Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Dudenhofen: Kitas machen bei Fasnachtsumzug auch auf Missstände aufmerksam

Seit vielen Jahren Tradition: Die Dudenhofener Kindergärten versammeln sich an Altweiberfasnacht auf dem Platz vor dem Rathaus.
Seit vielen Jahren Tradition: Die Dudenhofener Kindergärten versammeln sich an Altweiberfasnacht auf dem Platz vor dem Rathaus.

Bei Kunigunde sind alle schon die ganze Woche über närrisch, bei den Sandhasen ist alles vorbereitet für die große Rosenmontagssause und auch die Naseweisen mischen mächtig mit im großen Karnevalsspektakel. In den drei Dudenhofener Kindertagesstätten versteht man sich aufs Feiern und das nicht nur in den eigenen vier Wänden. Am Donnerstag zog der Nachwuchs mit Transparenten, Musik und Schere los gen Verwaltung.

Wie viele Jahre der Rathaussturm schon fest ins Fasnachtsprogramm integriert ist, kann Karin Geißler nicht genau sagen. Fakt ist: Sie leitet seit sieben Jahren die Kita Kunigunde und so lange gibt es die Veranstaltung auf jeden Fall. Das Erkennungsmerkmal der Erzieherinnen aus ihrem Haus ist in der Zeit gleich geblieben. Sie sind als Kühe unterwegs – dem Namen der Einrichtung zumindest dem Klang nach angepasst.

Etwa 60 Jungs und Mädels aus Geißlers Kita haben Position vorm Rathaus bezogen. Etwas ist aber anders in diesem Jahr. Richtig: die Transparente. Eine Protestaktion zum Narrensturm? „Ein bisschen“, lenkt Geißler ein und lacht. „Kleine Küche, alles kaputt“ oder „Müllberge vorm Haus“ lauten die Aufschriften auf Schildern, die sicherheitshalber unter einen durchsichtigen Regenschutz gepackt worden sind.

Missstände angesprochen

„Wir wollen auf ein paar Missstände in der Kita aufmerksam machen“, erklärt Geißler. Ein entsprechendes Lied ist einstudiert. Doch es geht nicht in erster Linie um den Protest gegen Missstände, sondern um Fasnachtsfreude. Und das verstehen alle Kinder einrichtungsübergreifend perfekt. Jeweils fast 30 Sprösslinge aus den Kitas Naseweis und Sandhasen haben sich denen aus der Kita Kunigunde angeschlossen.

Die bunte Kostümpracht, die sich auf dem Rathausvorplatz offenbart, ist herrlich. Sie gefällt auch Manfred Scharfenberger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde, und Dudenhofens Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD). Beide sind – dem Anlass entsprechend – mit besonders schicken Krawatten ausgestattet. Ordnung muss sein am Altweiberfasching – auch wenn die Schere heuer von einer ganz und gar nicht alten „Dame“ gezückt wird.

Maira hat die Hauptaufgabe

Die fünfjährige Maira Germann ist herausgedeutet worden, um mit behändem Schnitt die Halsgebinde der Obrigkeit eine Nummer kürzer zu machen. „Ich bin heute auch etwas traurig, weil ich meine beste Krawatte angezogen habe“, versucht Hook, Mitleid zu erheischen und sich aus der närrischen Tradition zu winden. Nix da. Maira packt an und hält die Siegertrophäen in den Händen. Eine Premiere für das Mädchen. „Ich finde das witzig“, verrät sie der RHEINPFALZ.

Auf Party gepolt sind alle Kinder, aber vor allem die Sandhasen. Die stellen sich mit einheitlichem Kopfschmuck – Bärenöhrchen – vor. „Wir sind heute die Partybären“, klärt Erzieherin Maria Köhler auf. Diese Steilvorlage ist für Hook und Scharfenberger optimal. Ein paar Minuten die Rollen der Bürgermeister mit der von Partybären zu tauschen, bringt nicht nur Abwechslung in den Rathausalltag, sondern Spaß. Den haben die Herren – trotz halbierter Krawatte.

x