Dudenhofen
Ehemaliges Walter-Grundstück: Statt Wohnpark Gedenkstätte vorgeschlagen
Der Ortsgemeinderat hatte zuletzt gegen die Stimmen der Grünen den für das Projekt erforderlichen Bebauungsplan „Wohnpark am Hainbach“ aufgestellt. Dieser sieht vor, auf dem 0,7 Hektar großen, parkartig gestalteten, nördlichsten Teil der drei Villen-Grundstücke der früheren Firma Walter & Söhne vier Häuser mit je sieben Wohnungen zu errichten. Als Grund wird die Nachfrage nach Wohnungen angeführt. Um das Projekt umzusetzen, müsste eine 1936 gebaute, leerstehende, mehrstöckige Villa samt Nebengebäuden abgerissen werden. Grünen-Sprecher Manfred Duttenhöfer kritisierte die geplanten 28 Wohneinheiten für Dudenhofen als „überdimensioniert“. Er führte zudem an, dass 30 intakte Bäume gefällt werden müssten und der Verkehr zunehmen würde.
„Als Gedenkstätte erhalten“
In einem Brief an die RHEINPFALZ spricht sich der Mechtersheimer Edelbert Gast ebenfalls gegen das Projekt aus und mahnt an, die von Manfred Duttenhöfer angesprochenen Aspekte zu akzeptieren. Gast schlägt vor, die renovierte Villa, die Bäume und den Park als eine Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter, die während der Nazi-Herrschaft bei der Firma Walter eingesetzt waren, zu erhalten. Diese Menschen „haben einen wesentlichen Beitrag zum Aufstieg des Unternehmens geleistet“. Die Firma stellte während des Zweiten Weltkriegs vorwiegend Essgeschirr und Thermoskannen für die Wehrmacht her.
Der keiner Partei angehörende Edelbert Gast wohnt zwar nicht in Dudenhofen, „aber mein Interesse am Dorfgeschehen beschränkt sich halt nicht auf Mechtersheim allein. Schließlich bin ich ja Bürger der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen und daher auch an Vorgängen außerhalb meines eigenen Wohnorts interessiert“, sagt Gast.
Das 1881 von Johann Walter gegründete und nach 1918 an seine Söhne Ludwig, Ernst, Vitus und Willi übertragene Unternehmen Walter & Söhne beschäftigte ab 1942 bis Kriegsende 268 Ausländer, überwiegend Frauen, die meisten aus der Ukraine, aus Russland und Weißrussland verschleppt. Für den größten Arbeitgeber im damaligen Landkreis Speyer tätig waren auch Zivilarbeiter aus Frankreich und Polen sowie französische Kriegsgefangene. Gearbeitet wurde von sechs Uhr bis 18 Uhr. Die Frauen waren in einem umzäunten Lager mit mehreren Baracken zwischen dem Wald und der heutigen Festhalle untergebracht, die Männer in der Sängerhalle.
Essen nicht ausreichend
Das Essen wurde in Wärmebehältern aus Speyer gebracht. Es muss nicht allzu reichhaltig gewesen sein, denn manche Frauen versuchten, sich nach Dienstschluss durch Arbeiten bei Dudenhofener Familien „ein Stück Brot zu verdienen“. So steht es in einem erhalten geblieben Schreiben einer Nina aus Moschtschenko im Gebiet der Speyerer Partnerstadt Kursk.
Die Firma Walter & Söhne bestand bis 2001. Als Anfang der 1960er-Jahre Kunststoff-Produkte und Geschirr aus rostfreiem Stahl auf den Markt kamen, wurde die Produktion von verzinnten Produkten wie Behälter für Haushalt, Landwirtschaft und Gewerbe eingestellt.
Die Verschleppten konnten wenige Wochen nach Kriegsende in ihre Heimat zurückkehren. Das wollte gewiss auch Alexandra Polkownikowa. Doch am 13. April 1945 wurde die 20-Jährige nahe der St.-Gangolf-Kirche auf dem Fahrrad von einem aus Richtung Speyer kommenden Lkw überfahren und tödlich verletzt. Die am 23. April 1942 aus Taganrog am Asowschen Meer verschleppte Olga Schorkina beschrieb in dem vom Verein für Heimatgeschichte und -kultur herausgegebenen Band „Kriegsende 1945 – Dudenhofener erinnern sich“, was sich im Mai jenen Jahres im sogenannten Russinnenlager zutrug: „Als die amerikanischen Streitkräfte Dudenhofen erreichten, kommt als Erster ein schwarzer Soldat ins Lager. Die russischen Mädchen fallen vor Freude über ihn her, fahren ihm übers Haar, streicheln ihm Gesicht und Hände. Sie sind zum ersten Mal in ihrem Leben einem dunkelhäutigen Menschen begegnet.“
Zur Sache: Entschädigung für Opfer
Zwangsarbeiter/innen und andere Opfer nationalsozialistischen Unrechts konnten bis Ende 2006 Entschädigungsansprüche stellen. Zu diesem Zweck, nämlich der Auszahlung humanitärer Ausgleichsleistungen, wurde im Jahr 2000 die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) gegründet. Das Gründungskapital belief sich auf 5,2 Milliarden Euro und wurde vom deutschen Staat und von der deutschen Wirtschaft aufgebracht. Davon waren 358 Millionen Euro als Stiftungskapital für die Fördertätigkeit reserviert. Aus den Erträgen finanziert die Stiftung EVZ ihre dauerhaften Aktivitäten. Der frühere Dudenhofener Verbands- und Ortsbürgermeister Clemens Körner (CDU) übergab 2006 die Personalakten über die Zwangsarbeiter/innen der Firma Walter & Söhne an das Landesarchiv. Daraus ergaben sich die Berechtigungsscheine für Auszahlungen.