Rhein-Pfalz Kreis Ein echter Star am Himmel

Stare orientieren sich im Schwarm an ihren Nachbarn – es entstehen unglaubliche Choreografien.
Stare orientieren sich im Schwarm an ihren Nachbarn – es entstehen unglaubliche Choreografien.

Der Star ist zum Vogel des Jahres gekürt worden. Mit seinem Appetit auf Weintrauben kann er in den Weinbergen erhebliche Schäden anrichten. Allerdings sind die berüchtigten Schwärme nicht mehr so groß wie früher. Ein Grund für Naturschützer und Vogelexperten, den Star im Rhein-Pfalz-Kreis in Schutz zu nehmen.

Stare mögen gefräßig sein, aber sie sind soziale Wesen. Das zeigt sich, wenn sie am Vogelhäuschen zur Nahrungsaufnahme zusammenkommen. Volker Westermann ist total fasziniert. Der Bildungsförster vom Forstamt Pfälzer Rheinauen, das unter anderem für Bobenheim-Roxheim zuständig ist, beobachtet den Star gerne. „Es verblüfft mich immer wieder, wie viele Stare friedlich zusammen auf engstem Raum fressen können, ohne Stress zu bekommen. Auch andere Arten wie Sperlinge und Meisen werden geduldig als Nachbarn ertragen“, berichtet er. Stare mögen es auch, wenn viele Artgenossen in der Nähe brüten. Nester werden bevorzugt in Baumhöhlen gebaut. Wenn es solche aber nicht gibt, weicht der Star aus: „Mauernischen und Hohlräume aller Art dienen als Ersatz“, sagt der Förster. Aber es wird immer schwieriger für den Vogel, geeignete Brut- und Fressplätze zu finden. „Eine Million Starenpaare haben wir allein in Deutschland in nur zwei Jahrzehnten verloren“, meldet der Naturschutzbund (Nabu). Erst kürzlich wurde der Vogel des Jahres in der Roten Liste auf „gefährdet“ hochgestuft. Seine bevorzugten Lebensräume wie Weiden, Wiesen und Felder mit Alleen und Waldrändern werden laut Nabu immer intensiver genutzt. Der Star benötigt den Naturschützern zufolge nicht nur Baumhöhlen zum Brüten, sondern auch Nahrungsflächen mit kurzer Vegetation, wo er Würmer und Insekten findet. Doch Hecken und Feldgehölze stören eher beim intensiven Anbau von Getreide oder Energiepflanzen in Monokulturen. Auch die Haltung von Nutztieren in Ställen setzt dem Star zu, sagen Vogelexperten. Denn grasen Tiere nicht auf der Weide, hinterlassen sie auch keinen Mist, der Insekten anlockt. Eine wichtige Nahrungsquelle fällt für den Vogel weg. Der Star ernährt sich schließlich nicht nur von Weinbeeren. Im Rhein-Pfalz-Kreis findet der Vogel noch Brutmöglichkeiten, etwa in den Auwäldern bei Altrip und Waldsee. „Von dort aus starten Stare ihre Flüge zu Wiesen und Feldern oder in die Weinbauregionen“, sagt Volker Westermann. „Abends kommen sie zum Schlafen zurück in den Wald. Das abendliche Gezwitscher in den Bäumen, das nach und nach ruhiger wird, bis schließlich Stille einkehrt, muss man einmal erlebt haben.“ Der 22 Zentimeter große Vogel hat ein purpurglänzendes Gefieder sowie einen kurzen Schwanz und einen langen Schnabel. Neben einer Unmenge an eigenen Gesangsmotiven besitzt er die Fähigkeit, andere Vögel perfekt nachzuahmen. Sein rhythmisches Singen unterstreicht er dabei gerne mit weit geöffneten Flügelbewegungen. Der Aufwand lohnt sich: Starendamen finden die Männchen am attraktivsten, deren Gesang die meisten Motive enthält und die beim Singen die größte Ausdauer an den Tag legen. Doch ein Star kann auch wie ein Handy klingeln oder wie ein Schaf blöken. „Es gibt Stare, die gackern wie Hühner von den Bäumen herunter. Warum sie das machen? Ich weiß es nicht“, sagt Westermann und lacht. Der Star ist eben ein Spaßvogel. Faszinierende Flugkünstler und Formationsflieger sind Stare auch. „Die Schwarmbildung ist ein einzigartiges Naturschauspiel“, schwärmt der Förster. „Im Herbst bestehen solche Schwärme aus vielen Tausend Vögeln. Einer der größten Schwärme überhaupt wurde 2016 in Schleswig-Holstein beobachtet, man schätzte 220.000 Vögel.“ Westermann weiß aber auch, warum die Tiere sich sammeln: Der Schwarm schützt sie vor Angreifern, als Einzelvögel wären sie unterwegs viel leichtere Beute als im Schutz der Masse. Dabei orientieren sich Stare im Schwarm an bis zu sieben Nachbarn, sie versuchen immer den gleichen Abstand zu ihnen zu halten. „Dadurch entstehen unglaublichen Choreografien. Tausende Vögel bewegen sich wie ein einziges Wesen am Himmel.“ Manche Stare bleiben im Winter da, zumindest bei uns im Südwesten. Andere ziehen gen Süden, um den Staren Platz zu machen, die von Norden und Osten zu uns ausweichen. Der Nabu beschreibt auf seiner Internetseite die Paarbildung beim Star als „ziemlich komplizierte Beziehungskiste“: Manche Stare sind monogam, andere haben mehrere Vogeldamen gleichzeitig. Zwischen der ersten und der zweiten Brut wird gerne mal der Partner gewechselt. Und auch Eifersucht scheint es zu geben. Männchen bleiben nach der Paarung gerne dicht beim Weibchen, damit es sich nicht anderweitig umschaut. Würde es eine „bunte“ Vogelzeitschrift geben – die Klatschspalte wäre voll. Förster Westermann stellt fest: „Es scheint gewisse Parallelen zwischen dem Vogel Star und den anderen Stars zu geben ...“ Starenabwehr

Eltern-Star mit kleinen Schreihälsen. Das schöne Foto hat der in Schifferstadt wohnende Förster Ernst Christian Driedger gemacht
Eltern-Star mit kleinen Schreihälsen. Das schöne Foto hat der in Schifferstadt wohnende Förster Ernst Christian Driedger gemacht.
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