Dudenhofen
„Die Stangen sind dicker“ – Interview mit einem Dudenhofener Spargelbauern
Herr Zürker, ich bin vor ein paar Tagen am Spargelhäuschen in unserem Ort vorbeigekommen und dachte: „Wieso hat der im Winter auf?“ Und sofort danach: „Oh Mann, es ist Mitte April.“ Waren Ihre Kunden bislang auch noch nicht so auf Frühling und Spargel eingestellt?
(lacht) Das kann man so sagen. Die Nachfrage nach Spargel war lange nicht sehr gut. Und in der Tat war das Wetter schuld. Kalt und nass – da haben die Leute keine Lust auf Spargel. Allerdings ist es generell so, dass am Anfang der Saison weniger Spargel gekauft wird. Viele denken dann auch, dass der Spargel noch sehr teuer ist. Er ist teurer, ja. Aber nicht so teuer.
Und wann geht das Geschäft normalerweise so richtig los.
Ab Mitte April.
Das kann ja nun noch werden. Etwas wärmer ist es schon geworden, merkt man das gleich beim Absatz?
Absolut. Seit vergangenem Montag läuft es besser. Dabei ist der Montag immer ein eher schlechter Verkaufstag. Aber dieser Montag war gut. Die Tage danach auch. Wie gesagt, Wetter und Spargel – das hängt miteinander zusammen.
Auch beim Wachstum, oder? Wie sieht die Ernte bislang aus?
Zögerliche Kunden, zögerliches Wachsen. (lacht) Nennenswerte Mengen haben wir bislang noch nicht geerntet. Stechen konnten wir eigentlich nur da, wo der Spargel es gut warm hatte, weil er mit drei Folien abgedeckt war. So langsam können wir an die Felder mit der Zwei-Folien-Abdeckung gehen. Aber dort, wo nur eine Folie aufliegt, müssen wir noch warten, bis es wärmer wird.
Und die Qualität ist gut?
Die ist immer sehr gut.
Aber dieses Jahr besonders, oder? Ich habe gehört, dass Frost eine entscheidende Rolle spielt.
Das stimmt. Die Stangen sind dicker. Spargelpflanzen brauchen einen Frostschock, dann wachsen sie gut. Und diesen Frostschock hatten wir dieses Jahr.
Erst braucht er Frost, dann will er Wärme – so ganz einfach haben Sie es mit dem Spargel nicht, oder?
(lacht) Er ist schon ein bisschen wetterfühlig.
Letztes Jahr war es schon viel wärmer um diese Zeit, dafür fehlten vielerorts Erntehelfer. Wie sieht es denn dieses Jahr aus? Haben Sie genug Saisonkräfte?
Wir haben genug Saisonkräfte. Aber die Organisation ist coronabedingt immer noch etwas kompliziert. Früher habe ich die guten Leute angerufen, und zwei Tage später waren sie da und haben gearbeitet. Jetzt müssen wir vorausschauen, weil die Quarantänevorschriften einzuhalten sind. Helfer, die neu kommen, dürfen mit den anderen nicht zusammenkommen. Auch räumlich mussten wir da Lösungen finden.
Ihre Prognose: Wird das noch ein richtig gutes Spargeljahr?
Das kann man immer erst am Ende sagen. Und es hängt ganz stark vom Wetter ab. Es kommt natürlich auch auf die Sichtweise an. Für die Verbraucher sind viele Tage über 25 Grad gut. Dann sprießt der Spargel wie verrückt und es kommt viel auf den Markt. Spargel wird günstig. Für uns Landwirte ist es besser, wenn das Wetter durchwachsen bleibt, und der Markt mit Spargel nicht überschwemmt wird. Dann verdienen wir an unserem Produkt besser. Aber lassen wir uns doch überraschen, wie es wird.