Harthausen
Dreierteam an der Dorfspitze: Neues Personal, gleiche Farbe
Wer sich mit dem neuen Team an der Spitze der Ortsgemeinde Harthausen trifft, der blickt in drei neue Gesichter. Wobei das bei Rainer Schaust nicht so ganz stimmt, denn der 63-Jährige war schließlich vor mehr als zwei Jahrzehnten schon einmal Bürgermeister der Gemeinde, während sich die beiden Beigeordneten Matthias Löffler und Lisa Ball komplett neu in ihre Aufgaben einarbeiten müssen.
In der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Rats musste nicht nur der Erste Beigeordnete gewählt werden, sondern auch der Bürgermeister, denn es hatte sich kein Kandidat für die Bürgermeister-Direktwahl gefunden. Ursprünglich sei die Konstituierung des Gemeinderats vor den Sommerferien geplant gewesen, berichtet Schaust. Doch wegen des Serverbrands im Rathaus wurde diese verschoben. In der zweiten Sitzung, die im Oktober stattfand, wurde dann auch die zweite Beigeordnete gewählt. „Wir sind vom ersten Tag an mit offenen Armen empfangen worden“, berichtet der Bürgermeister von ersten Besuchen in der Verwaltung. Auch mit seinem Vorgänger Harald Löffler habe er gute Übergabegespräche gehabt.
Komplexere Vorgänge
Wenn Schaust die heutigen Anforderungen an Bürgermeister und Beigeordnete mit jenen bei seiner letzten Amtszeit vergleicht, dann stellt er fest: „Die Vorgänge sind komplexer geworden.“ Vier, fünf Stunden sei er täglich unterwegs, mehrmals wöchentlich sei er in den Rathäusern in Dudenhofen und Römerberg zu Besprechungen. Außerdem spielten digitale Hilfsmittel eine größere Rolle als damals. Immerhin: Dass der Bürgermeister zu Altersjubiläen persönlich gratuliert, das sei so geblieben wie damals.
Matthias Löffler ist als Erster Beigeordneter schwerpunktmäßig für die Themen Bauhof und Friedhof zuständig. Erfahrung in diesen Bereichen bringt der 56-Jährige als Angestellter bei der Stadt Speyer mit. Seine volle Stelle will er behalten. Ihm ist aber auch klar: Dass wird nur mit Freistellungen durch seinen Arbeitgeber funktionieren. „Das ist kein Selbstläufer“, bedauert Schaust. Insbesondere was die finanzielle Kompensation für Termine angeht, die Löffler während seiner eigentlichen Arbeitszeit wahrnehmen muss, gab es anfangs noch Klärungsbedarf. Er habe das zunächst mit Urlaub und Ausgleichsstunden geregelt, sagt Löffler. „Aber das kann man nicht das ganze Jahr lang durchziehen.“
Als zweite Beigeordnete hat Schaust Lisa Ball gewinnen können. Als der Bürgermeister die 37-Jährige kontaktierte und fragte, ob sie sich die Aufgabe zutrauen würde, entschied sich Ball zum Sprung ins kalte Wasser: „Ich wusste nicht genau, was auf mich zukommt, aber vielleicht ist das ja ganz gut“, sagt sie. Ball wird sich vor allem um die Themen Kita und Schule kümmern. Als Mutter von drei Kindern habe sie die Not selbst gespürt, meint sie mit Blick auf den Mangel an Betreuungsplätzen im Ort. Die Softwareentwicklerin arbeitet nach der Elternzeit wieder in Teilzeit in ihrem Beruf.
Ball ist zwar parteilos, aber auf der CDU-Liste in den Rat gewählt worden. Mit den Parteimitgliedern Schaust und Löffler ist die Gemeindespitze damit komplett CDU-geprägt. Wäre es für Harthausen keine Option gewesen, die übrigen Fraktionen als Beigeordnete einzubinden, wie es in anderen Gemeinden geschehen ist? „Wir haben ein herausragendes Wahlergebnis erzielt“, sagt Schaust. Dass seine Partei auch ohne Bürgermeisterkandidat so gut abgeschnitten habe, sei sehr erfreulich und auch überraschend gewesen. Als es dann darauf zugelaufen sei, dass er sich im Rat zur Wahl als Bürgermeister stellt, habe er Löffler und Ball angesprochen. „Matthias als Praktiker und Lisa mit ihrer Kompetenz im familiären Bereich“ seien für ihn die beste Wahl gewesen. „Natürlich ist auch von anderen Fraktionen die Mitarbeit als Beigeordnete angeboten worden“, berichtet der Bürgermeister. „Aber wir haben einen klaren Auftrag vom Wähler.“ Dass die Grünen bei der Wahl der zweiten Beigeordneten mit Andreas Böcker einen Gegenkandidaten nominiert haben, findet Schaust unter demokratischen Gesichtspunkten gut. „Es ist das gute Recht der Grünen, einen Kandidaten aufzustellen“, sagt er. Am Ende gehe es auch nicht um schwarze, grüne oder rote Themen, sondern um Sachthemen.
Großprojekt Kita
Unter diesen wird laut Schaust das Thema neue Kita – und damit verbunden ein kleines Neubaugebiet – in den kommenden Jahren „absolut prägend“ für die Arbeit des Teams an der Gemeindespitze sein. Ziel sei, eine fast identische Kita zu bauen wie jene fünfgruppige Einrichtung, die in Berghausen entstehen soll. „Etwas ernüchternd sind die genehmigungs- und vergaberechtlichen Handicaps“, sagt Schaust. Erfreulich sei, dass es Bewerbungen für die provisorische Kita-Gruppe im Pfarrheim gegeben habe. Für Lisa Ball geht es nun zunächst vor allem darum, diese zum Laufen zu bringen.
Im Bereich Friedhof hat der Vorgänger von Matthias Löffler als Erster Beigeordneter, Günter Gleixner, bereits viel Vorarbeit in den vergangenen Jahren geleistet. Löffler will den sich vollziehenden Wandel in der Bestattungskultur weiter begleiten und sukzessive mehr Urnen- und Rasengräberflächen schaffen. Der Bauhof – für Löffler „die Schaltzentrale des Orts“ – leide derzeit unter Personalmangel wegen eines längerfristigen krankheitsbedingten Ausfalls.
Ein großes Vorhaben in den kommenden Monaten ist die Sanierung der Schönbrückstraße, ein 1,2-Millionen-Euro-Projekt. Bis Juli 2025 soll die Straße fertig sein, kündigt Schaust an. „Ich bin froh, dass die wiederkehrenden Beiträge eingeführt wurden und es bei uns gut läuft“, sagt der Bürgermeister.
Die Serie
In manchen Orten im Speyerer Umland gibt es neue Bürgermeister, anderswo neue Beigeordnete. Manchmal ist auch personell alles beim Alten geblieben. Wir stellen die Teams an der Gemeindespitze in der Serie „Die Dorfgestalter“ vor.