VG RÖMERBERG-DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Dorf, Land, Fluss: Stadtradel-Tour durchs Speyerer Umland

Los geht’s: Redakteur Timo Leszinski startet die Tour am Bahnhof in Berghausen
Los geht’s: Redakteur Timo Leszinski startet die Tour am Bahnhof in Berghausen

Das Stadtradeln im Rhein-Pfalz-Kreis geht auf die Zielgerade. Auch in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen treten viele Bürger für die Aktion, die dem Klimaschutz dienen soll, in die Pedale. RHEINPFALZ-Redakteur Timo Leszinski hat den Aufruf ebenfalls zum Anlass genommen, sich mal wieder auf den Fahrradsattel zu schwingen. Bei seiner Tour durch die Verbandsgemeinde haben sich für ihn ganz neue Perspektiven eröffnet.

35 Kilometer soll sie also lang sein, die Rundtour durch die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, welche die Organisatoren vor Ort den teilnehmenden Stadtradlern als Routentipp mit auf den Weg gegeben haben. Kaum zu glauben, dass man so weit durch die Verbandsgemeinde radeln kann, ohne zweimal an der gleichen Stelle vorbeizukommen. Ich bin gespannt ...

Vom Bahnhof in Berghausen geht’s an einem sonnigen Vormittag los, direkt auf den Radweg in Richtung Speyer. Kaum aufs Rad geschwungen irritiert mich schon ein Blick nach rechts. Da liegt jemand auf einer Bank am Bahnsteig und schläft. Nanu? Ich frage mich, ob es sich um einen Obdachlosen handelt und die negativen Seiten des Stadtlebens aufs beschauliche Römerberg übergeschwappt sind. Doch ein einfahrender Zug verdeckt den Blick, und die Gedanken wandern weiter. Außerdem habe ich ja noch viele Kilometer vor mir, die übrigens auf das Konto des RHEINPFALZ-Radler-Teams beim Speyerer Stadtradeln gehen.

Als Meistens-Auto-Fahrer fällt direkt auf, wie sich durchs Radeln noch nicht gesehene Perspektiven eröffnen – etwa auf die Rückseite der Bebauung in der Germersheimer Straße. Kaum habe ich Berghausen hinter mir gelassen, bin ich auch schon in Speyer – ganz stimmt das also nicht mit der Tour durch die Verbandsgemeinde. Doch es bleibt ein kurzer Abstecher in die Domstadt. Unter der B9 und später unter der B 39 hindurch geht es entlang von Maisfeldern nach Dudenhofen hinein. „Hier ist die Welt noch in Ordnung“, denke ich. Müll in der Landschaft, über den sich Bürgermeister Jürgen Hook so ärgert, sehe ich heute keinen. Stattdessen idyllisch am Waldrand gelegene gepflegte Häuschen, saubere Bürgersteige, freundlich grüßende Mütter mit Kinderwagen. An die Probleme, die es sonst in der Welt so gibt, werde ich kurz erinnert, als ich an einem Plakat vorbeifahre, das verkündet: „Klimawandel führt zu Krieg“.

Idylle pur im Wald

Und dann wird’s tatsächlich noch schöner: Hinter dem Ortsausgang biege ich ab auf den Waldweg in Richtung Hanhofen – Idylle pur. Und es duftet herrlich nach Natur. Ich fahre an kleinen Rastplätzen und einer Schutzhütte vorbei. Blaue Schilder mit gelber Muschel verweisen auf den Pfälzer Jakobsweg. Dann lichtet sich der Wald und der nächste Ort der Verbandsgemeinde kommt in Sicht. „Willkommen in Hanhofen“ verkündet ein Schild, unter dem passenderweise ein Plakat hängt, das fürs Stadtradeln wirbt.

Der Tabakschuppen, an dem ich vorbeiradle zeugt hier ausnahmsweise nicht nur von vergangenen Zeiten: Denn rund um Hanhofen wird tatsächlich noch Tabak angebaut. Vorbei geht es am Friedhof, auf dem ältere Frauen gerade Schwätzchen halten. Das war vermutlich schon immer so, aber allzu viele Orte wie Geschäfte oder Gasthäuser, wo man sich sonst zufällig über den Weg laufen könnte, gibt es in Hanhofen wie in vielen Ortschafen eben auch nicht mehr.

An den Sportanlagen vorüber führt der Weg in Richtung Harthausen. Die Windräder bei Schwegenheim dominieren die Dorfsilhouette. Glockengeläut ist zu vernehmen, als ich in den Ort hineinfahre. Ich passiere das neue Seniorenheim, den historischen Tabakschuppen, der heute als Dorfgemeinschaftsraum dient, und die katholische Kirche in Richtung Heiligenstein.

