Land und Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenendkolumne: Von Häuptlingen und Bahnfahrern

Gut verwahrt: Frank Aschenberger, Abbé Gallican und der Stab.
Gut verwahrt: Frank Aschenberger, Abbé Gallican und der Stab.

Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche bewegt hat. Abseitiges und nicht ganz ernst gemeintes aus den Dörfern.

Abschied: Langlebig

Der Häuptling geht: Dekan Frank Aschenberger, der leitende Pfarrer der Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee, wurde am vergangenen Sonntag in einem großen Gottesdienst mit anschließendem Empfang verabschiedet. Doch das sei nur am Rande bemerkt, es geht jetzt nicht um den Abschied, sondern um den „Häuptling“. Der hat nun endlich noch rechtzeitig, bevor er das Häuptlingsamt abgibt, seinen Häuptlingsstab bekommen. Wobei das nicht ganz stimmt, bekommen hat er ihn schon 2016, als er mit einer Delegation der Pfarrei zu Besuch in Ruanda in der Waldseer Partnergemeinde Hanika war. Am Morgen des Abflugs hat Aschenberger ihn im Hotel vergessen. Abbé Gallican, damals noch Pfarrer von Hanika, hat das gute Stück für ihn aufbewahrt. Eigentlich wollte er es ihm 2019 nach Waldsee bringen, doch im letzten Moment bekam der Geistliche kein Visum für die Einreise. Auch 2020 hat es nicht geklappt, da hat Corona die Planung über den Haufen geschmissen. Zu Aschenberger Verabschiedung ist Abbé Gallican, der im Moment als Pfarrer in der Bretagne eingesetzt ist, dann endlich nach Waldsee gekommen, mit dem Häuptlingsstab im Gepäck.

Und noch was hat Aschenberger wiederbekommen, oder besser wiedergefunden. Beim Aufräumen in der Kirche hat er unter dem Polster des Pfarrersitzes einen zusammengefalteten Zettel gefunden und nicht schlecht gestaunt, als er feststellte, dass das seine Predigt war, die er vor elf Jahren bei seiner Einführung in Waldsee gehalten hat. In einem „Abschiedsinterview“ blickt Aschenberger auf seine Jahre in den Rheinauen zurück, das Gespräch lesen Sie in der Montagsausgabe.

Nahverkehr: Vorübergehend

Mal eben schnell nach Sylt? Mit dem 9-Euro-Ticket kein Problem. Das ist einer der Klassiker der vergangenen Wochen. Wobei „schnell“ relativ ist. Samstags um 8.54 Uhr in Schifferstadt in den Zug eingestiegen, ist die Ankunft in Westerland um 23.35 Uhr vorgesehen, 14 Stunden und 41 Minuten sowie sieben Umstiege später – sofern alle Anschlüsse erreicht werden. Aber das 9-Euro-Ticket war auch nicht zum Reisen gedacht, sondern vielmehr für Pendler. Die werden mit dem Angebot allerdings kaum erreicht, sagt der Schifferstadter Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Patrick Kunz. Er fordert ein Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket, wie wir vor einigen Tagen berichtet hatten. Langfristig setzen sich die Freien Wähler für ein 365-Euro-Ticket ein, mit dem die Nutzer für einen Euro pro Tag den Öffentlichen Nahverkehr nutzen können. An diesem Ziel hält die Partei auch fest, wie Kunz betont. Als Übergangslösung könne er sich aber auch mit dem 69-Euro-Ticket als Monatspauschale anfreunden, das die Verkehrsbetriebe jüngst vorgeschlagen hatten. Jedoch sei das keine dauerhafte Alternative zum 365-Euro-Ticket, sagt Kunz. Ihm zufolge sei das in der Meldung missverständlich gewesen. Wichtig sei überdies für Pendler, dass der Nahverkehr gut getaktet und pünktlich ist. Diesem hehren Wunsch kann sich wohl jeder anschließen. Nebenbei: Die schnellste Verbindung von Schifferstadt nach Sylt, inklusive eines ICE zwischen Mannheim und Hamburg sowie zwei Umstiegen, dauert laut Bahn-Homepage allerdings auch gut acht Stunden – und kostet rund 200 Euro.

Ein sonniges Wochenende wünschen

Christine Kraus & Sven Wenzel

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