Rhein-Pfalz Kreis Echte Probleme
. Bernardin Mfumbusa ist eigentlich ein kritischer Mann. Er ist Kommunikationswissenschaftler, hat während eines Forschungsprojekts mal an der Uni Bayreuth gearbeitet. Und er war mal Journalist. Inzwischen ist er Bischof von Kondoa in Tansania. Probleme nennt er „Herausforderungen“. Von denen gibt es einige im Osten Afrikas. Tansania liegt trotz allen Aufschwungs laut dem jüngsten Human Development Index, dem Wohlstandsindikator der Vereinten Nationen, auf Platz 159 von 187 Ländern der Erde. Trotz allem: Tansania sei mehr als der Kilimandscharo und der Serengeti-Nationalpark, sagt der Geistliche. Das Bistum Kondoa wurde erst 2011 gegründet, Mfumbusa ist der erste Bischof dort, der Aufbau neuer Strukturen ist eine Mammutaufgabe. Es ist eine wirtschaftlich schwache Gegend. Die meisten Menschen sind Bauern und abhängig vom Regen. „Wenn er ausbleibt, so wie in den vergangenen drei Jahren“, sagt Mfumbusa, „dann wird es schwierig.“ Zwölf verschiedene Religionsgruppen sind in Kondoa Zuhause, 90 Prozent der Bevölkerung in diesem Gebiet im Zentrum Tansanias sind Muslime. Der Austausch zwischen Christen und Muslimen ist eine der wichtigsten Aufgaben für Mfumbusa. Auf Einladung des Hilfswerks Missio ist er in die Pfalz gekommen, um darüber zu berichten. Am Donnerstag war er in Mutterstadt. Wanderprediger und radikale Gruppen bereiten ihm Sorge. Dialog sei wichtig, „es gibt kein gutes Leben ohne Frieden.“ Immerhin zählt Tansania zu den politisch stabilsten Staaten südlich der Sahara. Der wichtigste Satz für Mfumbusa lautet: „The future is good“, die Zukunft für sein Land schaut gut aus. Weil Straßen und Infrastruktur gebaut werden. Weil Entwicklungshilfe fließt, Bildung und Gesundheitsversorgung besser werden. Aber: Dass China Entwicklungshilfe leistet, aber auch den afrikanischen Markt flutet und den Kontinent der Ressourcen beraubt? Dass die HIV-Rate in Tansania noch immer bei sechs Prozent liegt, die Dunkelziffer weitaus größer sein dürfte? Dass Albinos verfolgt und getötet werden? Dass das grausame Ritual der Beschneidung junger Mädchen zwar verboten ist, aber trotzdem ausgeübt wird? „Wir haben natürlich Probleme“, sagt Mfumbusa, echte Probleme. „Ich glaube, dass sie bald der Vergangenheit angehören.“ Glaube kann toll sein.