Rhein-Pfalz Kreis Der totale Tonnentausch

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Ludwigshafen. Das Wichtigste zuallererst: Bis Jahresende muss der Müll in den alten Tonnen entsorgt werden – er kommt also in jene Behälter, die jetzt schon vor der Haustür stehen. Zu diesen gesellen sich ab Mitte November neue Gefäße. „Fabrikneu“, wie die Verantwortlichen im Kreis gerne betonen. Und das sollten sie zunächst auch bleiben. „Geleert werden diese Tonnen nämlich erst ab Januar“, erklärt Volker Spindler, Werkleiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft (Ebalu). Damit nichts schief geht, wird an jede Tonne noch mal ein Informationszettel geheftet, die Deckel sind zugeklebt. Rund 90.000 neue Abfallbehälter werden verteilt. Darunter die neue Pflichtbiotonne. 60.000 alte Tonnen werden abgeholt. Eine logistische Herausforderung für den neuen Kooperationspartner Remondis. Aber auch für die Firma Sita, die sich bislang um die Müllentsorgung im Rhein-Pfalz-Kreis gekümmert hat. Ausnahme: „Nicht betroffen ist die Papiertonne, die von der Firma Becker geleert wird“, betont Spindler. Nach acht Jahren hat die Kreisverwaltung die Abfuhrleistungen für Rest- und Biomüll neu ausgeschrieben, Remondis ab 1. Januar 2016 den Zuschlag erhalten. Damit verbunden ist der große Tonnentausch. „Das passt insofern ganz gut, weil die alten Behälter in die Jahre gekommen und reparaturbedürftig geworden sind“, sagt Spindler. Sie hätten ohnehin nach und nach ersetzt werden müssen. Um ein Tonnenrücken wäre die Kreisverwaltung aber auch aus einem anderen Grund nicht drumherum gekommen: Die Biotonne ist Pflicht, Bundesgesetz bereits seit 1. Januar dieses Jahres. Wegen des bevorstehenden Dienstleisterwechsels hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion als Aufsichtsbehörde im Rhein-Pfalz-Kreis zwar bislang eine Ausnahme geltenlassen. Aber jetzt zum Jahreswechsel gilt’s: Fortan müssen Kreisbewohner Kartoffelschalen, Salatreste und Kaffeesatz in den Abfallbehälter mit dem braunen Deckel werfen. Es sei denn, sie kompostieren selbst. Dafür wiederum gelten bestimmte Regeln: Die Grünfläche muss groß genug sein, heißt: 50 Quadratmeter Gartenfläche pro Person, die in dem Haushalt lebt. Außerdem muss ein Foto von der Kompostieranlage geschossen werden – als Nachweis für die Kreisverwaltung. „Im Mai sind die Leute dazu angeschrieben worden, damit sie sich entscheiden können. Jetzt sind die ersten Tonnenpakete gepackt. Für Limburgerhof, Mutterstadt, Altrip und Neuhofen können wir deshalb nichts mehr ändern“, sagt Spindler. Das gleiche gelte für Waldsee, Otterstadt, Dudenhofen und Römerberg. Das dritte Paket ist in der Vorbereitung. Ganz zum Schluss ist der Kreisnorden dran. Heuchel- und Kleinniedesheimer können noch knapp eine Wochen darüber nachdenken, ob sie doch lieber kompostieren statt Biotonne befüllen wollen. Mogeln ist übrigens nicht drin. Vielleicht hätte deshalb so mancher doch lieber die Schleife um die neue Tonne als den Chip daran. Mithilfe dessen wird nämlich jeder neue Abfallbehälter mit einem Haus „verheiratet“ – so nennen das die Experten. „Diese Codierung brauchen wir zum einen für die Abrechnung, zum anderen können darüber Störungsmeldungen an den Ebalu gesendet werden“, erklärt Jörg Schwarz, Niederlassungsleiter bei Remondis. Und gestört werde die Entsorgungskette eben auch, wenn Müll falsch getrennt wird. „Kommen in den Restabfall zu viele Bio-Komponenten, wird er feucht. Das gibt Probleme in der Verbrennungsanlage.