Leute im Landkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Ehrenamtliches Engagement ist die Stärke von Katrin Lepke

Das Lachen ist Katrin Lepke (mit FASD-Maskottchen Otter Kugy) nicht vergangen. Unermüdlich setzt sie sich für andere Menschen ei
Das Lachen ist Katrin Lepke (mit FASD-Maskottchen Otter Kugy) nicht vergangen. Unermüdlich setzt sie sich für andere Menschen ein.

Katrin Lepke ist Mutter mit Leib und Seele. Ihre Adoptiv- beziehungsweise Pflegekinder sind von einer Fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD) betroffen. Tätigkeiten rund um den deutschlandweiten FASD-Verein prägen Lepkes Leben. Für ihre ehrenamtlichen Verdienste wurde sie jetzt mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet

Als Katrin Lepke kurz vor Weihnachten den Anruf aus dem Vorzimmer von Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD) mit der Einladung nach Mainz erhielt, konnte sie es kaum glauben. „Falsch verbunden“, sagt sie, habe sie zunächst gedacht. Sie könne nicht gemeint sein. Gefreut hat sich die gebürtige Leipzigerin über die Auszeichnung, die ihr am 16. Februar verliehen wurde, aber dann doch, wie sie erzählt. Gleichzeitig macht sie klar: „Ich alleine könnte gar nichts reißen.“

Wichtige Stützen sind für sie der Verein FASD Deutschland, dessen stellvertretende Vorsitzende sie ist und für den sie die Homepage betreut sowie ihr Ehemann Mario (59). Wie zum Beweis klingelt während des Gesprächs mit der RHEINPFALZ das Telefon. Die Ludwigshafener Förderschule Georgens-Schule ist dran. Lepke ist Vorsitzende des Fördervereins der Schule und auch noch stellvertretende Vorsitzende des Schulelternbeirats. Dem jüngsten Pflegesohn Samuel (13) gehe es nicht gut. Er sei sehr blass, hieß es.

Sofort zieht Mario Lepke, der als PC-Fachdozent gerade im Homeoffice arbeitet, seine Mittagspause vor und holt ihn ab. Samuel leidet wie seine zwei älteren Geschwister Shannon (21) und Jim (16) unter FASD, worunter alle Formen von durch Alkoholkonsum verursachte Schäden an Kindern zusammengefasst werden. Das Paar, das selbst keine Kinder bekommen konnte, lebte gerade in Braunschweig, als es Säugling Shannon zu sich aufnahm. Nach einem Umzug nach Hamburg stieß Jim zur Familie. Seit 2007 ist Mutterstadt Lebensmittelpunkt und Samuel folgte als fünftes Familienmitglied.

Da Samuel unter anderem mit einer multiplen Traumatisierung behaftet ist, ließ sich die gelernte Industriemechanikerin Lepke, die noch ein Lehramtsstudium für Deutsch und Russisch draufsetzte, während der Corona-Zeit außerdem zur zertifizierten Traumapädagogin ausbilden. 2015 gründete sie in Geinsheim die Selbsthilfegruppe FASD Pfalz, wofür sie 2022 mit dem zweiten rheinland-pfälzischen Sebsthilfepreis der Ersatzkassen ausgezeichnet wurde.

„Alles, was ich rund um FASD tue, ist ehrenamtlich“, sagt die 53-Jährige. „Ich wurde dazu erzogen, nicht immer die Hand aufzuhalten“, meint sie lächelnd. Es treffen Anfragen bei ihr ein, für betroffene Eltern und Sozialarbeiter, für Einrichtungen und das Jugendamt sowie für alle, die mit dem Thema zu tun haben, Fortbildungen zu geben. Für „ganz wichtig“ hält sie auch Vorträge zur Prävention an Schulen.

Sie wird nicht müde zu mahnen, dass jedes Gramm Alkohol in der Schwangerschaft zu viel sei, da ein Ungeborenes die acht- bis zehnfache Zeit für die Verstoffwechslung benötige. Sie weiß bestens Bescheid über alle möglichen späteren Beeinträchtigungen der Heranwachsenden. Alle ihre drei Schützlinge weisen Entwicklungsrückstände auf, ein Kurzzeitgedächtnis fehle, der Bezug zur Realität sowie die Fähigkeit, Situationen zu differenzieren.

Zudem läge eine größere Unfallgefährdung vor. Das Schmerzempfinden sei herabgesetzt. Und es mangele an Verständnis, was das eigene Verhalten bei anderen auslösen könne. Oft wird sie auch von Hilfesuchenden angerufen. „Und dann reden wir halt mal“, meint Lepke. So könne sie denjenigen am anderen Ende der Leitung das Gefühl geben, nicht alleine zu sein. Sie dagegen fühle sich bestärkt: „Okay, du kannst Menschen helfen.“

Ihre sonstige Kraftquelle im fordernden Alltag? Gerne gönnt sie sich auch tagsüber immer mal wieder ein halbes Stündchen für ein Spielchen oder zum Rätsel lösen. Sie strickt gerne und empfindet Bügeln als entspannend. „Das genieße ich“, verrät sie. Genauso die Abende auf der Couch mit ihrem Mann, wenn die Kinder im Bett sind. Dann lassen die beiden die positiven Dinge des Tages Revue passieren, auch wenn es „nur“ ein von den Kindern richtig herum arrangiertes Besteck oder ein Küsschen waren.

Lachen nicht verlernen

Sie schätzt aber auch, dass sie gemeinsam schweigen können sowie „einfach mal ein Paar zu sein“. Qualitätszeit als Familie erlebten die Fünf bei Urlauben in Schleswig-Holstein zum Baden oder Wattwandern, in Irland oder in der Türkei, wo eine Delfintherapie auf dem Programm stand. Es würden auch Treffen mit anderen Familien in gleicher Situation organisiert. Viele Freundschaften seien daraus entstanden, und man habe zusammen viel Spaß, berichtet Lepke weiter.

Als „ganz normal durchgeknallte Wesen“ sieht sie sich mitsamt Freunden und lacht. Auch wenn FASD generell ein ernstes und eher trauriges Thema sei, müsse man in ihren Augen lachen können. „Wenn wir das Lachen verlernen, helfen wir niemandem“, beschreibt sie ihre Einstellung. Ihre Lebensumstände, ihre Kinder und der Verein haben sie geprägt: „Sonst wäre ich nicht, was ich bin.“

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