Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Diamantene Hochzeit: Erika und Konrad Heller werden vom Bühnen- zum Ehepaar

Die Liebe hört niemals auf, das steht für Erika und Konrad Heller auch nach 60 Ehejahren fest.
Die Liebe hört niemals auf, das steht für Erika und Konrad Heller auch nach 60 Ehejahren fest.

Erika und Konrad Heller kannten sich schon von der Volksschule. Doch Notiz nahmen sie zunächst voneinander nicht. Da mussten sie erst zusammen auf der Bühne stehen. Das ist über 60 Jahre her. Am Sonntag feiert das Ehepaar Diamantene Hochzeit.

„Darf ich vorstellen, meine erste Frau Erika“, sagt Konrad Heller gerne Fremden gegenüber beim Bekanntmachen seiner Angetrauten. Nicht ohne ein verschmitztes Grinsen im Gesicht. „Den Satz kenn’ ich ja schon“, beschreibt Erika nonchalant ihre Reaktion auf den Humor ihres Gatten, der natürlich bislang nur ein einziges Mal verheiratet war, und zwar mit ihr seit nunmehr 60 Jahren. Schon als Klassenkameraden einander bekannt, nahm man einander nicht wirklich wahr – bis zu einer Inszenierung des Theaterstückes „Der Etappenhase“ von Karl Bunje im Jahr 1959.

Er holt sie auf die Bühne

Initiiert worden war die Aufführung damals durch den Männergesangverein Frohsinn 1873 Mutterstadt. Neben fünf männlichen Rollen gab es eine weibliche zu besetzen, die des flandrischen „Meisje“ (Mädchens) Marie. Zunächst sollte diese von Erikas Schwester Reinhilde verkörpert werden, dann kam aber auch sie selbst ins Gespräch. „Und du fährst hin und fragst sie“, erkor man Konrad Heller dazu aus. Sie willigte ein, und Kavalier Konrad holte sie zur ersten Probe im Sängerheim (heute Restaurant „Hellas“) mit seiner Horex ab. „Ei, du hast wirklich was los“, sollte Erika auf der Bühne zu Konrad, der den „Oberstrolch“ Hain Lammers mimte, sagen. Obwohl es schließlich eine weitere Aufführung des Stücks im Jahr 1961 brauchte, bis sich die beiden regelmäßig trafen, waren diese Worte wohl der Grundstein für die „erste große Liebe“ der beiden.

Konrad Heller wurde als siebtes von elf Kindern im März 1941 in Mutterstadt geboren, Erika kam im Juli des gleichen Jahres als Jüngste von drei Mädchen in einem Ludwigshafener Krankenhaus zur Welt. In Mutterstadt waren aber bereits die Großeltern beider Nachbarn in der Ludwigstraße gewesen. Konrad begann als 14-Jähriger eine Schlosserlehre bei der BASF, war dort 47 Jahre lang in verschiedenen Positionen bis hin zum Lager- und Betriebsleiter tätig, daneben Ausbilder und Dozent an der Meisterschule für Lagerwirtschaft der IHK. Gattin Erika hat nach der Volksschule ein Jahr lang die Handelsschule besucht, eine dreijährige kaufmännische Ausbildung gemacht, arbeitete sieben Jahre bei der Lehrfirma und dann, der Stenografie kundig, sowohl 20 Jahre lang halbtags im Personalbüro der einstigen Esbella als auch von 1989 bis 2004 in der Personalabteilung des Mutterstadter Komplett-Ausbauunternehmens Metzger.

Auch neben dem Beruf war das Paar stets engagiert und aktiv. Ob als Sänger und Solist im MGV Frohsinn, als Organist und Kantor in der katholischen Kirchengemeinde oder als Mitbegründer des historischen Vereins und Mitglied zahlreicher Fördervereine, Konrad Heller – Träger der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz – brachte sich überall mit Herzblut ein. Politisch war er ebenfalls aktiv. Er war Orts- und Fraktionsvorsitzender des CDU-Ortsverbands, Mutterstadts Erster Beigeordneter und hatte die gleiche Funktion auch auf Kreisebene. Seine bessere Hälfte singt seit Jahrzehnten im Kirchenchor und war dort auch Schriftführerin. In den Familien beider Jubilare wurde schon immer gerne gesungen. „Unser Instrument war die Stimme“, erinnern sie sich an ihre Kindheit.

Das Hohe Lied der Liebe

1964 kam Töchterchen Angelika auf die Welt, 1970 Sohn Stephan. 1972 wurden die selbstgeplanten und mit viel Eigenleistung aus der Großfamilie realisierten eigenen vier Wände bezogen. Das Paar erfreut sich an sechs Enkelkindern. „Das Wichtigste ist uns die Familie“, wird ganz klar herausgestellt. Viel Freude hatten die zwei auch an gemeinsamen Reisen. „Das war das Schönste“, erinnert sich Erika mit leuchtenden Augen. Mit dem Wohnmobil ging es zwischen 1999 und 2008 durch ganz Europa, von Norwegen bis Sizilien, von Brest bis Dubrovnik. „Es gibt keine europäische Großstadt, die wir nicht besucht haben“, schwärmen die Weltenbummler. Noch immer gönnen sie sich zweimal im Jahr einen Kuraufenthalt in Bad Griesbach, den sie sehr genießen. Sehr dankbar sind sie, dass sie von schweren Krankheiten bislang verschont blieben.

Ihr Rezept für eine lange Ehe? Gegenseitiges Verstehen und Verzeihen. „Bereit sein, sich zu reiben, aber auch aufeinander zuzugehen“, formuliert es Erika Heller. „Reiben, aber auch streicheln“, ergänzt Konrad und ergreift lächelnd ihre Hand. Gefeiert wird der große Tag mit einem Dankgottesdienst in St. Medardus mit Kirchenchor und Bläsergruppe, einem anschließenden Stehempfang und gemeinsamen Mittagessen im engeren Kreis im katholischen Pfarrzentrum. Auf der Einladung des Jubelpaares findet sich das Hohelied der Liebe (1 Kor 13), fett gedruckt darin die das gemeinsame Leben bestimmende Maxime: „Die Liebe hört niemals auf“.

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