Türen öffnen im Advent RHEINPFALZ Plus Artikel Die Beamten der PI Schifferstadt sind auch an den Feiertagen rund um die Uhr im Einsatz

Gerne öffnen die Beamten der PI Schifferstadt nicht diese Tür zur Arrestzelle, schon gar nicht an Weihnachten. Aber manchmal mus
Gerne öffnen die Beamten der PI Schifferstadt nicht diese Tür zur Arrestzelle, schon gar nicht an Weihnachten. Aber manchmal muss es sein.

Türen öffnen im Advent: „Wir machen Dienst“, sagt Kai Giertzsch, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Schifferstadt auf die Frage „Was macht die Polizei an Weihnachten?“. Ob die Feiertage besonders kriminell sind? Darüber berichtet der Schifferstadter und zeigt uns in diesem Zusammenhang eine besondere Tür.

Der Dienstbezirk der Polizeiinspektion Schifferstadt erstreckt sich auf die Stadt Schifferstadt, die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim und die Gemeinden Mutterstadt, Altrip, Waldsee, Neuhofen, Böhl-Iggelheim, Limburgerhof. Dies ergibt eine Fläche von rund 16.000 Hektar mit insgesamt rund 90.000 Einwohnern. Und die sollen selbstverständlich über Weihnachten und „zwischen den Jahren“ genauso sicher sein, wie das restliche Jahr über.

„Wir haben die 24 Stunden in drei Dienste eingeteilt, und die Dienstgruppen organisieren sich selbst, sodass die erforderliche Mindeststärke an Personal gegeben ist“, sagt der 56-jährige Inspektionsleiter Kai Giertzsch. Was die Mindeststärke ist, haben die Polizisten der PI Schifferstadt in der Vergangenheit festgelegt, nachdem sie die Vorkommnisse und Einsätze im Verlauf eines Jahres analysiert und daraus dann ihre Dienstpläne entwickelt haben. „Wer über die Feiertage Dienst hat, machen dann die Dienstgruppen intern aus“, erklärt Giertzsch.

Die Akten des Vorjahrs

Für das RHEINPFALZ-Gespräch hat er die Akten der Festtage des Vorjahrs geholt. Heiligabend fiel 2022 auf einen Samstag. „Da waren die Geschäfte bis Mittag noch auf und entsprechend was los“, sagt er. Zwei Verkehrsunfälle habe es gegeben, vier Strafanzeigen und einen Einbruch, der tagsüber stattgefunden habe. „Die Leute waren am frühen Abend im Gottesdienst und bemerkten den Einbruch, als sie von der Kirche zurückgekommen sind“, sagt Giertzsch.

Die Tatzeit sei ungewöhnlich, denn Wohnungseinbrüche finden am häufigsten tagsüber unter der Woche statt, wenn die Bewohner außer Haus zum Arbeiten seien. Möglich sei, dass die Täter ihr Ziel beobachtet haben und dann gezielt zugeschlagen haben. Am selben Tag wurde noch eine Körperverletzung angezeigt. Und die Beamten mussten morgens, kurz vor halb sechs, zu einer Ruhestörung kommen. „Das waren wohl die Reste einer Feier vom Abend vorher“, vermutet der Polizeichef.

Unfreiwilliger Gast

An Heiligabend hatten die Beamten auch einen unfreiwilligen Gast: Ein alkoholisierter Mann randalierte in einer Tankstelle und wollte sich auch nicht beruhigen, als Polizisten eintrafen. „Wenn die akute Gefahr besteht, dass jemand weitere Straftaten begeht, müssen wir ihn mitnehmen“, erklärt Giertzsch. Der Mann musste mit auf die Inspektion im Waldspitzweg, wurde ärztlich untersucht und kam in eine der Gewahrsamszellen. „Das Türchen lassen wir eigentlich lieber zu, aber manchmal geht es nicht anders“, sagt Giertzsch.

Es sind oft stark betrunkene Menschen, die in Gewahrsam kommen. Der Heiligabend-Randalierer hatte 1,06 Promille. Die Zahl an sich sagt nicht viel. „Es gibt große Unterschiede, wie Alkohol bei Menschen wirkt, je nach Größe und Körpergewicht und vor allem nach Gewöhnung kann das sehr unterschiedlich sein“, erklärt Giertzsch. Klar sei aber, dass man eine ganze Promille nicht mit drei, vier Bier oder ein, zwei Viertel Wein über den Abend erreiche.

Keine typischen Weihnachtsvorfälle

An Weihnachten 2022 habe es auch zwei Menschen in psychischen Ausnahmesituationen gegeben, die von der Polizei zu einer psychiatrischen Klinik gebracht wurden. Das klingt doch schon eher nach Weihnachten, zwischen Familienstress und Einsamkeit – sind da solche Fälle häufig? Giertzsch kann das nicht bestätigen. Und auch sonst gebe es keine typischen Weihnachtsvorfälle. Tatsächlich seien die Festtage sogar etwas ruhiger, als der Rest des Jahres. „Die Geschäfte sind geschlossen, das öffentliche Leben ruht, es ist weniger Verkehr auf den Straßen“, erklärt Giertzsch, der von 2002 bis 2021 stellvertretender Inspektionsleiter war und seitdem Leiter der Inspektion Schifferstadt ist. „Wenn ich nach den Festtagen die Berichte lese, sind das immer weniger Vorkommnisse als an anderen Tagen“, sagt er. Im vergangenen Jahr nahmen die Beamten an Heiligabend und dem Ersten Weihnachtsfeiertag 17 Vorfälle auf, am Zweiten 16. Statistisch gesehen sei alles unter 20 weniger als der Schnitt, sagt Giertzsch.

Die sonst übliche kleine Weihnachtsfeier in der Inspektion musste in diesem Jahr ausfallen: „Wir haben einen hohen Krankenstand durch Corona, und wir wollen uns nicht gegenseitig anstecken, deshalb haben wir die Feier abgesagt“, erklärt der PI-Leiter. Giertzsch selbst wird die Feiertage frei haben und mit seiner Familie Weihnachten feiern.

Die Serie

In unserer Adventsserie „Türen öffnen im Advent“ klopfen wir an alle möglichen Türen und sammeln spannende Geschichten, die uns das Warten auf Weihnachten ein bisschen verkürzen sollen.

Diese Tür müssen alle Polizisten aufmachen, die zum Einsatz raus müssen oder Streife fahren.
Diese Tür müssen alle Polizisten aufmachen, die zum Einsatz raus müssen oder Streife fahren.
Die Eingangstür der PI Schifferstadt im Waldspitzweg: „Alles unter 20 Vorfällen pro Tag, ist unter dem Schnitt“, sagt PI-Leiter
Die Eingangstür der PI Schifferstadt im Waldspitzweg: »Alles unter 20 Vorfällen pro Tag, ist unter dem Schnitt«, sagt PI-Leiter Kai Giertzsch.
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