Rhein-Pfalz Kreis Dicke Luft auf dem Platz

Der Wachenheimer Campingplatz schreibt rote Zahlen. 2016 waren es rund 11.900 Euro.
Der Wachenheimer Campingplatz schreibt rote Zahlen. 2016 waren es rund 11.900 Euro.

Die Dauercamper auf dem Campingplatz in Wachenheim sind sauer. Einige haben das Gefühl, die Stadt wolle sie loswerden. Vor etwa einem Jahr wurden alle Verträge gekündigt, teurere Tarife eingeführt und der Betrieb im Winter eingestellt. Damit will die Kommune die Kosten senken. Der Platz macht Verluste.

Rudolf und Anette Krebs sind Dauercamper. Das Dürkheimer Ehepaar hat sein Wohnmobil seit 2016 auf dem Wachenheimer Campingplatz abgestellt und kommt regelmäßig zum „Natur tanken“. Das Paar ist hier bestens vernetzt, nennt den Platz sein zweites Zuhause. Doch seit etwa einem Jahr, so Krebs, laufe einiges nicht mehr so unbeschwert wie früher. Im Herbst 2017 bekamen alle Dauercamper eine Kündigung zugestellt. Wer einen neuen Vertrag wollte, musste tiefer in die Tasche greifen. Und statt ganzjährig, ist der Platz nun nur noch von März bis November geöffnet. „Das Geld ist für uns nicht so wichtig“, sagt Rudolf Krebs. Doch statt zwei Waschhäusern gebe es nur noch eins. Und der Aufenthaltsraum, der immer als beliebter Treffpunkt gegolten habe, sei auch dicht gemacht worden. Das bestätigt Karl Nester. Der Winnweiler hat seit etwa zehn Jahren einen Stellplatz in Wachenheim. Auch er ist aufgebracht: „Vieles läuft hier schief“, sagt der 76-Jährige. Das zweite Waschhaus, ein Container, der auf dem unteren Teil des Campingplatzes aufgestellt war, wurde geschlossen, bestätigt der Erste Beigeordnete Helmut Panzel (FDP) auf Anfrage. „Wir hatten ein Überangebot an Sanitäranlagen. Der Container war als Sanitäranlage auch sehr fragwürdig.“ Nun steht er ungenutzt auf dem Platz. Doch Panzel hat schon eine Idee. Er setzt auf E-Biker, die er auf den Campingplatz locken will. Den Container will er als Garage umbauen. Ähnlich wie bei den Fahrradboxen am Bahnhof, erklärt Panzel. Dass den Campern der Aufenthaltsraum genommen wurde, will der Beigeordnete so auch nicht stehen lassen. „Wenn die Gäste kommen, ist die Rezeption geöffnet“, sagt er. Jederzeit könne man sich auch dort unterstellen, wenn es regne. Der Campingplatz in Wachenheim hat im Jahr 2016 einen Verlust von rund 11.900 Euro erwirtschaftet, berichtet Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) auf Anfrage. Im Wirtschaftsplan stehen 10.000 Euro. Somit hatte die Stadt eine Zahlung an den Platz zu leisten. Durch die Umstrukturierungen soll Geld gespart werden. Für 2017 werden ähnliche Zahlen erwartet, was Bechtel als Erfolg wertet, „weil der Campingplatz durch sehr umfangreiche Baumaßnahmen der Regenrückhaltung beeinträchtigt war“. Die Einnahmen durch Tagesgäste betrugen laut Bechtel bis zum 24. August rund 65.100 Euro, 2017 waren es im Vergleichszeitraum knapp 54.600 Euro. Im vergangenen Jahr waren knapp 50 Plätze mit Dauercampern belegt. Nach der Umstrukturierung wurden 23 Verträge mit Saisoncampern geschlossen, zwei weitere Verträge stehen kurz vor dem Abschluss, sagt Bechtel. Es sei zu erwarten, dass für die Saison 2019 bis zu 40 der 113 Plätze durch Saisoncamper belegt sein werden. Dann will Bechtel die „schwarze Null“ erreichen. Camperin Eva Trapp berichtet von einem Treffen, das es zwischen einer Gruppe Dauercampern und Bürgermeister Bechtel gegeben habe. Laut Trapp wurden Verbesserungen versprochen, die nie kamen. „Man hat uns behandelt wie Gesindel“, sagt sie. Stan Mortko, der in den Niederlanden lebt, hat seinen Platz in Wachenheim, den er seit 1970 gemietet hatte, längst aufgegeben. „Der Platz hat uns immer gefallen“, sagt er. Doch nachdem er auch sieben Monate nach der Kündigung keinen neuen Vertrag bekommen habe, sei es ihm zu unsicher geworden. Mortko ärgert sich auch über eine Kaution, die er habe zahlen sollen. Für einen Platz, den er selbst gepflegt habe. „Wir haben immer Ruhe und Spaß gehabt. Jetzt ist der Spaß weg“, sagt der Niederländer. Dass man die Dauercamper vom Platz haben will, will Panzel nicht stehen lassen. „Wir haben immer Dauercamper gehabt, und das soll auch so bleiben“, sagt der Beigeordnete. Doch den Schwerpunkt der Anlage beschreibt er anders: „Wir sind ein ruhiges Plätzchen für junge Familien.“

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