Rhein-Pfalz Kreis Dicke Luft im Dorf

Seit Ende November hat der Gestank in Mutterstadt zugenommen, sagt die örtliche Bürgerinitiative gegen Geruchsbelästigung. Schuld sei die Zeller Recycling GmbH, gegen die sie eine Online-Petition und eine Flugblattaktion gestartet hat. Die Firma wiederum bereitet juristische Schritte gegen die Bürgerinitiative vor – wegen rufschädigenden Verhaltens.
Bürgerinitiative (BI) und Zeller sind in den vergangenen Jahren schon öfter aneinandergeraten. Streitpunkt war vor allem die Grünschnittkompostierung. Dazu kam zuletzt der Biomüllumschlag. Ende November hat sich die Lage laut BI drastisch verschlechtert. „Der Geruch ist unerträglich“, erklärt BI-Vorsitzender Wolfgang Heil. Als Ursache will die BI die Grünschnitt-Kompostieranlage ausgemacht haben. „Sie befindet sich in einem eklatanten Zustand und ist total überfrachtet“, sagt Heil. Die BI fordert daher, die Anlage solle nach dem Stand der Technik und gemäß der erteilten Genehmigungen betrieben werden. Beim Stichwort Genehmigungen kommt Heil auf den zweiten Kritikpunkt zu sprechen: den Umschlag von Biomüll. Die dafür erforderliche Halle sei zwar modernisiert worden, aber während des Umbaus sollten solche Abfälle an einem anderen zugelassenen Standort umgeschlagen werden. So habe es die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt im August verfügt. Wenig später habe die BI jedoch von der Behörde erfahren, dass Zeller Biomüll nun doch auch während des Umbaus umschlagen darf. Dazu würden Deckelcontainer verwendet, und zwar in einer Rundbogenhalle, die für Biomüllumschlag nicht zugelassen und nach Mutterstadt hin offen sei. Außerdem wirft die BI dem Recyclingbetrieb vor, die Nachtruhe durch Arbeiten während 22 und 6 Uhr zu stören. Der Mutterstadter Ordnungsamtsleiter Klaus Hübner weist darauf hin, dass der Geruch möglicherweise auch von Bio-Landwirten verursacht werden könnte. Diese müssten Bio-Dünger auf ihre Felder aufbringen. Beim Kontakt mit Wasser entwickle dieser dann einen bestialischen Gestank. Die derzeitige Situation stinkt auch Zeller-Geschäftsführer Andreas Zeller. Die Behauptungen der BI weist er als falsch zurück. „Wir werden von der Behörde regelmäßig kontrolliert, und es gibt nie Beanstandungen. Wir sind sicher, dass wir alles rechtmäßig getan haben“, erklärt er gegenüber der RHEINPFALZ. Zudem übertreffe die neue Umschlaghalle den Stand der Technik bei Weitem. Die jüngsten BI-Aktionen überschreiten für ihn eine Grenze. Sie seien rufschädigend für sein Unternehmen, mit dem er 180 Mitarbeiter in Brot und Lohn halte. „Wir leiten deshalb juristische Schritte gegen die Bürgerinitiative ein“, sagt er. (mamü)