“ Entdeckt werden kann das Müll-Mogeln über Stichproben der Müllwerker. Oder wenn die Schütte am Abfuhrwagen streikt, weil die Tonne beispielsweise ungewöhnlich schwer ist. Ein kleiner Computer – der das Behältnis am Chip erkennt und zuordnet – gibt das Problem ins Kreishaus weiter. „Wo wir es bearbeiten und reagieren können“, sagt Spindler. Der Werkleiter ist aber guter Dinge, dass mit der Pflichttonne nicht allzu viele Probleme auf den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft zukommen, schließlich seien schon auf „freiwilliger Basis“ Biobehältnisse im Kreis gut angenommen worden. Rund 20 Prozent der Ebalu-Kunden hätten bereits zusätzlich zu ihrer Restmüll- eine Biotonne. Außer einem Chip ist jede Tonne noch mit einem QR-Code ausgestattet, hinter dem eine App steckt, ein kleines Programm für Smartphones oder Tablet-Computer, mit dem der Abfuhrkalender eingesehen werden kann. Oder über das sich Vergessliche an die Abholtage erinnern lassen können. Müllabfuhr 2.0 quasi – verlinkt und vernetzt. Ausgeliefert werden die Hightechtonnen ab Montag, 16. November. Gestartet wird in Limburgerhof. Danach folgt Mutterstadt (siehe Grafik). „Innerhalb von vier Wochen wollen wir damit durch sein“, sagt Jörg Schwarz. Bis zu 15 Mitarbeiter-Trupps schicke Remondis deshalb raus in die Kreisgemeinden. Von den Standorten Mutterstadt und Germersheim aus würden die Abfallbehälter verteilt. Auch für die Müllabfuhr ab 1. Januar ist Schwarz zufolge inzwischen eine Mannschaft zusammengestellt worden. Einige Leute seien von Sita übernommen, andere neu eingestellt worden. „Mit fünf Sammelfahrzeugen werden wir unterwegs sein, besetzt mit jeweils einem Fahrer und einem Lader.“ Zudem unterhalte Remondis einen Änderungsdienst, falls ein Kreisbürger eine größere Tonne brauche oder seinen Biobehälter mit einem Filter ausstatten wolle. Abgeholt werden die alten Tonnen ab 17. Dezember – verbunden ist die Einsammelaktion mit der letzten Leerung. Da es logistisch schwieriger ist, gebrauchte Behälter aufzuladen als neue zu verteilen, kann sich das Unterfangen etwas hinziehen. „Die neuen Tonnen bekommen Achse und Räder erst vor Ort drangesteckt. Die alten Gefäße lassen sich dagegen nicht mehr so einfach auseinandernehmen und stapeln“, erläutert Spindler. Der Werkleiter bittet deshalb darum, die Tonnen einfach draußen stehen zu lassen. „Sie werden zeitnah zum anberaumten Termin abgeholt.“ Außerdem sollten Nachbarn oder Angehörige beauftragt werden, alte Abfallbehälter bereitzustellen, sollte jemand einen Urlaub geplant haben oder aus anderen Gründen verhindert sein. Um zum Schluss noch mal auf die Verpackung der neuen Stücke zurückzukommen – nicht auf die fehlende Schleife, sondern den vorhandenen Klebestreifen: Es bringt Spindler zufolge wirklich keinen Vorteil, neue Tonnen vor ihrer Zeit einzuweihen – genauso wenig wie es Sinn ergibt, alte zu bunkern. Die Firma Sita kann nur ihre Abfallbehälter leeren, das Unternehmen Remondis seine. „Kommt eine falsche Tonne, streikt die Schütte“, sagt Jörg Schwarz. Der Chip denkt mit. Noch Fragen? —Sollten Bürger ihre neuen Behälter nicht im vorgesehenen Zeitraum erhalten, bittet die Kreisverwaltung zunächst um Kontaktaufnahme mit der Firma Remondis unter Telefon 0621/59502-77 (rhein-pfalz@remondis.de). Bei Fragen und Problemen stehen darüber hinaus Mitarbeiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft unter der Telefonnummer 0621/5909-555 zur Verfügung. —Während der Verteilphase können Änderungswünsche nicht berücksichtigt werden, ein Tausch von Behältern kann erst im neuen Jahr erfolgen. Kunden, die sich nach dem 1. November im Landkreis zur Abfallentsorgung anmelden, erhalten keine alten Tonnen mehr. Sie werden gebeten, für die Übergangszeit Zusatzabfallsäcke zu verwenden. Verkaufsstellen finden sich in allen Kreisgemeinden. Ein Verzeichnis steht auf der Internetseite www.ebalu.de.

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