Rhein-Pfalz Kreis Die Macht des Hamsters

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Am Dienstag stellte die Stadt Worms das von dem Diplom-Biologen Holger Hellwig ausgearbeitete Feldhamsterschutzkonzept im Stadtrat vor. Kritik gab es von den Grünen, die bemängelten, dass Gespräche mit den Landwirten noch ausstehen, aber auch die Enttäuschung über geplatzte Pläne zugunsten des Artenschutzes klangen durch.

2013 brachte der auf dem Hohen Stein heimische Feldhamster den dort geplanten neuen Wormser Gewerbepark zu Fall. Das bedeutete gleichzeitig, dass für die geschützte Art laut Bundesnaturschutzgesetz nun Überlebensmöglichkeiten sichergestellt werden müssen. Gelten soll der Hamsterschutz für das gesamte Stadtgebiet. Nachträglich ausgenommen wurden jedoch eine geplante Wohnbaufläche in Pfeddersheim-Süd, ein mögliches Gewerbegebiet an der L 425 – einem Zubringer zur A 61 – sowie das Gebiet um die geplante Umgehung nahe Herrnsheim. Bei dieser sogenannten Krankenhaustangente, einem Gebiet, wo Hamsterpopulationen vermutet werden, sah Richard Grünewald (Grüne) einen Rechtsbruch des § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, der auch jegliche Störungen geschützter Arten verbietet, und einen möglichen Ansatzpunkt für Klagen. Der Grünen-Fraktionssprecher bemängelte zudem, dass die „beschworene enge Abstimmung“ mit den Landwirten fehle: „Hamsterschutz im Rat zu betreiben, funktioniert nicht“. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist laut Konzept zumindest auf dem Hohen Stein unerlässlich. Hier ist vorgesehen, die von der Stadt für das Gewerbegebiet aufgekauften fünf Hektar Flächen als hochwertige Schutzmaßnahmen in rund 4000 Quadratmeter großen Riegeln zu begrünen, etwa mit der winterharten Nutzpflanze Luzerne. Zudem sollen Saumstrukturen für Schutz-, Nahrungs- und Rückzugsflächen sowie Verbindungskorridore in der Ackerflur angelegt werden. Dazu müssten die Flächen vernetzt und städtische Flächen mit privaten getauscht werden. Das heißt, im Laufe des zunächst auf fünf Jahre angelegten Feldhamsterschutzkonzepts sollen die Schutzzonen „wandern“. Erfreulich sei, so Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD), dass einige Landwirte bereits Blühstreifen angelegt und Stoppelstreifen nach der Ernte als Nahrungsgrundlage für den Hamster haben stehen lassen. Dieses Getreide soll als einfache Schutzmaßnahmen künftig 50 Prozent der Anbaufläche betragen und erst nach dem 1. Oktober umgepflügt werden. Hundert solcher Schutzstreifen seien geplant, werden jährlich vertraglich festgelegt und der Aufwand mit 100 Euro vergütet. Die Finanzierung erfolgt laut OB über die für den Natur- und Artenschutz zweckgebundenen Ausgleichszahlungen der Firma Juwi für den Bau von Windkraftanlagen auf Wormser Stadtgebiet. In der sachlichen Vorstellung des Konzepts konnte sich OB Kissel jedoch nicht den Hinweis verkneifen, dass „entgegen der über Jahrzehnten geprägten Haltung“ die Landwirtschaft nun den Feldhamster zum Schutzpatron erklärt habe. Der Artenschutz treibe nur in einem Land wie Deutschland mit guter Wirtschaftslage solche Blüten, sodass bis zu siebenstellige Beträge ausgegeben würden für eine Population, die über Jahrhunderte hinweg bekämpft und ausgerottet worden sei. Dieser Artenschutz wäre nicht notwendig, ohne intensive landwirtschaftliche Bodenbewirtschaftung und Flurbereinigung, wodurch Arten zurückgedrängt worden seien, die nun durch künstliche Maßnahmen wieder eine Chance erhalten müssten. SPD-Fraktionssprecher Timo Horst wies darauf hin, dass in der Debatte um das Gewerbegebiet „tausende von Bürgern nicht für den Feldhamster, sondern gegen das Gewerbegebiet protestiert hätten“. Grünewald konterte, es gehe nicht darum, den Hamster vor der Landwirtschaft zu schützen, sondern mit der Landwirtschaft Artenschutz möglich zu machen, und Karl Müller (FWG-Bürgerforum) warf ein, dass „es ärmere Länder als Deutschland gibt, die zur Erhaltung ihres Naturerbes viel mehr Geld ausgeben“. (cei)

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