Rhein-Pfalz Kreis Ein Fahrrad für den besten „Boxer“

Mutterstadt. Radrennen, Oldtimer-Ausstellung, verkaufsoffener Sonntag und natürlich der Vergnügungspark und die Angebote der Vereine: Die Mutterstadter Kerwe hat eine Menge Programm zu bieten. Dazu gehört auch seit Jahren ein Kartenspiel-Turnier im „Boxen“ zum Auftakt.
Am Samstag sind zahlreiche Teilnehmer zusammengekommen, um sich im Karten-Box-Turnier zu messen. Auf einem langen Tisch sind in einer Ecke des Saals in der Neuen Pforte die Preise aufgestellt, die sich die „Boxer“ im Anschluss an das Turnier aussuchen dürfen. Sie haben die Wahl zwischen Schraubenzieher-Set, Dosenöffner, Funkwecker, Whiskey, Sonnenschirm und vielen weiteren Gegenständen, die von örtlichen Behörden, Vereinen und Unternehmen gespendet wurden. Eine edle Armbanduhr und ein Mountainbike, das neben dem Tisch steht, fallen besonders auf. „Das sind die ersten beiden Sachen, die weg sind“, erklärt Günter Weinacht. Zusammen mit Raimund Maier betreut er seit etwa 20 Jahren das Turnier. „Die Spieler suchen sich entsprechend der Rangfolge nacheinander die Preise aus. Jeder bekommt am Ende also etwas. Der Erstplatzierte schnappt sich gewöhnlich sofort das Fahrrad.“ Der Sieger erhält außerdem einen Wanderpokal, auf dessen Sockel neben den Namen seiner Vorgänger auch sein eigener eingraviert werden wird. „Auch für den Letzten gibt es etwas Besonderes“, sagt Weinacht und zeigt auf eine riesige Brezel. Die Regeln des Spiels, das nach Aussage der Veranstalter oft in pfälzischen Kneipen gespielt wird, ähneln denen anderer Kartenspiele wie „Tausendundeins“, „66“ oder „Melden“. Gespielt wird immer zu dritt. Ein Spieler versucht, auf einen zuvor von ihm genannten Wert zu kommen, während seine zwei Kontrahenten ihn daran zu hindern versuchen. 21 Männer aus Mutterstadt und den Nachbargemeinden haben sich angemeldet und eine Gebühr von fünf Euro gezahlt. Zusätzlich kommen nach jedem verlorenen Spiel weitere 50 Cent in die Kasse. „Der Erlös kommt sozialen Zwecken zugute“, versichert Ortsbürgermeister Hans-Dieter Schneider. Die Teilnehmerzahlen seien in den letzten Jahre zurückgegangen. „Leider interessieren sich nur wenige junge Leute für das Spiel“, beklagt er. Und tatsächlich sind die meisten Teilnehmer, die an den Tischen sitzen, schon im Rentenalter. An Tisch eins sitzen die Mutterstadter Walter Mayer und Karlheinz Frosch sowie Roland Geimes aus Schifferstadt, nachdem das Los über die Zusammensetzung der Partien entschieden hat. Mayer ist zum zehnten Mal dabei. „Mir geht es nicht um die Preise“, sagt der Mutterstadter, der das Turnier vor zwei Jahren gewonnen hat. „Die Gemeinschaft und das Aufrechterhalten der Tradition sind wichtig.“ Der 63-Jährige betreibt einen kleinen Kiosk. Viele seiner Kunden sitzen an den Spieltischen. Als die erste von mehreren Runden beginnt, die jeweils über 45 Einzelpartien gehen, merkt man, dass hier Profis am Werk sind. Die Handbewegungen der Spieler, die in hohem Tempo Karten ablegen, sind flüssig. Ab und zu wird auch eine Karte mit Nachdruck auf den Tisch geknallt. Gespräche drehen sich nur noch um die aktuellen Partien. Sätze wie „Jetzt kummt de Sturm!“ und „Do hoscht′s!“ sind zu hören. Nach etwa drei Stunden ist das Turnier beendet. Die höchste Punktzahl erreicht Herbert Huhn. Ihm folgen Klaus Windecker und Walter Mayer auf den Plätzen zwei und drei. Der letzte Platz und damit auch die Riesenbrezel geht an Norbert Fichtenmeier. 320 Euro sind heute laut Weinacht in die Kasse eingezahlt worden. Während des Turniers sind die Bänke und Tische im Freien und in den Festzelten auf dem Platz vor der Neuen Pforte noch leer. Die Bewirtung beginnt erst am späten Nachmittag. Dann verwandeln die Süßigkeitenbuden und Fahrgeschäfte den Messplatz in ein Lichtermeer. Heute startet um 16.30 Uhr das Kerwe-Radrennen. Am Abend spielt Entertainer Frank Petersen im Festzelt. Bis morgen lockt der Vergnügungspark auf dem Messplatz.