Rhein-Pfalz Kreis Der Schatten zeigt die Uhrzeit an
Rund 40 Zuhörer aus Dirmstein und Umgebung haben am Pfingstsonntag im Schlosspark verfolgt, was Otto Frey, Vorsitzender des Umweltvereins Alte Sandkaut, zu verschiedenen Stationen in der Grünanlage des Koeth-Wanscheidschen Schlosses zu berichten hatte.
Zunächst aber präsentierte Klaus Petermann die gerade restaurierte Sonnenuhr, die höchstwahrscheinlich Gideon Matthäus von Camuzi, Gutsbesitzer und Bürgermeister von Dirmstein, im 19. Jahrhundert aufstellen ließ. Die mit Sockel etwa 150 Kilogramm schwere Sonnenuhr – „die eigentlich eine Schattenuhr ist, weil der Schatten des Bügels die Uhrzeit anzeigt“, so Petermann – wurde von einer Spezialfirma in Aachen überholt. Sie wurde sandgestrahlt, die Kugel mit einer kupferfarbenen, die Säule mit einer petrolfarbenen Schicht witterungsbeständigen Lacks überzogen. Die Kosten übernahm ein Dirmsteiner, der nicht genannt werden möchte. Mit der Geschichte der Sonnenuhr von der Steinzeit über die Babylonier, Ägypter, Griechen bis hin zu den Römern, die sie bis nach Germanien brachten, erläuterte Petermann die Funktionsweise des Zeitmessers. Das Dirmsteiner Exemplar zeigt immer die Mitteleuropäische, das heißt, die Winterzeit an. Von 26. März bis 29. Oktober diesen Jahres muss man also von der Zeit, die der Schatten des Bügels auf den Markierungen der Kugel anzeigt, eine Stunde abziehen. Otto Frey gab anschließend eine Übersicht über die Entstehung des Parks, dessen historische Hintergründe aber nicht zu hundert Prozent bestätigt seien. So weiß man sicher, dass Camuzi im 19. Jahrhundert den Landschaftsarchitekten Johann Christian Metzger beauftragte, einen englischen Garten mit Grotte, See und Bachlauf anzulegen, wobei die Grotte die Vergänglichkeit und das Wasser die Heiterkeit symbolisierten. Bis zu diesem Zeitpunkt sei der Park erheblich kleiner gewesen. An der Stelle, an der heute die Sonnenuhr steht, gehörte der Park vermutlich noch zu einem Gebiet, in dem die Keramik herstellenden Hafner (Töpfer) wohnten. Über die Dirmsteiner Gloriette, als Pavillon eine weitere obligatorische „Zutat“ eines englischen Gartens, erzählte Frey, dass sie auf einem Gemälde aus dem Jahr 1862 abgebildet und ursprünglich aus Holz errichtet war. Erstaunt waren Heidelore und Lothar Geißler, die aus Ebertsheim zur Führung gekommen waren, über das Gestein an den Wänden der Grotte. „Jetzt mussten wir erst hierherkommen, um festzustellen, dass in Bockenheim solche Steine abgebaut wurden“, sagten sie angesichts des grün schimmernden Feldspats aus einem Steinbruch ihrer Heimat. Frey vermutet angesichts der noch sichtbaren Abzugsschächte, dass die Grotte auf dem Boden einer alten Brennhütte der Hafner errichtet wurde. Über den See wusste er zu berichten, dass die Sanierung im Jahr 2001 etwa 780.000 Euro gekostet hat. Das Wasser wird zur Quelle am anderen Ende des Parks zurückgepumpt und fließt über den Bachlauf zurück in den See. Die Pflege der Grünanlage übernehmen die Schlossparkfreunde, eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die 2010 für ihr Engagement den Bürgerpreis des Landkreises Bad Dürkheim erhielten. Mit einem Hinweis auf die exotischen Ginkgo- und Trompetenbäume schloss Frey den Rundgang und entließ die begeisterten Zuhörer zur Weinrast auf dem Schlossplatz des Sturmfederschen Schlosses.