Land und Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenendkolumne für den Rhein-Pfalz-Kreis: Von Affen und Seuchen

Der Spruch „Nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“ ist Bestandteil der Lehre des buddhistischen Gotte
Der Spruch »Nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen« ist Bestandteil der Lehre des buddhistischen Gottes Vadjra. In der westlichen Welt sind die drei Affen eher ein Symbol dafür, alles Schlechte nicht wahrhaben zu wollen.

Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche bewegt hat. Abseitiges, Skurriles und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.

Lüftungsgeräte: Aussitzen

Wir müssen noch einmal über die Lüftungsgeräte in der Fußgönheimer Schillerschule sprechen. Denn die schier ewig dauernde Debatte, ob, wie viele und welche solcher Teile in der Grundschule installiert werden sollen, zeigt ziemlich gut, was in der Corona-Pandemie schief läuft. Und ein Ortsgemeinderat ist ja ganz oft so eine Art Mikrokosmos, an dem sich gesellschaftliche Konfliktlinien ablesen lassen. Und in dem Personen sitzen, die stellvertretend für Positionen im großen Miteinander stehen.

Da haben wir beispielsweise den Hobby-Virologen, der das Ende der Seuchen-Zeit verkündet, zumindest fast: „Der Höhepunkt der Pandemie ist überschritten, die Fallzahlen gehen zurück, die Realität hat sich zum Besseren gewendet“, sagt er und erkennt zwar Corona-Fälle an der Schule an. Diese seien aber „nicht ursächlich an der Schillerschule gewesen“. Was auch immer es bedeutet. Studienlage durch Dr. Google verifiziert.

Auf der anderen Seite sitzt naturgemäß der Mahner, der folgendes zu Protokoll gibt: „Wir wissen nicht, was im Herbst sein wird.“ Eine weitere Welle, eine neue Virusmutation, oder wird alles gut? „Nicht, dass wir dann im dritten Jahr wieder dasitzen und nichts haben.“ In der Mitte der Pragmatiker, der einen Ausgleich zwischen den Positionen sucht und sagt: „Lüftungsgeräte sind sicher nicht schlecht, aber das Lüften ersetzen sie auch nicht.“ Und dann ist da noch der polternde Reingrätscher, der den anderen die Schuld gibt. Getreu dem Motto: Was das alles kostet, wir würden ja gerne kaufen, und zwar nicht nur Lüftungsgeräte, sondern ganz viel anderes auch – aber haben kein Geld. Und das liegt einzig und allein am Land Rheinland-Pfalz. „Denn die finanzielle Ausstattung der Kommunen durch das Land ist gruselig“, sagt er.

Das Land selbst, von dem allerdings kein Vertreter am Tisch sitzt, besticht wiederum durch Großzügigkeit, aber eben auch nicht so ganz. Schließlich gibt es auch in der Förderung mobiler Lüfter offenbar das ein oder andere Schlupfloch: Wir helfen zwar, aber nur, wenn die Klassensäle Fenster haben, die nicht zu öffnen sind. Und wenn die Räume nur für Unterricht genutzt werden – Betreuung, Mittagessen und sonstige Späße, die heutzutage in Grundschulen stattfinden, mal ausgenommen. Dass viele Schulgebäude inzwischen viel zu klein und oft total veraltet sind, geschenkt.

Und so dreht sich die Debatte im Kreis, Argumente werden ausgetauscht und wiedergekäut, Entscheidungen verschoben. Lüfter für die Fußgönheimer Grundschule gibt es noch immer nicht. Bis es soweit ist, dürfte die Pandemie tatsächlich vorbei sein. Aussitzen nennt man das, fast wie bei den drei Affen: nichts sagen, nichts hören, nichts sehen. Nur dass es manchmal doch ein bisschen anders ist: Viel sehen und hören, noch mehr sagen – aber dafür nichts machen. Auch diesen Eindruck hat man in dieser vermaledeiten Pandemie ja des Öfteren.

Ein schönes Wochenende wünscht Sven Wenzel

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