Land und Leute
Die Wochenendkolumne: Enge Wege und weite Welt
Raddemo: In Ketten
In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Auszeichnungen, bei denen sich die Begeisterung der Geehrten in Grenzen hält. Das sind Auszeichnungen, die man eigentlich gar nicht haben will. So verleiht die „heute-show“ im ZDF beispielsweise in der letzten Sendung des Jahres den „Goldenen Vollpfosten“ an Politiker, die sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Mit dem „Goldenen Aluhut“ werden besonders krude Theorien und unwissenschaftliche Aussagen ausgezeichnet. Für absurdes Gendermarketing gibt’s den „Goldenen Zaunpfahl“, für frauenfeindliche Fernsehbeiträge die „Saure Gurke“ und für nicht barrierefreie Bauwerke den „Betonkopf“. Wenn man erst mal beginnt zu suchen, ist die Liste solcher Negativauszeichnungen durchaus lang und auch sehr unterhaltsam. Nun gibt es bei uns im Rhein-Pfalz-Kreis ebenfalls eine solche Auszeichnung. Bei der Fahrraddemonstration der Grünen-Ortsverbände an der Brücke zwischen Limburgerhof und Neuhofen wurde die „Schwarze Fahrradkette“ für den schlechtesten Radweg verliehen. Die hätte eigentlich auf dem Schreibtisch des Landesbetriebs Mobilität in Speyer landen müssen, der keinen Handlungsbedarf sieht, den viel zu engen Radweg zu erweitern. Aber wer weiß, vielleicht wäre man beim LBM gar nicht so entzückt über die Ehre gewesen. Deswegen hängt die Kette nun als Mahnmal für alle sichtbar festgekettet am Ortsausgang Limburgerhof, dort wo der Radweg über die Brücke und die Qualen der Radfahrer beginnen.
Ratsdebatte: In aller Munde
Rotterdam – Böhl-Iggelheim – Genua. Oder auch Köln, München, Hamburg, Böhl-Iggelheim, „um nur die großen Städte zu nennen“. Sie stehen auf dem sprichwörtlichen Schlauch? Nun, die Doppelgemeinde im schönen Rhein-Pfalz-Kreis liegt nun mal im Herzen Europas, ist der Nabel der Welt ... nein – übertreiben wollen wir es nicht. Aber tatsächlich wehte bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats im Rathaus im schönen Böhl-Iggelheim am idyllischen Schwarzweiher ein Hauch der weiten Welt durch den Ratssaal. Denn Bürgermeister Peter Christ (CDU) informierte beispielsweise darüber, dass bei dem Megaprojekt des Bahngüterverkehrkorridors Rotterdam-Genua im Teilbereich Mannheim-Karlsruhe unter den vielen angedachten Linien links- und rechtsrheinisch auch eine Trasse nördlich von Böhl im Gespräch sei. Was aber, wenn es überhaupt einträfe, wohl nur noch die Allerjüngsten unter den Ratsmitgliedern erleben dürften, wie Christ anmerkte – und an die Adresse seines Parteifreundes, Landwirt und Landtagsabgeordneten Johannes Zehfuß ergänzte, „Johannes, Du muschd kä Angschd hawwe um doi Grumbeere“. Und: Die Metropole Böhl-Iggelheim kam in die Liste der großen deutschen Städte in der Debatte um das Blindenleitsystem im Ort. Denn ob man nun in Köln, Hamburg, München oder eben Beehl und Igglem unterwegs sei – die im Pflaster eingelassenen Bodenplatten für Sehgeschädigte seien überall anders, sagte Christ auf die Anfrage von Harald Reichel (SPD). Dass das Aufsuchungsfeld für die Nutzung von Geothermie, die die Stadtwerke Speyer und Schifferstadt anstreben, teilweise auf Böhl-Iggelheimer Gemarkung liegt, ist da ja fast nur noch eine Randnotiz. An Hängsching und Bessem kommt keiner vorbei.