Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Digitaler Landratswahlkampf: So präsentieren sich die Kandidaten im Netz

Werbung ohne Social Media geht heute kaum noch. Das gilt auch für Wahlkämpfer.
Werbung ohne Social Media geht heute kaum noch. Das gilt auch für Wahlkämpfer.

Politiker und Parteien kämpfen nicht nur mit Plakaten, Broschüren und öffentlichen Auftritten um den Wahlsieg, sondern auch im Internet und den sozialen Medien. Das gilt mal mehr, mal weniger auch für die fünf Kandidaten der Landratswahl im Rhein-Pfalz-Kreis.

Die RHEINPFALZ hat sich die bisherigen Internetauftritte der Bewerber um das höchste Amt im Rhein-Pfalz-Kreis angeschaut. Der Mindeststandard für den digitalen Wahlkampf ist die klassische Internetseite, auch Homepage genannt. Darüber hinaus ging der Blick zu den gängigen und wohl wichtigsten Plattformen in den Sozialen Medien: Facebook, Instagram, X und TikTok.

Auf www.bianca-stassen.de präsentiert sich die SPD-Bewerberin Bianca Staßen aus Otterstadt siegessicher mit dem Slogan „Ihre Landrätin für den Rhein-Pfalz-Kreis“. Die kompakt und prägnant gestaltete Seite stellt unter den Rubriken „Ziele“ und „Persönliches“ die grundlegenden Informationen über die 48-Jährige und ihre kreispolitische Agenda zur Verfügung. Rot und Orange sind die dominierenden Farben. Ob es cool oder eher trist ist, dass außer dem großen Profilbild alle Fotos schwarz-weiß sind, darüber lässt sich streiten.

Das Potenzial Sozialer Medien nutzt Bianca Staßen auf Facebook und Instagram, wo sie sich sehr privat gibt. Die Aufbereitung der Bilder und Videos wirkt professionell und authentisch. Auf beiden Plattformen postet die Lehrerin mit relativ hoher Schlagzahl Erlebnisse aus ihrem Wahlkampfalltag oder bei Neujahrsempfängen und Prunksitzungen. Die Botschaft „bürgernah“ wird gut verkauft. Alles in allem eine Art digitales Tagebuch aus dem Wahlkampf. An der einen oder anderen Stelle wäre etwas mehr politischer Inhalt wünschenswert.

Unterstützer kommen zu Wort

Die Grundfarbe Türkis hat CDU-Bewerber Volker Knörr aus Waldsee für seinen Webseitenauftritt www.volker-knoerr.de unter dem Motto „Ihr Landrat mit Leib & Seele“ gewählt. Das umfangreiche Fotomaterial ist bunt und zeigt den 48-Jährigen oft hemdsärmelig und meistens lachend. Die Seite hat insofern mehr zu bieten als die von Staßen, als hier Videos und Unterstützer-Beiträge eingebettet sind und man schnell und einfach selbst Teil von „Team Volker“ werden kann.

Durchaus professionell bespielt Knörr die Medien Facebook und Instagram. Auf beiden Plattformen postet er Bilder und Videos vom Wahlkampf und versucht, diesen Beiträgen eine persönliche Note zu geben. Neujahrsschwimmen, private Weihnachtsgrüße, Besuch der Sternsinger: Der Christdemokrat gibt sich ebenfalls bürgernah und versucht, viele Menschen in seinen Wahlkampf einzubeziehen. Wohl extra dafür hat Knörr noch einen TikTok-Account eingerichtet, den er mit Videos bespielt. In einigen davon stellt er aber auch seine inhaltlichen Vorstellungen für den Rhein-Pfalz-Kreis vor, etwa bei den Themen Mobilität, Sicherheit oder Bildung.

