit Dezember fahren die neuen Bahnen. Mittlerweile muss die Stadt 5,6 Millionen Euro beisteuern. „Das ist ein Fass ohne Boden“, räumt der Genosse ein. Denn beinahe im Jahresrhythmus sind die Kosten gestiegen. Er hat daher in vielen Sitzungen gemeckert, Fragen gestellt, den Finger in die Wunde gelegt – und am Ende zugestimmt. „Es ist ja ein gutes und wichtiges Projekt, die Stadt kann nichts für die Kostensteigerungen“, bekennt der SPD-Politiker. Am Montag wird er sich wohl wieder zu Wort melden, wenn der Stadtrat die jüngste Kostensteigerung – 1,4 Millionen Euro mehr als noch im Herbst 2017 – absegnen soll. Und abermals zustimmen. Mit Bauchschmerzen, wie Mindl betont. „Was kommt denn da noch?“, fragt er – und ergänzt: „Die Baufirmen können noch vier Jahre lang Nachforderungen stellen.“ Mindl zeigt sich ein Stück weit ratlos: „Es heißt immer, die Ausschreibungen ergeben diese Preise.“ Damit ist der Ball im Feld des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN), der das Projekt federführend im Auftrag der DB Netz AG betreut hat. Und ein VRN-Sprecher zählt zur Begründung des Anstiegs auch brav „Mehrkosten und Nachträge der Baufirmen, die erst durch die Mehraufwendungen während der Bauphase in 2018 entstanden sind“, auf. Konkret räumt der Sprecher auf Nachfrage dann ein, dass es „höhere Marktpreise“ gegeben habe. Zudem hätten sich Schwierigkeiten ergeben: So musste in einem Tunnel Asbest beseitigt und entsorgt werden. Ohnehin haben sich die Arbeiten im Tunnel als aufwendiger und damit teurer herausgestellt. Gleiches gilt für höhere Auflagen bei der Leit- und Sicherungstechnik. Werner Schreiner vom VRN kennt das Gegrummel an der politischen Basis. Der Bahnexperte musste 2017 deshalb zweimal in den städtischen Gremien Rede und Antwort stehen. Den genervten und zum Teil entsetzten Politikern rechnete er mit Blick auf den damals zu verteidigenden Kostenanstieg vor, dass für die Bauarbeiten vor allem drei große Firmen infrage kommen. Entsprechend gestalteten sich die Preise, so Schreiner. Das sei deutschlandweit ein Problem bei Nahverkehrsprojekten. „Eigentlich nicht hinnehmbar“, beklagte Mindl damals. Insgesamt rüttelt im Rat aber niemand am Gesamtvorhaben. Und das, obwohl die klamme Stadt alles mit Krediten finanzieren muss. Denn mit Blick auf die großen Hochstraßensanierungen wollen alle das Angebot im öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Als wichtiger Baustein gilt eben die neue S-Bahn zur BASF. Das sieht auch der Konzern so: Man wolle eine „attraktive Alternative zum Auto schaffen“, so Vorstandsmitglied Michael Heinz. Und das hat seinen Preis.