Römerberg
Ehrenbürger: Der Mann mit dem Römerberg-Gen
Als 1969 aus den bis dahin eigenständigen Orten Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim die Einheitsgemeinde Römerberg geschaffen wurde, waren sich die drei Ortsteile nach der Wahrnehmung von Clemens Bengert noch ziemlich fremd. „Auf der Verpackung stand Römerberg drauf, aber es waren Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim drin“, sagt er. Ihm selbst seien solche Ressentiments immer fremd gewesen. Der 75-Jährige selbst stammt aus Berghausen, ein Großelternteil war allerdings aus Mechtersheim. Zu dem Ortsteil behielt Bengert dadurch zeit seines Lebens eine enge Verbindung, beispielsweise durch sein Engagement als Ehren-Elferrat im Mechtersheimer Karnevalverein. Daneben fühlt sich Bengert auch Speyer eng verbunden. Dort ist er nicht nur geboren und – als Teil des ersten Jahrgangs im Schwerd-Gymnasium – zur Schule gegangen, er war auch mehrere Jahre als Mediziner im Sankt-Vincentius-Krankenhaus tätig.
Zum Ehrenbürger soll er allerdings in der Gemeinde werden, in der er – abgesehen von der Studienzeit – immer gelebt und in der er viel Gutes bewirkt hat: Römerberg. Den entsprechenden Beschluss hat der Ortsgemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung Anfang Oktober des vergangenen Jahres gefasst. Bürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) habe ihn dann angerufen und mitgeteilt, dass ihm die Gemeinde gerne die Ehrenbürgerwürde verleihen würde. Bengert gibt zu, erst einmal gar nicht so begeistert von der Neuigkeit gewesen zu sein. Der 75-Jährige, der sich als „kleiner Philosoph des Alltags“ beschreibt, erzählt, dass er viel darüber nachgedacht habe, ob die „Ehrenbürgerwürde“ nicht eher eine „Ehrenbürgerbürde“ sei. „Ich habe mit dem Begriff eine moralische Verpflichtung verbunden, von der ich nicht wusste, ob ich sie erfüllen kann.“ So habe er befürchtet, dass nun von ihm erwartet werde, stets bei öffentlichen Veranstaltungen präsent zu sein – was er in seinem Alter nun eigentlich nicht mehr vorgehabt habe. Doch Gespräche mit Freunden hätten ihn überzeugt, dass es tatsächlich um eine Anerkennung des Geleisteten und nicht um eine Verpflichtung für die Zukunft gehe.
Patienten aus allen Ortsteilen
Viel geleistet hat Bengert vor allem in seiner Arztpraxis in der Nähe des Berghausener Bahnhofs. Die gibt es seit 1981. Eine fünfstellige Zahl an Patienten haben er und seine Kollegen dort behandelt. Neben ihm sind dort sein Sohn und zwei weitere Ärzte tätig. Bei der Namensgebung schlug Bengerts „Römerberg-Gen“, das er sich selbst attestiert, durch: „Praxis für hausärztliche Medizin Römerberg“ legte er seinerzeit als Name fest, obwohl damals die Ortsteile eine noch viel größere Rolle gespielt hätten. „Wir waren ein bisschen ein ,Römerberg-Pilot’ und mit die ersten, bei denen nicht mehr der Ortsteil im Mittelpunkt stand“, erinnert sich Bengert.
Schon alleine durch den Kontakt mit den vielen Patienten aus allen Ortsteilen, hat Clemens Bengert seine Heimatgemeinde geprägt. Er kennt die familiären Strukturen und Lebensgeschichten vieler Römerberger. Darüber hinaus ist er kontinuierliches Mitglied im Vorstand des Rot-Kreuz-Ortsverbands. Aber auch sportlich hat der 75-Jährige Spuren hinterlassen: Als Fußballer habe er „eine bescheidene Karriere“ hingelegt, bei der sich sein Weg auch mit späteren Bundesligaspielern wie Hannes Riedel gekreuzt habe, erzählt Bengert. Mit seiner Schulmannschaft brachte er es Mitte der 1960er Jahre sogar zur Pfalzmeisterschaft. Und beim FV Berghausen war er später als Jugendtrainer tätig. Heute sei er Mitglied in mehreren Römerberger Sportvereinen.
Keine Lust auf Rente
Seinen Beruf als Arzt will Bengert weiter ausüben – obwohl er das Rentenalter längst erreicht hat. Wie lange, das hänge hauptsächlich von seiner eigenen gesundheitlichen Situation ab. Bengert hat sich dabei in den vergangenen Jahren zunehmend darauf spezialisiert, bei älteren, gebrechlichen Patienten Hausbesuche zu machen. Er begleitet viele Patienten bis zum Tod. Belastet ihn das angesichts seines eigenen Alters nicht? Bengert versucht, die Dinge positiv zu sehen: „Es hilft mir, mein persönliches Schicksal einzuordnen“, sagt er. Ebenso verhält es sich, wenn er selbst wegen altersbedingten Krankheiten zum Arzt muss: „Es ist ein Rollentausch, der mich weiterbringt“, sagt er. Er könne so sein Verständnis für die eigenen Patienten vertiefen.
Die Verbundenheit mit seiner Heimatgemeinde kann Bengert kaum noch weiter vertiefen. „Ich liebe meine Heimat“, sagt er. Es habe ihn auch noch nie von dort fortgezogen. Und mittlerweile hätten auch die meisten Berghausener, Heiligensteiner und Mechtersheimer ein Römerberger Gemeinschaftsgefühl entwickelt, so wie der Arzt es schon lange spürt. „Es mag da und dort noch ironische Spitzen geben. Aber mittlerweile sind wir wirklich eine Gemeinde geworden“, sagt er. „Es steht nicht mehr nur Römerberg drauf, es ist auch Römerberg drin.“
