Rhein-Pfalz Kreis „Die Vorderpfalz ist Hasenland“

Bobenheim-Roxheim. Der Feldhase ist das Wildtier des Jahres 2015. Um herauszufinden, wie es um den Bestand der Langohren steht, sind auch im Rhein-Pfalz-Kreis bald wieder Jäger mit Klemmbrett, Stift und Scheinwerfer unterwegs, um des Nachts Hasen zu zählen. Einer von ihnen ist Oskar Jung aus Bobenheim-Roxheim. Der 79-Jährige ist Leiter des Hegerings Frankenthal.
Zwischen neun und zehn Uhr abends geht’s los, dann sind wir in der Regel drei Stunden unterwegs. Immer mindestens zu zweit: Einer fährt, der andere leuchtet, zählt und notiert, wie viele Hasen er sieht. Um die Hasen zählen zu können, fahren Sie am Feldrand entlang und leuchten mit dem Scheinwerfer aufs Feld – stört das Meister Lampe nicht beim Nachtessen? (lacht) Nein, solange wir am Feldrand bleiben, stören sich die Hasen nicht daran. Sie sitzen brav da und mümmeln in Ruhe weiter. Nur wenn wir näher an sie heranfahren würden, würden sie Reißaus nehmen. Es gibt immer wieder Meldungen, der Hasenbestand gehe zurück. Wie sieht es in der Vorderpfalz aus? Die Vorderpfalz ist schon lange Hasenland, vom Klima her ist unsere Region sehr gut für den Hasen geeignet. Der Bestand ist in den letzten zehn Jahren leicht zurückgegangen. Bei den letzten Zählungen haben wir pro 100 Hektar etwa 70 Hasen gezählt. Wer oder was macht den Mümmelmännern denn das Leben schwer? Dass die Zahl der Hasen zurückgeht, hat verschiedene Gründe. Der Lebensraum der Hasen wird durch die Urbanisierung immer kleiner. Auch die Veränderungen in der Landwirtschaft spielen eine Rolle: Es gibt immer mehr Großbetriebe mit großen Parzellen und Monokulturanbau. Fehlen Gräser und Hecken zwischen den Feldern, ist der Hase leichte Beute für Fuchs, Marder, Wiesel und Iltis sowie Rabenkrähen, Elstern und Greifvögel. Außerdem wachsen immer weniger Wildkräuter auf den Feldern, auf die der Hase angewiesen ist. Im Frühjahr werden junge Hasen oft Opfer unbeaufsichtigter Hunde – daher bitte beim Spaziergang in der Natur die Hunde an die Leine nehmen. Wie sieht ein gutes beziehungsweise schlechtes Feld für den Hasen aus? Nehmen wir Eppstein und Rheingönheim als Beispiel. In Eppstein wird wenig Getreide angebaut, das heißt, das Land liegt im Winter brach, und die Nahrung für den Hasen fehlt. Außerdem wird viel Gemüse mit zwei oder drei Fruchtfolgen pro Jahr angepflanzt. Das ist auch für Wildtiere wie Fasan, Rebhuhn oder Kiebitz schlecht, da die Zeit zum Brüten und für die Aufzucht der Jungen fehlt. Etwas besser sieht es in Rheingönheim aus: Dort ist der Getreideanteil auf den Feldern höher, und es gibt viele ausgefahrene Feldwege, die von Radfahrern und Joggern wenig frequentiert werden – da hat der Hase seine Ruhe. Wie stehen die Chancen, an Ostern einen Hasen in freier Wildbahn zu beobachten? Das ist tagsüber gar nicht so einfach, Hasen sind ja nachtaktiv. Am besten, man geht während der Dämmerung in Ruhe zwischen den Feldern spazieren und nimmt ein Fernglas mit. Am besten stehen die Chancen im Frühjahr, da steht die Frucht auf dem Feld noch nicht so hoch, und es ist Rammelzeit, da verlieren die Hasen ihre Scheu. Das führt aber leider auch dazu, dass die Hasen über die Straße rennen und dann manchmal überfahren werden. Der Hase kann bis zu vier Mal im Jahr Junge kriegen. Deshalb war es im Mittelalter zeitweise verboten, Hasenfleisch zu essen, da man befürchtete, die sexuellen Gelüste könnten sich auf den Menschen übertragen. Zu Ostern gibt’s bei Ihnen aber keinen Hasenbraten, oder? (lacht) Nein, bei uns gibt’s Hirschgulasch mit Preiselbeeren, Birnen, Nudeln und Soße.