Rhein-Pfalz-Kreis
Die Wochenendkolumne für den Rhein-Pfalz-Kreis: Von „Impf-Jubilaren“, weiten Wegen und schönen Wänden
Corona: Geschluckt
Wir haben uns an dieser Stelle mehrfach über Schluckimpfungen ausgetauscht und unsere Versuche, uns mit Wein gegen das böse Coronavirus zu immunisieren. Wir haben gefachsimpelt, ob Riesling besser hilft, Scheurebe oder doch eher ein kräftiger Roter. Wie nehmen an, unsere Zeilen blieben nicht ungelesen. Denn Landrat Clemens Körner verteilt nun an Impflinge im Schifferstadter Impfzentrum Wein. Allerdings nur an jeden 5000. Geimpften. Dafür gibt es gleich eine ganze Flasche. Sicherheitshalber. Dem Mann, der das Präsent erhielt, wurde nämlich das Vakzin von Astrazeneca verabreicht. Und da wurde ja schon viel herumgekrittelt – von wegen Wirksamkeit und so ...
Corona: Gepetzt
Möglicherweise ging die Flasche Rebensaft an den Mann aber auch nur deshalb, weil er aus Bobenheim-Roxheim kommt. Bobenheim-Roxheim liegt ganz im Norden des Rhein-Pfalz-Kreises. Das nur als Information für die RHEINPFALZ-Leser, die im mittleren Teil des Kreisgebildes leben und von dieser Kreisgemeinde womöglich noch nie gehört haben. Denn wenn man den Bobenheim-Roxheimer Glauben schenken darf, liegt ihr Ort ultraweit entfernt. Vor allem vom Schifferstadter Impfzentrum. Dorthin zu reisen, halten die meisten von ihnen für eine Zumutung. An einem Tag hin und zurück. Ohne Übernachtungsmöglichkeit. Hotels haben ja derzeit nicht geöffnet. Deshalb wollen sie lieber in Frankenthal geimpft werden. Von Frankenthal liegen sie nämlich nicht ultraweit entfernt.
Nun könnte man meinen, für die eigene Sicherheit und um der Pandemie ein Ende zu setzen, ist einem kein Weg zu weit. Und man ist froh, einen Impftermin ergattert zu haben. Falsch gedacht. Vielleicht werden aber auch nur die falschen Anreize geschaffen. Denn wie sagte jüngst ein kluger Mann bezüglich dieses Impf-Zirkus’: Um eine Schorle am Haardtrand zu petzen, ist denen kein Weg zu weit – aber um ans Schifferstadter Impfzentrum zu fahren dann doch. Unsere Idee: Vor dem Impfzentrum einen Schorle-Stand aufbauen – also falls das die Corona-Regeln und Inzidenzwerte zulassen. Wein für jeden. Nicht nur für jeden 5000. Und wenn dann noch der Landrat persönlich hinter der Theke stehen könnte ... Das könnte vielleicht sogar die aus dem Norden überzeugen.
Corona: Gedealt
Ein Mann aus Altrip macht unser aller Homeoffice schöner. Mit Stellwänden aus Pappe. Die verdecken Wäscheständer, Bücherregale oder Kinder, die man nicht so gerne bei Videokonferenzen mit Kollegen im Internet zeigen möchte. Schnell aufgebaut und genauso schnell wieder zusammengeklappt und verstaut. Die Produkte des Altripers könnten auch als Trennwände dienen, in Impfzentren oder Teststationen zum Beispiel. Doch das Bundesgesundheitsministerium hat abgelehnt. Das ärgert den Geschäftsmann natürlich. Warum wendet er sich aber auch direkt ans Ministerium? Hätte er mal besser ein paar Abgeordnete angerufen. Die von der CDU sollen für Corona-Deals ja recht empfänglich sein.
Videokonferenzen: Gezeigt
Natürlich gewährt so eine Videokonferenz Einblicke ins private Umfeld. Im Job oder bei politischen Gremien, die in Zeiten der Seuche auch vermehrt ins Digitale abwandern. Und der Mensch ist ein neugieriges Wesen. Was für ein Bild hängt da hinter der Kollegin? Was für Magnete hat die Politikerin am Kühlschrank hängen? Wer das nicht möchte, kann bei vielen Videosystemen den Hintergrund weichzeichnen, also verschwimmen lassen. Manche Anbieter können auch ganze Szenarien digital einspielen, ein Aquarium zum Beispiel. Mit animierten Fischen. Aber manche wollen auch einfach ihrem Ruf gerecht werden. Oder den Vorurteilen? Na ja. Ein Mitglied der AfD hat jüngst im Kreisbauausschuss hinter sich jedenfalls tatsächlich eine Deutschland-Flagge drapiert. Als wahre Alternative hätten wir die Telefonnummer eines Mannes aus Altrips parat. Der bietet Papp-Stellwände fürs Heimbüro an. Denn man muss nicht alles sehen.
Landtagswahl: Gestimmt
Am Sonntag ist Landtagswahl. Und der Wahlkampf war wegen der Pandemie anders als sonst. Kontaktlose Stände, „Kandidaten to go“, keine Veranstaltungen, keine Polit-Prominenz in der Provinz. Viele Menschen haben per Briefwahl abgestimmt und ihr Kreuz bereits gesetzt. Für sie ist es zu hoffen, für alle, die den Gang ins Wahllokal vorziehen, gilt: Tun Sie es mit Bedacht – und an der richtigen Stelle.
Ein schönes Wochenende wünschen Britta Enzenauer & Sven Wenzel