Rhein-Pfalz Kreis Die Hoffnung schwindet

„Auf der Au“: Nach den Plänen der GmbH sollte noch das gelb umrandete Gebiet für die Camper verbleiben. Daraus wird wohl nichts.
»Auf der Au«: Nach den Plänen der GmbH sollte noch das gelb umrandete Gebiet für die Camper verbleiben. Daraus wird wohl nichts. Im voraussichtlich besten Fall bleibt das Gelände südwestlich des Hauptwegs IV bestehen.

«WALDSEE/Altrip.» Seit 45 Jahren ist das Ehepaar Schmidt aus Landau „Auf der Au“ zugegen, hat viel Zeit, Geld und vor allem Herzblut investiert. Ein Aus für den Campingplatz wäre für viele der Dauercamper ein harter Schlag. Die Schmidts und einige andere wollen das drohende Ende nicht einfach so hinnehmen. Sie haben von rund 350 Campern Unterschriften gegen eine Schließung gesammelt. Auch bei Facebook gebe es rund 450 Unterstützer. „Hier leben zum Teil vier Generationen. Die Leute haben sich etwas aufgebaut. Warum versucht der Landrat, es kaputt zu machen?“, fragt Ursula Schmidt wütend. Rückblick: Der Generalpachtvertrag der rund 150 Grundstückseigentümer mit der GmbH „Naherholung in den Rheinauen“, deren Geschäftsführer Landrat Clemens Körner (CDU) ist, läuft Ende 2020 aus. Die GmbH, die mehrere Campinggebiete betreibt, selbst Pacht von den Campern erhält und ihrerseits Pacht an die Grundstücksbesitzer zahlt, hat den Eigentümern neue Verträge vorgelegt. Nach diesen bekämen die Grundstücksbesitzer nur noch einen Bruchteil der bisherigen Pacht. Außerdem sollte das Gebiet von einst 3500 auf rund 1000 Parzellen deutlich verkleinert, aber auch modernisiert werden. Der Grund ist, dass die Anzahl der Camper seit Jahren abnimmt und die GmbH Verluste macht. Das Gebiet, das nach dem Plan verbleiben würde, gehört zu rund einem Drittel der Ortsgemeinde Waldsee, die restliche Fläche ist ein Flickenteppich verschiedener Eigentümer. Doch wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird aus diesen Plänen nichts. Wie Körner und der Handlungsbevollmächtigte für die GmbH beim Kreis, Thomas Eberhard, im Gespräch mit der RHEINPFALZ erklären, hätten bis Anfang dieser Woche von 72 nötigen Unterschriften von Eigentümern innerhalb der geplanten verbleibenden Campingfläche 24 noch nicht vorgelegen. Ein Versuch, wenigstens einen kleineren Teil der Fläche zu retten, scheiterte laut Körner am Dienstag: Einer Einladung der GmbH seien nur drei von acht Eigentümern von Grundstücken in dem dafür nötigen Gebiet gefolgt. Nur einer habe noch unterschrieben. Da die Grundstücke, deren Eigentümer mit den neuen Verträgen einverstanden wären, wie auf einem Flickenteppich verteilt sind, lässt sich das Gelände laut Körner so nicht für einen Campingplatz nutzen. Bleibt noch das zusammenhängende Gebiet im Eigentum der Ortsgemeinde Waldsee im Südwesten übrig. Laut Körner steht der Waldseer Ortsbürgermeister Otto Reiland (CDU) der Idee, dass es dort mit Camping weiter gehen könnte, positiv gegenüber. Allerdings wären hier lediglich zwischen 300 und 400 Parzellen vorhanden. In welcher Form die GmbH dort weiter mit im Boot bliebe, ist noch völlig offen. Für die Interessengemeinschaft sind Clemens Körner und die Betreiber-GmbH ein rotes Tuch. „Die lassen das Gebiet hier verkommen. Man hat den Eindruck, die wollen uns