Rhein-Pfalz Kreis Die Tour für mehr Kartoffel-Know-how

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Mutterstadt. Wenn Annabelle einen „Wasserarsch“ hat, ist das kein kosmetisches Problem, sondern ein kulinarisches. Die Rede ist von einer Kartoffel. Und jemand, der alles über Grumbeeren weiß, ist Bernd Treiter, der zwischen Mutterstadt und Ruchheim verschiedene Sorten anbaut. RHEINPFALZ-Leser haben ihn bei der Sommertour besucht. Sie wissen jetzt, warum Knollen besagtes Wasserproblem haben können.

Die Teilnehmer sind begeistert: So viel über Kartoffeln, ihren Anbau und ihre Vermarktung zu erfahren, macht allen Spaß. Das liegt vor allem am kompetenten Auftritt von Bernd Treiter. Er ist der Chef der Firma Bernd und Bärbel Treiter Kartoffel- und Gemüsespezialitäten, die unter dem Namen Royal Potatoes Kartoffeln selbst vermarktet. Auf rund 100 Hektar Anbaufläche wachsen Treiters Grumbeeren. Aber Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Es gibt unzählige Sorten mit verschiedenen Eigenschaften und ständig kommen neue dazu. Da heißt es ausprobieren. Treiter nimmt die RHEINPFALZ-Leser mit zu seinem Versuchsfeld. Dort treffen sie Königinnen und Fürstinnen. Es gibt nämlich Züchter, die so stolz auf ihre Kartoffelsorten sind, dass sie „Queen“ und „Lady“ vor die üblichen Frauennamen setzen. Queen Anne ist zum Beispiel eine vorwiegend festkochende Frühkartoffel. Wie sich die Kartoffel zumindest theoretisch beim Kochen verhalten soll, sagen Farben im Gemüseregal der Märkte: Rot bedeutet vorwiegend festkochend, blau heißt mehlig und im Netz mit der grünen Banderole sind festkochende Knollen drin. In der Praxis mache die Kartoffel aber nicht immer was, sie soll, sagt Treiter. So hänge die Kocheigenschaft auch vom Zeitpunkt der Ernte ab. Die beliebte Berber ist eine der frühen Kartoffeln. Erntet Treiter sie Ende Mai, bekommt er eine festkochende Grumbeere, lässt er sie jedoch stehen, bis das Kartoffelkraut verwelkt ist, wird die Berber mehlig. Die Vielfalt der Sorten ist dem Mutterstadter Landwirt zufolge wichtig, um auf die unterschiedlichen Wünsche der Verbraucher reagieren zu können. „Sau-Grumbeere“ haben die Bauern früher die ganz kleinen Kartoffeln genannt, die an die Schweine verfüttert wurden – heute seien sie auch bei Verbrauchern beliebt. Insbesondere im Schwabenländle liebe man kleine Kartoffeln. „Dagegen können für russische Einwanderer die Kartoffeln gar nicht groß genug sein“, berichtet der Fachmann. Eine Teilnehmerin, die aus Norddeutschland stammt, will regionale Unterschiede ausgemacht haben, was die Farbe der rohen Kartoffeln anbelangt. Auf den Geschmack haben Farben aber keinen Einfluss, erklärt Treiter. Inzwischen gebe es alle möglichen Schattierungen. Am ungewöhnlichsten sei vielleicht die „Violetta“, die ihren Namen nicht ohne Grund trägt. Das tiefdunkle Rot sei ein beliebter optischer Gag in der gehobenen Gastronomie. „Einen besonderen Geschmack habe ich noch nicht festmachen können“, meint Treiter. „Und was ist mit dem Wasserarsch?“ fragte jemand und stieß auf lebhaftes Interesse. Das wollten alle Sommertour`ler wissen: Warum sind manche Kartoffeln, unabhängig von der Sorte, manchmal wässrig und geschmacklos? In der Pfalz ist dafür auch der Ausdruck „Wasserarsch“ üblich. „Grund dafür ist eine unzureichende Stärkebildung in der Knolle“, erklärt Treiter. Die finde in Längsrichtung der Knolle statt und brauche eine gewisse Zeit. Die Stärke bringe Geschmack und Konsistenz in die Kartoffel. Wird der Prozess nicht abgeschlossen, komme es zum besagten Wasserarsch. Ein älterer Teilnehmer musste als Kind auf den Feldern Kartoffelkäfer einsammeln. „Die Schädlinge sind immer noch alle da“, sagt Treiter. Das können Pilze sein, aber eben auch Käfer. Sie werden noch im Larvenstadium mit einem Spritzmittel bekämpft. Auf dem nächsten Feld dürfen die Leser einen Vollernter aus der Nähe betrachten und sogar ein Stück mitfahren. Mit zwei Metallscheiben, wird der kleine Damm, in dem die Knollen wachsen, unterschnitten und die Kartoffeln auf Transportbänder gelegt. Die haben verschiedene Strukturen, um Sand und Steine von der Feldfrucht zu lösen. Oben laufen die Kartoffeln über einen Lesetisch, an dem Erntehelfer beschädigte Kartoffeln und restliche Steine aussortieren. Am Ende werden große Grumbeersäcke gefüllt. Beim Verbraucher sind jedoch immer kleinere Einheiten beliebt. Weil Treiter selbst vermarktet, hat er auch einen Verpackungsbetrieb. Dort werden die Kartoffeln zunächst gewaschen. Dann werden Queen Anne und Lady Felicia von mehreren Kameras gefilmt. Das sind keine Paparazzi, sondern die Augen eines Computers, der Größe und Form erfasst und entsprechend sortiert. Auch da gibt es noch eine Endkontrolle von Hand. Die kleinste Einheit ist das Ein-Kilo-Körbchen, dann gibt es 25-Kilo-Säcke. Was auf den Etiketten stehen muss, ist eine Wissenschaft für sich. „Ich musste mal 20 Tonnen Kartoffeln zurücknehmen, weil ein unwichtiger Bindestrich falsch gesetzt war.“ Die Herkunft jeder Kartoffel ist genau dokumentiert, Treiter kann sogar sagen, von welchem Acker ein Grumbeersack stammt. Jeder Schritt, vom Kauf der Pflanzkartoffeln, über Bewässerung und Pflege, Ernte und Verpackung muss akribisch genau festgehalten werden. Nicht nur die Akten werden überprüft, es finden auch regelmäßig unangekündigte Besuche von Kontrolleuren statt, die von Äckern, Lagern und Verpackungen Stichproben nehmen. Zum Schluss des Besuchs servierte Treiter den Teilnehmern natürlich noch Kostproben der königlichen Knollen. Die Leser waren von Treiters interessanter und informativer Führung begeistert und dankten herzlich für den spannenden Vormittag.

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