Rhein-Pfalz Kreis Ein Ehrentreffer und ganz viel Freude

91-83760219.jpg
Altrip

. Dunkler Rauch steigt vom Spielfeld auf, und der Boden des Mittelfelds ist mit einem großen Kreuz markiert: Schon bevor das Fußballspiel am Mittwochabend losgeht, wird klar, dass es sich nicht um eine Austragung wie jede andere handelt. Die Markierungen sind notwendig, damit der eingeflogene Spielball landet, wo er soll – er wird nämlich von einem Quartett von Fallschirmspringern des Fallschirmsportclubs Mannheim begleitet. „Unser Ziel ist es 2:0 in Führung zu gehen und dann hinten dicht zu machen“, erklärt der Altriper Mittelfeldspieler Peter Schunk vor Spielbeginn. Ganz ernst gemeint ist die Taktik wohl nicht, da sich die Altherren vom TuS da einiges vorgenommen hätten: Die gegnerische Mannschaft ist die Lotto-Elf, eine prominente Gruppe von Fußball-Legenden, in der unter anderem der ehemalige 54er-Weltmeister Wolfgang Overath oder der einstige Deutsche Meister Stefan Kuntz spielen. Die Lotto-Elf kickt regelmäßig gegen regionale Fußballvereine, um Spendengelder für wohltätige Zwecke zu sammeln. Zu seinem 110-jährigen Vereinsbestehen hat es der TuS geschafft, die Prominentenmannschaft zu seinem Sportfest nach Altrip zu holen. Die Spenden und Einnahmen der Veranstaltung gehen an das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen. „Die Einlaufkinder stehen bereit“, kündigt Stefan Pauly von der Lotto-Elf, der zusammen mit Dieter Ehlers vom TuS den Stadionsprecher und Moderator spielt, an. Die Kleinen kommen zum Einsatz, nachdem 20 Mädchen im Alter von vier bis 14 Jahren für Stimmung sorgen: Mit Puscheln ausgestattet zeigen sie, was sie in den Mittagsstunden beim Cheerleader-Training von Nika Krosny-Wosz gelernt haben. Die Frau des ehemaligen Fußballspielers Darius Wosz hat die Mädchen trainiert, während ihr Mann ein Schnuppertraining für D-Junioren abgehalten hat. Unterstützt hat den früheren Profi dabei der Torwarttrainer und 74er-Weltmeister Wolfgang Kleff, der beim anschließenden Spiel durch die Zuschauerreihen geht und Spenden für Flüchtlingskinder in Rheinland-Pfalz sammelt. Zehn Minuten! Immerhin. So lange hat es die Ü40-Mannschaft vom TuS ausgehalten, bis sie das erste Tor kassiert. Die ausgemachte Taktik ist ab diesem Zeitpunkt zwar dahin, doch konzentriert man sich in Altrip auch gerne auf die zweite Halbzeit, wie Moderator Ehlers wissen lässt. In den ersten 45 Minuten werden noch drei weitere Tore geschossen. Eines davon geht dank des Schützen Patrick Thisse sogar auf das Konto der Gastgeber. Von den je 18-köpfigen Mannschaften darf jeder mal auf den Platz. Doch das Ruder ist nicht mehr herumzureißen, obwohl die Altriper zeitweise den mit 78 Jahren sehr erfahrenen Spieler Klaus Pfister einsetzen. Es bleibt bei einem Treffer für den TuS. Nach Ende der zweiten Halbzeit steht es 8:1 für die Lotto-Elf. „Es waren relativ wenige Tore, der Altriper Torwart hat gut gehalten“, sagt Marco Haber, ehemaliger Bundesliga-Spieler unter anderem beim FC Kaiserslautern und beim VfB Stuttgart und im Mittelfeld für die Lotto-Elf im Einsatz. Normalerweise verbucht die Promi-Mannschaft Ergebnisse im zweistelligen Bereich. TuS-Torhüter Michael Hauck hat sich aber stark ins Zeug gelegt und einige Schüsse der Profis abwehren können. Zu Recht wird er deshalb vom 54er-Weltmeister Horst Eckel zum „Man of the Match“ (Spieler der Begegnung) gekürt und bekommt ein von allen Lotto-Elf-Spielern signiertes Trikot überreicht – das sein achtjähriger Sohn Max mit großer Freude abgreift. „Die hohe Summe macht die acht Tore deutlich leichter“, sagt Torwart Hauck, mit Blick auf die insgesamt 18.000 Euro, die durch Spendengelder und Einnahmen des Sportfests zusammengetragen wurden. Auch Dirk Müller, Vereinsvorsitzender des TuS, ist vom beachtlichen Erfolg überrascht: „Damit hätten wir nicht gerechnet, das ist wirklich großartig!“ Zu verdanken ist das Ergebnis aber nicht nur der Lotto-Elf, sondern auch der professionellen Organisation der Veranstaltung: Mit dreimonatiger Vorlaufzeit, rund 130 Helfern, mehreren Essens- und Getränkeständen, einem breiten Unterhaltungsprogramm samt Live-Musik, Attraktionen für Kinder und einer Tombola, für die mehrere Bundesliga-Vereine Präsente wie VIP-Karten für Fußballspiele gespendet haben, hat der TuS zu seinem Jubiläum ordentlich was auf die Beine gestellt. „Man merkt, dass das hier eine Herzenssache ist“, sagt Linnford Nnoli, Sprecher des Kinderhospizes Sterntaler, dem in der Halbzeitpause der Spendenscheck vom Vereinsvorstand übergeben wird. Das Geld können die Sterntaler sehr gut gebrauchen, da der im vergangenen Jahr fertiggestellte Neubau in Dudenhofen noch nicht abbezahlt ist und der laufende Betrieb finanziert werden muss. Vom Geld abgesehen, ist es aber auch die moralische Unterstützung, die den Kindern und Angehörigen viel bedeutet: „So etwas gibt unseren Familien viel Kraft mit auf den Weg. Kraft, die sie wirklich brauchen“, sagt Nnoli.

x