Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Die zwei Wege der beiden größten Talente im pfälzischen Handball zum gemeinsamen Ziel

Nils Röller packt beherzt zu bei seinem Freund Jannis Schneibel (rechts). Im Hinspiel der Dritten Liga standen sich beide gegenü
Nils Röller packt beherzt zu bei seinem Freund Jannis Schneibel (rechts). Im Hinspiel der Dritten Liga standen sich beide gegenüber – Röller für die TSG Haßloch, Schneibel für die Rhein-Neckar-Löwen II.

Jannis Schneibel aus Hochdorf und Nils Röller aus Mutterstadt gelten derzeit als die größten Talente im pfälzischen Handball. Die Schüler der 13. Klasse des Paul-von-Denis-Gymnasiums in Schifferstadt wollen Profi werden. Einer von beiden hat das schon erreicht. Der andere wählt bewusst einen anderen Schritt. Bei der U-20-Europameisterschaft im August könnte sich für die Freunde ein Traum erfüllen.

Spätestens seit Mitte März hat Nils Röller für die kommenden zwei Jahre Klarheit über seine sportliche Zukunft. Der 18 Jahre alte Kreisläufer wechselt zum ambitionierten Drittligisten TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg. Dort möchte Röller, der in den letzten beiden Spielzeiten als A-Jugendlicher bei der TSG Haßloch am Ball war, den nächsten Schritt in Richtung Handball-Bundesliga machen. Mit den Westpfälzern will er demnächst in die Zweite Liga aufsteigen.

Dansenberg ist für den 115 Kilogramm schweren Mutterstadter die vierte Station in seiner Laufbahn. TSG Mutterstadt, TSG Friesenheim und TSG Haßloch waren bisher seine Vereine. Seit vergangener Saison hat Röller auch ein Zweitspielrecht beim Bundesligisten Eulen Ludwigshafen. Zum Einsatz kam er aber dort noch nicht. Das könnte sich womöglich ändern, denn Eulen-Coach Ben Matschke sieht in Röller einen Mann für die Zukunft, weshalb ein neuerliches Zweitspielrecht mit Dansenberg noch auszuloten sei.

Seit Januar im Profi-Kader der Rhein-Neckar Löwen

Über solche Wege muss sich Jannis Schneibel keine Gedanken machen. Für den 19 Jahre alten Spielmacher aus Hochdorf-Assenheim sind die Rhein-Neckar Löwen erst seine zweite Station. Vor vier Jahren ist er vom TV Hochdorf in das Nachwuchszentrum der Löwen nach Kronau gewechselt – wie damals Lars Röller, der ältere Bruder von Nils. Röller ging aber den Weg von der TSG Mutterstadt zur TSG Friesenheim und schaffte es mit der B-Jugend bis in Achtelfinale der deutschen Meisterschaft. Schneibel war da erfolgreicher. Er stand sowohl in der B- als auch in der A-Jugend mit den Junglöwen im DM-Finale und musste sich gleich zweimal wegen Torgleichheit mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Dagegen holte Röller die Silbermedaille mit der U19 des Deutschen Handball-Bundes bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer in Mazedonien. Den Sprung ins Nationaltrikot schaffte Schneibel bisher (noch) nicht. Dafür unterschrieb er am 2. Oktober 2019 bei den Löwen einen Profivertrag bis zum 30. Juni 2021. Somit gehört er seit 1. Januar 2020 zum Kader von Trainer Martin Schwalb. Außer Schneibel erhielt nur noch Philipp Ahouansou aus dem Nachwuchskader einen Profivertrag.

Es ist eine hohe Hürde für Schneibel, sich bei den Löwen durchzusetzen. Dieser Schritt gelang bislang nur Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki. Weitere Junglöwen, die aus dem Drittliga-Team die Chance erhielten, scheiterten. Das weiß auch Schneibel. Mit diesem Szenario beschäftigt sich der junge Mann aber nicht. Er denkt positiv, ist aber auch Realist. „Allein, dass man mir diese Chance bietet, dafür bin ich dankbar. Auch wenn die Hürde sehr hoch ist, sich bei den Profis durchzusetzen, will ich alles mitnehmen, um mich sportlich weiter zu entwickeln“, sagt Schneibel: „Es ist nicht nur der Weg in die Bundesliga, sondern auch der Weg bei den Rhein-Neckar Löwen, die den Anspruch haben, stets um die ersten drei Plätze mitzuspielen. Das macht es für einen jungen Spieler noch schwieriger.“

Für Schneibel ist es eine vertrackte Situation. In Andy Schmid hat er einen der weltbesten Spielmacher vor der Nase. „Er ist definitiv ein Vorbild. Ich kann unfassbar viel von ihm lernen. Besonders, wie er mit seinen Mitspielern spricht. Bei ihm sieht man, was Kommunikation ausmacht“, erzählt Schneibel.