Ende Januar ist FDP-Kandidat Ralf Marohn mit der gelb-blauen Seite www.ralfmarohn.de online gegangen. Sein Titelslogan: „Wirtschaftskompetenz, Verwaltungserfahrung und Macher-Qualitäten für den Rhein-Pfalz-Kreis“. Der 57-Jährige legt sichtlich Wert auf Sachthemen und seine Ziele für den Landkreis, dabei betont er seine Erfahrung als Bürgermeister von Neuhofen. Aus einer Befragung der Landratskandidaten durch den Südwestrundfunk hat er ein Interview gestrickt, das deutlich macht, wie er Probleme und brennende Fragen konkret angehen will.

Ideen auf Youtube

Die Internetseite bietet Zugang zu Youtube-Videos und zu Marohns Auftritten auf Facebook und Instagram. Auch dort sind seine Beiträge professionell erstellt. Der Kandidat präsentiert hier seine Vorstellungen für den Rhein-Pfalz-Kreis – beispielsweise zu den Aspekten Tourismuskonzept oder digitaler Bauantrag. Insgesamt ein runder Auftritt auf Social Media, auch wenn Marohn an der einen oder anderen Stelle etwas persönlicher werden könnte. Allerdings: Wohl auch weil er so spät in den digitalen Wahlkampf eingestiegen ist, hat Marohn im Vergleich zu den anderen Kandidaten noch nicht so viele Follower.

Erwähnenswert ist noch Marohns zweite Website www.kreishaus-in-schifferstadt.de. Der FDP-Mann hat damit eine Petition gestartet und fragt die Bürger, ob sie den aktuellen Plan, die Kreisverwaltung künftig in Schifferstadt in einem gemieteten Gebäude anzusiedeln, statt dass der Kreis selbst neu baut, richtig finden.

Grünen-Kandidat Maurice Kuhn aus Altrip ist mit 27 Jahren Teil der Generation, die mit Smartphone und Social Media groß geworden ist. Das heißt aber nicht, dass er aus allen Rohren feuert. Es gibt mittlerweile eine spärlich bestückte Internetseite (www.kuhn-rpk.de), ansonsten liegt Kuhns Schwerpunkt auf Instagram. Seine Beiträge dort sind dezent und wirken recht professionell. Neben Bildern von ihm gibt es etwa einen Erklärbeitrag darüber, was die Aufgaben eines Landrats sind.

Social Media: Reichweite begrenzt

Seinen Facebook-Account nutzt der junge Kandidat, um seine politischen Vorstellungen kundzutun und sich in Gruppen mit anderen auszutauschen. Auf Anfrage sagt Kuhn, Social Media sei zwar ein wichtiges Instrument, um sich und die eigenen Inhalte vorzustellen. Doch es sei mittlerweile für Ehrenamtliche sehr schwer, diese Medien so zu bespielen, dass man Menschen außerhalb des eigenen Umfelds erreiche. „Deshalb habe ich entschieden, hier keine großen Kapazitäten aufzubauen.“ Er setzt lieber auf physische Präsenz bei Veranstaltungen, Infoständen und von Haustür zu Haustür.

Über den AfD-Kandidaten Joachim Paul kann man sich auf www.joachim-paul.de informieren, einer Seite, die nicht extra für den Landratswahlkampf angelegt wurde, sondern Paul als Landtagsabgeordneten und Koblenzer Kommunalpolitiker präsentiert. Das Motto und die Selbstbeschreibung des 54-Jährigen: „Klar und mutig“. Bezug auf seine Ambitionen in der Vorderpfalz nimmt er im Blog unter dem Titel „Warum ich als Landrat für den Rhein-Pfalz-Kreis kandidiere“.

Ein besseres Bild von dem Politiker, der auch für den Bundestag kandidiert, macht man sich wohl in den diversen Social-Media-Kanälen. Paul macht auf Facebook, Instagram, TikTok und als einziger der fünf Kandidaten sogar auf X, vormals Twitter, Wahlkampf. Diese Medien nutzt er strukturiert, und die Videos sind gut produziert. Gepostet werden vor allem AfD-Positionen zu Migration, Einbürgerungsrecht oder zum Öffentlich-rechtlichen Rundfunk, also eher zu bundespolitischen Themen und – Stand Anfang Februar – weniger zu Kreisthemen. Mit Privatem hält sich der Lehrer eher zurück.

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