RÖMERBERG
Doppelbelastung Beruf und Ehrenamt:Bürgermeister Hoffmann zieht Konsequenzen
Dass eine Gemeinde von der Größe Römerbergs schwer ehrenamtlich neben einer Vollzeitstelle im BASF-Agrarzentrum Limburgerhof zu leiten ist, das hat Matthias Hoffmann schnell nach seiner Wahl zum ersten grünen Ortschef im vergangenen Jahr festgestellt. Doch die Gesetze sehen es so vor. Und so scheiterte sein Vorstoß, dass die Ortsgemeinde doch seinem Arbeitgeber eine pauschale Entschädigung für die Hälfte seiner Arbeitszeit zahlen solle, damit Hoffmann sich in dieser Zeit komplett seinen Aufgaben als Ortsbürgermeister widmen kann. Nicht nur die Kommunalaufsicht, auch der Ortsgemeinderat hatte Bedenken.
Der Grünen-Politiker entschied sich deshalb vor einigen Monaten, seine Tätigkeit bei der BASF von sich aus auf 70 Prozent zu reduzieren und finanziellen Einbußen auf sich zu nehmen. Doch auch dieses Modell hat sich für Hoffmann nicht als tragfähig erwiesen: „Ich kündige bei der BASF“, verriet er in der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung. Ab 1. Dezember werde er Vollzeit für die Ortsgemeinde da sein. Für diese entstünden dadurch keine Kosten. Die Entschädigung für das Ehrenamt bleibe, wie sie ist: bei knapp 2500 Euro brutto monatlich, von denen nach Steuern noch rund 1500 Euro übrig bleiben.
Termine kollidieren
Das 70-Prozent-Modell bei der BASF habe nicht funktioniert, berichtet Hoffmann, der im Agrarzentrum im Data-Management tätig ist – allerdings seit März im Homeoffice –, gegenüber der RHEINPFALZ. Zwar habe er Montag und Freitag komplett für sein Bürgermeisteramt frei gehabt. Dafür habe er an den übrigen drei Tagen jeweils rund zehn Stunden arbeiten müssen. „Die Bürgermeister-Termine ließen sich aber nicht immer auf Montag oder Freitag schieben“, erklärt der Römerberger seine Nöte. Auch lasse sich nicht alles abends erledigen. „Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung geht nur tagsüber“, sagt er. „Ich war ständig in Konflikt mit dem Arbeitgeber, und auch die Kollegen erwarten mehr, wenn man so lange Vollzeit gearbeitet hat.“ Es sei schwer gewesen, die Aufgaben als Ortschef aus der Arbeit herauszuhalten. „Ich kann von der BASF ganz gut abschalten nach Feierabend. Aber umgekehrt geht das mit dem Bürgermeisteramt nicht“, sagt er. Ein solches Leben gehe irgendwann auf die Gesundheit, befürchtet Hoffmann. „Der Spagat ist zu groß. Es zerreißt einen.“
Da die BASF ohnehin Stellen abbauen wolle, habe es sich nun angeboten, nach 40 Berufsjahren einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen. Dieser gibt dem 57-Jährigen die Möglichkeit, bis zur Rente zu überbrücken. Eine Rückkehr in den Job nach der Bürgermeister-Laufbahn schließt er aus. Trotz finanzieller Einbußen hält Hoffmann den Schritt für machbar: Seine Frau sei weiterhin berufstätig. Die drei Kinder seien erwachsen und stünden finanziell auf eigenen Füßen. „Wir werden uns aber von einigen finanziellen Belastungen wie Zeitschriften-Abos trennen“, kündigt er an. Dass monatlich künftig weniger auf dem Konto landet, sei für ihn kein Problem, sagt Hoffmann: „Ich wollte nie mehr Geld. Das ist damals zum Teil falsch verstanden worden, als es um die pauschale Entschädigung durch die Ortsgemeinde ging.“
Grundsatzkritik bleibt
An seiner Grundsatzkritik an der Regelung, dass Gemeinden von der Größe Römerbergs in Rheinland-Pfalz einen ehrenamtlichen Bürgermeister haben, hält Hoffmann fest. „Das funktioniert nicht, so wie der Gesetzgeber sich das vorstellt.“ Es gebe in Römerberg „Themen ohne Ende“. Ohne Corona-Pandemie hätte er derzeit an sieben Tagen in der Woche Termine, ist Hoffmann sicher. Unter den Parteien gebe es Unmut, dass es bei manchen Projekten nicht vorangehe. „Da muss ein Antreiber da sein“, sagt er – jemand, der auch mal der Verwaltung auf die Füßen trete. Dafür hofft der Bürgermeister künftig mehr Luft zu haben.
Trotz allem: Die Antwort auf die Frage, ob er es mittlerweile bereut, im vergangenen Jahr als Bürgermeister für Römerberg kandidiert zu haben, kommt bei Matthias Hoffmann wie aus der Pistole geschossen: „Auf keinen Fall!“
Kommentar: Reißleine
Matthias Hoffmanns Versuche, Beruf und Ehrenamt zu vereinbaren, waren nicht von Erfolg gekrönt. Mit seinem Ansinnen, eine pauschale Entschädigung der Ortsgemeinde an die BASF im Gegenzug für seine Freistellung durchzusetzen, hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Jetzt hat er die Reißleine gezogen und kündigt seinen Job. Die Entscheidung wurde dabei sicherlich durch ein erkleckliches Sümmchen erleichtert, das mit dem Aufhebungsvertrag kommt. Am Hungertuch, das hat Hoffmann auch selbst klar gemacht, wird er sicher nicht nagen. Der – immer noch recht neue – Ortschef mag noch Luft nach oben haben, was das Delegieren und Priorisieren von Themen angeht. Seine Grundsatzkritik an der Gesetzeslage ist aber berechtigt: Eine 10.000-Einwohner-Gemeinde, die aus drei Dörfern besteht, innerhalb einer Verbandsgemeinde – das ist für einen Bürgermeister im Ehrenamt schon grenzwertig.