Rhein-Pfalz Kreis Die Musik macht’s

Schifferstadt. Es heißt, Musik sei eine universelle Sprache, die jeder versteht. Im Schifferstader Lillengassen-Orchester spielen Menschen aus Syrien, Somalia, Serbien, Eritrea, dem Kosovo und manchmal weiteren Ländern mit Einheimischen. Ursprünglich wollte die Musikerin Isabel Eichenlaub Melodien aus anderen Ländern sammeln. Dass daraus ein internationales Ensemble wird, hatte sie gar nicht geplant.
Ein syrischer Junge schlägt auf eine Trommel. Jasko Zorcic, ein Musiker aus Serbien, spielt Akkorde auf seiner Gitarre. Schon ziemlich professionell klingt Tarek, der seine Darbuka, eine orientalische Trommel, mitgebracht hat. Heute sind es nicht so viele Menschen, die sich in der Schifferstadter Adlerstube zum Musikmachen getroffen haben. „Manche hätten recht weit zu laufen und wenn derjenige, der sie sonst abholt, nicht kommen kann, fehlen gleich mehrere Leute“, erklärt Isabel Eichenlaub. Sie leitet mit ihrem Mann Karl Atteln-Eichenlaub die 14-tägigen Proben. Mal seien dabei 20 Leute, mal nur eine Hand voll, das wisse man vorher nicht. Die Cellistin und Komponistin suchte nach Melodien aus aller Welt für ein neues eigenes Projekt. „Frag doch einfach die Leute“, habe ihr Mann ihr geraten. Darauf habe sie Kontakt zu Johannes Jarczyk aufgenommen, dem Sozialarbeiter, der ehrenamtlich Flüchtlinge in Schifferstadt betreut. Der stellte die ersten Kontakte her. Im Mai dieses Jahres gab es dann das erste Treffen im evangelischen Gemeindezentrum in der Lillengasse. Mitgeholfen beim Organisieren haben Paten der Flüchtlinge. „E-Moll!“ – ruft die Cellistin dem Gitarristen Zorcic zu. Ihr Mann spielt die Melodie auf dem Klavier der Adlerstube, die anderen trommeln, rasseln oder tröten auf einer Melodica. Es dauert ein bisschen, bis sich das Ganze eingroovt und ein gemeinsamer Rhythmus entsteht. Es ist ein Stück aus Ägypten, das hier grade geprobt wird. „Die Teilnehmer nennen mir Stücke und Interpreten, dann suche ich die Sachen auf Youtube im Internet und höre mir die Melodien heraus“, erklärt Isabel Eichenlaub ihr Vorgehen. Allzu schwer dürfen die Stücke nicht sein, denn es machen auch Menschen ganz ohne musikalische Vorbildung mit. Da gibt es manchmal überraschende Entdeckungen: Ein Syrer fängt an, mit wunderschöner Stimme Lieder aus seiner Heimat zu singen. Der Gitarrist aus Serbien greift die Melodie auf und steigt ein. Es entsteht ein musikalischer Dialog. Schon drei Auftritte hatte das Lillengassen-Orchester bisher: Beim Obst- und Gemüsetag in Schifferstadt und beim Neubürgerempfang, dann noch in Speyer beim Flüchtlingsfest. „Wir tragen aber nicht einfach nur Stücke vor. Mir ist wichtig, dass die Zuhörer mitmachen“, erklärt Isabel Eichenlaub. Sie verteilt dann Perkussionsinstrumente im Publikum und lässt mitsingen. Wie viel Freude das gemeinsame Musizieren macht, sieht man auch bei der Probe in der Adlerstube: Alle Beteiligten haben ein Lächeln auf den Lippen, es wird gescherzt und gelacht. Man hilft sich gegenseitig, übersetzt etwas oder zeigt durch Vormachen, wie etwas gespielt wird. „Es ist schön zu sehen, wie die Menschen sich entspannen und sich freuen“, stellt die musikalische Leiterin fest. Sieben Stücke aus verschiedenen Ländern seien derzeit das Repertoire, neue Stücke seien in Arbeit. Der Versuch, Fördergelder für das Projekt zu bekommen, sei bisher gescheitert. Fraglich sei daher, wie lange die Musikerin, die derzeit in Elternzeit ist, das Projekt noch betreuen könne. „Ich mache das ja gerne, aber der Aufwand ist eigentlich mehr als ich leisten kann“, erklärt sie. Mitmachen könne jeder, besonders willkommen seien die Spieler von Instrumenten aller Art. Die nächsten Proben sind am Freitag, 13., und am Freitag, 27. November, um 17.30 Uhr in der Adlerstube, Ecke Kirchenstraße/Große Kapellenstraße.