Sein Freund Nils Röller gönnt ihm den Erfolg. Er selbst hat einen anderen Weg für sich gewählt. Röller will sich zunächst bei einem gestandenen Drittligisten zu einem Top-Spieler entwickeln. „Ich bin schon der Meinung, dass ich noch zwei Jahre brauche“, sagt Röller: „Als Kreisläufer kann man noch so viel Kraft haben, da zählt die Erfahrung.“ Genau diese Erfahrung will er in den nächsten beiden Spielzeiten gewinnen. „Ich bin auch noch ein Jahr jünger als Jannis, und man kann meine Position nicht mit der von Jannis vergleichen. Bis auf Johannes Golla gibt es keinen jüngeren Kreisläufer, der sich direkt in der Bundesliga etabliert hat“, sagt Röller. Dennoch sei es mittelfristig das Ziel, bei einem Bundesligisten am Ball zu sein.

In einem Punkt sind sich beide Spieler einig. Der Weg könnte auch in eine andere Richtung verlaufen. Den ersten Schritt in der Bundesliga hat Schneibel bereits gemacht. In den beiden Bundesliga-Partien bei der HSG Wetzlar und gegen den TBV Lemgo gehörte er zum Kader, kam aber noch nicht zum Einsatz. Im EHF-Pokal im dänischen Holstebro feierte er seine Premiere und warf sein erstes Tor. Er übt sich in Geduld, denn er ist ein Mann für die Zukunft. Ein Rohdiamant, auf den die Löwen setzen. Dafür soll er parallel noch mehr Spielpraxis in der Dritten Liga erhalten. „Hier will ich mehr Konstanz erreichen, um Woche für Woche meine beste Leistung abzurufen“, betont Schneibel und lobt zugleich seinen Kurskollegen Nils Röller. „Er hatte in der Hinrunde nicht so viele Spielanteile in Haßloch, dafür hat er sich in der Rückrunde sehr gut entwickelt.“ Zuletzt standen sie sich auch im Hinspiel in Haßloch gegenüber.

Bis in die Morgenstunden das Super-Bowl-Finale geschaut

Röller und Schneibel kennen sich seit vielen Jahren. Sie sind gute Freunde, die oft auch privat zusammen sind. „Wir haben einen sehr offenen Austausch, auch über den Sport hinaus“, sagt Röller. Zuletzt sahen sie gemeinsam mit ihren Mitschülern aus dem Sport-Leistungskurs bei Schneibels in Hochdorf das Super-Bowl-Finale bis in die frühen Morgenstunden. „Wir sprechen viel miteinander, auch wenn es sich überwiegend auf die Schule und den Handball beschränkt“, erzählt Schneibel. Beide hoffen, dass sich die Wege nach dem Abitur nicht zu schnell trennen. Denn Röller und Schneibel haben noch einen Traum: Sie wollen endlich mal in einem Team gemeinsam spielen. Diese Möglichkeit könnte bei der Premiere von Schneibel im Nationaltrikot bei der U20-Europameisterschaft Wirklichkeit werden. Vorausgesetzt, die Titelkämpfe werden nicht wegen der Coronakrise abgesagt.

Wird Jannis Schneibel der Nachfolger von Andy Schmid, dem Spielmacher der Rhein-Neckar-Löwen?
Wird Jannis Schneibel der Nachfolger von Andy Schmid, dem Spielmacher der Rhein-Neckar-Löwen?
In der Hinrunde hatte Nils Röller wenig Einsätze in Haßloch.
In der Hinrunde hatte Nils Röller wenig Einsätze in Haßloch.
Lars Röller (links) und Jannis Schneibel kennen sich seit Jahren. Röller spielt bei der TSG Haßloch und hat ein Zweitspielrecht
Lars Röller (links) und Jannis Schneibel kennen sich seit Jahren. Röller spielt bei der TSG Haßloch und hat ein Zweitspielrecht bei Bundesligist Eulen Ludwigshafen, Schneibel hat einen Vertrag bei den Rhein-Neckar-Löwen.
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