rausekeln“, ereifert sich Ilona Schäfer, die seit 1975 einen Platz auf dem Gelände belegt. Ihr Vorwurf: Jahrzehntelang wurde kaum in das Campinggebiet investiert. Die Sanitäranlagen seien marode und es gebe zu wenige davon. Eine endgültige Entscheidung, wie es mit dem Campinggebiet weitergeht, trifft der Aufsichtsrat der GmbH, dessen nächstes Treffen noch nicht terminiert ist. „Ich werde dem Aufsichtsrat sagen, dass wir noch mal verhandelt haben, ein Weiterbetrieb wegen der Sperrgrundstücke derer, die nicht unterschrieben haben, aber keinen Sinn macht“, sagt Körner. Sehe dies der Aufsichtsrat auch so, würden die Campingplätze zum 30. September 2020 gekündigt. Geräumt sein müssen sie bis Ende des gleichen Jahres. Der Rückbau soll bis Mai 2021 erfolgen. „Wir wollen den Campern relativ schnell klar machen, dass sie keine große Zukunft mehr auf dem Campinggebiet haben“, sagt Körner. Für ihre Plätze zahlen die Camper nach eigenen Angaben zwischen 800 und 1000 Euro Pacht im Jahr. „Von den Pachten haben wir nie viel gesehen“, sagt Schäfer. Ihr Verdacht: „Das Geld ist in andere Gebiete geflossen.“ Dass die GmbH Verlust mache – 2016 waren es laut öffentlich einsehbarem Jahresabschluss rund 95.000 Euro – können sich die Camper nicht vorstellen. Ihr Verdacht: Der Landrat wolle das Campinggebiet schließen, damit das Gelände als Ausgleichsfläche für Bauprojekte dienen kann. Auch wenn Körner die emotionale Bindung vieler Camper an den Platz verstehen könne, wehrt er sich gegen die Vorwürfe, die GmbH oder ihre Vorgängerin in Vereinsgestalt habe das Campinggebiet absichtlich vernachlässigt und Geld aus dortigen Pachteinnahmen in andere Campingplätze wie das Reffenthal gesteckt. Ohne Gewinne aus den anderen Plätzen wären die Verluste der GmbH noch größer. Körner verweist als Beispiel auf das Jahr 2016, in dem es für das Campinggebiet „Auf der Au“ einen Fehlbetrag von rund 225.000 Euro gab. „Von uns ist in der Vergangenheit sicher auch nicht immer alles richtig gemacht worden“, sagt der Landrat. Die Abwärtsentwicklung auf dem Campinggebiet habe vor rund 20 Jahren eingesetzt. Den Eigentümern, die nicht unterschrieben haben, mehr anzubieten als die in den neuen Verträgen vorgesehene Pachtzahlung von drei Cent pro Quadratmeter und Jahr – beziehungsweise einem Cent, wenn das Gelände außerhalb des verkleinerten Platzes liegt –, kommt für Körner nicht in Frage. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass alle das gleiche bekommen.“ Sollten bis zur Entscheidung des Aufsichtsrats die übrigen Grundstückseigentümer die Verträge doch noch unterschreiben, wäre ein Weiterbetrieb des Campingplatzes immer noch möglich – theoretisch. „Wir schlagen die Tür nicht zu“, sagt Körner. Die Hoffnung darauf schwindet aber mit jedem Tag. „Ich wollte meinen Ruhestand hier verbringen“, sagt Markus Schwehla aus Ludwigshafen, der mit seiner Frau Christine jedes Wochenende auf seinem 330 Quadratmeter großen Platz verbringt. Doch in sechs Jahren, wenn es soweit ist, gibt es das Campinggebiet „Auf der Au“ womöglich gar nicht mehr. „Ich gehe hier nicht freiwillig runter“, kündigt Schwehla an. „Herr Körner weiß gar nicht, wie viel Herzblut hier drin steckt.“

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