Aus der Ferne sehe ich jemanden, der gerade aus einem Acker herauskommt und in Richtung eines Fahrrads läuft. Kann das sein? Hat da gerade tatsächlich jemand zwei Salatköpfe vom Feld gemopst? Und dann auch noch eine ältere Dame, wie ich im Vorbeifahren sehe? Ich beschließe, heute an das Gute im Menschen zu glauben und rede mir ein, dass sie bestimmt das Einverständnis des Landwirts hatte.

Weiter geht’s in Richtung Heiligenstein. Die Windräder sind jetzt ganz nah. Sie drehen sich heute in Zeitlupe. Schlecht für die Umwelt, gut für mich: Mit Gegenwind habe ich heute nicht zu kämpfen. Auf der Brücke über die B9 habe ich ziemlich genau die Hälfte der Tour hinter mir. Wie 17 Kilometer ist mir die Strecke gar nicht vorgekommen: Das spricht für den Abwechslungsreichtum in der Verbandsgemeinde. Nach einem kurzen Stop für den Blick auf den unter mir vorbeibrausenden Verkehr trete ich wieder in die Pedale.

Der Fluss ist ganz nah

Der Verkehrslärm verstummt schnell und eine hübsche Aussicht auf Heiligenstein tut sich auf. „Heile Welt“, denke ich wieder. Davon, wie fragil diese ist, zeugen Holzkreuze am Straßenrand – Gedenken an Unfallopfer. Nach einem kurzen Stück durch Heiligenstein, wo gerade eine Kindergartengruppe unterwegs ist, erreiche ich den Ortsausgang.

Der (noch) fehlende Radweg in Richtung Lingenfeld macht sich nun schmerzlich bemerkbar. Andererseits komme ich so in den Genuss eines Abstechers nach Mechtersheim, dessen zwei Kirchtürme bald in Sicht kommen – im Gegensatz zu den Philippsburger Kühltürmen, die über Jahrzehnte zum gewohnten Bild an dieser Stelle gehörten. Auch hier fahre ich nur kurz durch den Ort, bevor ich – jetzt wieder auf dem Radweg – in Richtung Osten den Ort verlasse. Am Horizont ist die Kalmit zu sehen. „Da möchte ich jetzt nicht hochfahren“, denke ich. Doch die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen ist zum Glück weitgehend flach. Nur 28 Höhenmeter gilt es zu überwinden.

Ich biege ab in Richtung Lingenfeld und dann in Richtung des Großen Weihers. Zwei Damen, die ich überhole, unterhalten sich in einer fremden Sprache. Könnte Niederländisch sein. Die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen als Ziel für ausländische Touristen? Warum nicht. Der Auwald gleitet links und rechts vorbei. Und auch wenn der Rhein selbst vom Weg aus nicht zu sehen ist, spürt man gleich: Hier ist das Wasser ganz nah. Und um einen Blick auf den großen Strom zu erhaschen, ist auch nur ein kleiner Abstecher nötig. Ein Frachtschiff fährt gerade rheinaufwärts.

Dann beginnt auch schon der letzte Abschnitt: Am Heiligensteiner Sportplatz vorbei geht es in Richtung Berghausen. Dort wird’s noch einmal gemein für den Hobby-Radler: Zum Abschluss gibt es das Äquivalent zur Pyrenäen-Etappe bei der Tour de France. Nein, ganz so schlimm ist die Große Hohl dann doch nicht, aber in den Beinen, in denen ja schon 35 Kilometer stecken, spüre ich es durchaus. Nach gut zwei Stunden Fahrzeit bin ich wieder am Bahnhof in Berghausen. Das Speyerer Umland habe ich an diesem Vormittag noch mal ganz neu kennengelernt – und mein Stadtradler-Team freut sich über zusätzliche Kilometer auf dem Konto.

Zur Sache: Stadtradeln in der VG Römerberg-Dudenhofen

467 Radler in 43 Teams sind für die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen beim Stadtradeln schon in die Pedale getreten. Sie sind seit Beginn der Aktion am 30. August bereits rund 62.000 Kilometer gefahren und haben neun Tonnen CO2 vermieden. (Quelle: www.stadtradeln.de)

Durch den Wald: zwischen Dudenhofen und Hanhofen.
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Gemüsefelder und Windräder: bei Harthausen.
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Auf dem Deich: durch den Auwald bei Mechtersheim.
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Am Rhein: Ein kurzer Abstecher lohnt sich.
Am Rhein: Ein kurzer Abstecher lohnt sich.
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