Speyerer Umland
Die Zeiten nicht überstanden: Mühlen in den Dörfern
Schon im Weistum von Dudenhofen, das um 1450 erstellt wurde und den Speyerer Bischof als Herrn des Dorfes nennt, wird eine Galgmühle erwähnt. Die Bezeichnung stammt wahrscheinlich von dem mittelhochdeutschen galge, was auch Kreuz bedeutet, vermutlich stand an dieser Stelle ein Feldkreuz auf Speyerer Gemarkung. Die Existenz dieser Mühle ging wohl bis ins frühe 13. Jahrhundert zurück. Eine weitere Mühle in Dudenhofen wird im Jahre 1685 erwähnt. In diesem Jahr kauften Christoph Flockert und seine Frau Maria Katharina die an das Hochstift Speyer gekommene „ganz verfallene Pelzmühle oberhalb Dudenhofen“ zum Preis von 50 Gulden und einem jährlichen Wasserzins von zwölf Malter Korn. Die Steinmühle ist eine weitere Dudenhofener Mühle, die in den Quellen auftaucht: 1450 gab Claus Müller „wegen der zu Dudenhofen gelegenen Steinmühl 15 Malter Korn zur Pacht“. 1476 wird sie als „Maulbronner Mühle“ im Dudenhofener Weistum genannt und ein halbes Jahrhundert später im Jahr des Bauernkrieges 1525 nochmals erwähnt. Die Stadt Speyer hatte ebenfalls eine Mühle in Dudenhofen, über die im Jahr 1382 die Speyerer Chronik berichtet. Außerdem befand sich im 16. Jahrhundert im Besitz des Speyerer Gutleutalmosens, einer städtischen Pflegeeinrichtung, die sogenannte Hirschenmühle, wie einem Ratsprotokoll der Stadt Speyer zu entnehmen ist.
Für das Jahr 1881 ist für Dudenhofen, leider in einem traurigen Zusammenhang, eine Lohmühle – also eine Mühle, in der pflanzliche Gerbmittel zerkleinert wurden – überliefert. Die ein Jahr zuvor gegründete örtliche Feuerwehr hatte beim Brand der Mühle ihren ersten größeren Einsatz.
Auch Öl- und Lohmühlen
Die erste Nachricht von der Existenz einer Mühle in Hanhofen stammt bereits aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Ganzenmühle, von der hier die Rede ist, war bis 1224 für 18 Malter Korn jährlich verpachtet. Eigentümerin war damals das Stift St. German in Speyer, später wurde sie an das Kloster Maulbronn und an den Konvent des Hl.-Grab-Klosters zu Speyer verliehen. Der Speyerer Bürger Rudolf von Offenburg ließ am 17. November 1363 beurkunden, dass er seinem Mitbürger Henel Rorbecher unter anderem die „Gansmuelen by Dutenhoven“ in Erbbestand verliehen habe.
Später ist auch ein Hinweis auf eine Ölmühle in Hanhofen in den Quellen zu finden: Zu den bischöflichen Besitzungen in Hanhofen gehörten laut einer Auflistung aus dem Jahre 1740 neben der herrschaftlichen Mühle (Schlossmühle) auch „eine daneben stehende ohlig Mühl“. Nach 1945, in der sogenannten „schlechten Zeit“, hatte man in Hanhofen, in der dortigen Ölmühle, aus Tabaksamen Öl schlagen lassen, das als Speiseöl diente. Die Erbauung einer Lohmühle in Hanhofen geht auf das Jahr 1656 zurück. Die hierzu erforderlichen Mühlsteine kamen aus Cochem an der Mosel. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) wurde die Lohmühle zerstört. Der Müller Hermann Adolf Tyrolff baute sie wieder auf. Im Jahre 1813 wurde die Lohmühle nach einem Gesuch von Jakob Mexal aus Hanhofen neu gebaut. Diese stand hinter seinem Wohnhaus. 1839 hieß der Besitzer der Lohmühle Franz Joseph Becker. Becker wohnte in der Alten Kirchgasse in Hanhofen, betrieb aber seine Öl- und Lohmühle am Woogbach, die nur ein Wasserrad und eine Mahlstube hatte. Durch einen Schenkungsakt im Jahre 1847 kam die Lohmühle an Lothar Constantin Becker. Dieser scheint das Lohmüllerhandwerk aufgegeben zu haben, denn als er 1855 an Franz Joseph Becker junior verkaufte, ist nur noch von „Ödung“ die Rede.
Besitzungen des Klosters Maulbronn in Harthausen lassen sich mindestens bis ins frühe 14. Jahrhundert nachweisen. 1322 urkundet der Abt des Klosters Maulbronn die Übergabe verschiedener Güter an das Kloster Heilsbruck, unter anderem vier Morgen Äcker bei einer Mühle in Harthausen. Auch in einer Quelle aus dem Jahr 1389 wird die Klostermühle „Altheilsbruck“ erwähnt. Für den Betrieb einer Mühle durften die Nonnen nach der Ortschronik das Wasser vom Bach über eine Wiese auf zwei Räder leiten. Wie lange die Mühle in Betrieb war, ist nicht bekannt. 1728 gab es in Harthausen eine Ölmühle, die als Göpelwerk, das heißt als Rossölmühle, betrieben wurde.
Kanal von Bach gelegt
Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachte auch der Gemeinde Otterstadt eine Ölmühle. Nikolaus Neubauer errichtete sie in der Mannheimer Straße 15. Für den Antrieb der Mühle musste ein Schimmel sprichwörtlich „wie ein Pferd“ schuften. Ölfrüchte wie Buchäckern, Mohn, Raps, Sonnenblumenkerne und Walnusskerne waren in der wirtschaftlich harten Zeit im und nach dem Ersten Weltkrieg begehrt. 1925 übernahm den Mühlenantrieb vorübergehend eine Dampfmaschine, bevor 1929 auf Elektroantrieb umgestellt wurde. 1949 wurde der Betrieb der Ölmühle eingestellt.
An die Errichtung einer Mühle, deren Datierung und Existenz zweifelsohne gesichert ist, erinnert heute in Mechtersheim nur noch der Name der Gewanne Mühläcker, wo früher der alte Friedhof lag und jetzt das neue Schulhaus steht. Abt und Konvent von Eußerthal, immer auf die Selbstständigkeit ihres Hofes Mechtersheim bedacht, müssen sie schon ziemlich früh erbaut haben. Mangels eines eigenen Baches zum Betrieb des Werkes hatte man aus dem Horbach bei Lingenfeld einen „Bachleitsweg“, also einen Kanal angelegt. Seinen Abfluss nahm der Mühlbach, etwa dem heutigen Riedgraben folgend, zum Rhein. Die Mühle scheint Anfang des 14. Jahrhunderts durch Feuer zerstört worden zu sein. Denn in einer am 26. März 1323 gegebenen Urkunde bestätigte der deutsche König Ludwig IV., der Bayer, den Neubau der Mühle für den Mechtersheimer Hof und für die Umwohner. Die Zeit überstanden hat sie nicht: In einem Mechtersheim betreffenden Fragebogen des Jahres 1771/72 heißt es: „hat keine Mühl.“