Rhein-Pfalz Kreis „Der Natur eine Chance geben“

Placeholder-Image

Der Vorstoß des Bobenheim-Roxheimer Gemeinderats, einen Tretbootverleih am Altrhein einzurichten, schlägt weiter Wellen. Der Lambsheimer Ralf Kopecek stellte in einem Leserbrief die rhetorische Frage, wo man sich erholen solle, „wenn überall Einschränkungen erlassen werden“ (RHEINPFALZ-Ausgabe vom 9. August). Am Silbersee, antwortet Nabu-Mitglied Herrmann Deichfuß senior. Die Frankenthaler Grünen-Stadtratsfraktion verweist darauf, dass Schutzgebiete notwendig seien.

Die Grünen unterstützten die Naturschutzverbände in ihrer Ablehnung der geplanten Tretboote auf dem Altrhein, schreibt Rainer Schulze in seiner Stellungnahme. „Herr Kopecek bezieht sich auf unsere Bemühungen vor einigen Jahren, das Landschaftsschutzgebiet Kräppelweiher vor zu intensiver Nutzung zu schützen.“ Schutzgebiete hätten den Sinn, der Natur eine Chance zu geben, sich zu entwickeln. Diese Chance habe sie anderswo durch die Aktivitäten, auch die Freizeitaktivitäten der Menschen, weitgehend verloren, meint Schulze: „Der Altrhein ist durch nationales und europäisches Recht geschützt. Es besteht ein Verschlechterungsverbot. Durch unvernünftige (nicht alle!) Tretbootfahrer werden Arten, die im Schilf brüten, gestört. Leider denken bei weitem nicht alle so weit.“ Dass es bereits zahlreiche Freizeitmöglichkeiten gebe, betont Herrmann Deichfuß senior aus Frankenthal, der öffentlich auf Kopecek antwortet. „Bitte kommen Sie nach Bobenheim-Roxheim, denn hier kann man sich, wie in kaum einer anderen Gemeinde der Vorderpfalz, trefflich erholen. An einem schön angelegten Sandbadestrand können Sie wahlweise die Sonne oder den Schatten genießen. Sie dürfen in das saubere Wasser des Silbersees steigen, um einfach nur zu planschen oder um kilometerweit zu schwimmen.“ Mit Surfbrett, Gummiboot oder Kajak könne man den See befahren. Eine 5,5 Kilometer lange Laufstrecke werde von zahlreichen Joggern, Spaziergängern, Naturbeobachtern und Radfahrern genutzt, schreibt Deichfuß weiter. Von Familien mit Kindern werde der Spielplatz am Altrhein gut angenommen. Direkt am Altrhein befänden sich Fußball– und Tennisplätze. Der örtliche Verein für Naturschutz und Heimatpflege sei aus gutem Grund gegen das Tretbootfahren auf dem Altrhein, meint Deichfuß: „Viele Flächen in und um Bobenheim-Roxheim haben dessen engagierte Vereinsmitglieder mit ihrer Arbeit ökologisch aufgewertet. Dem kleinen Personenkreis, der den Nabu mit seinen 630.000 und den BUND mit 585.000 Mitgliedern vertritt, sowie einer Partei, die unserer Landesregierung angehört, zu unterstellen, gegen alle Freizeitaktivitäten zu sein, ist einfach absurd.“ So schlägt Manfred Becker, Vorsitzender des Frankenthaler Nabus, Beobachtungstürme und naturkundliche Exkursionen vor. „Ihr Ort ist mit einem wunderbaren Stück Natur gesegnet, für das Sie sich zu Recht glücklich schätzen dürfen“, schrieb er am 8. August an die Bobenheim-Roxheimer Gemeindeverwaltung und gab den Brief jetzt der RHEINPFALZ zur Kenntnis – unabhängig von Kopeceks Leserbrief. Der Nabu-Vorsitzende weist die Gemeinde darauf hin, dass die Freizeitnutzung nicht weiter ausgedehnt werden dürfe. Die Altrheinarme und der Silbersee seien als Vogelschutzgebiet unter anderem unter dem Schutzregime von Natura 2000. Geregelt werde das über den Bewirtschaftungsplan und der fordere, dass beruhigte und störungsarme Bereiche geschaffen werden müssten. Becker zitiert aus dem Plan: „Das Schutzgebiet unterliegt bereits aktuell enormen Belastungen durch die Naherholung. Jegliche zusätzliche Belastungen mit oft unabsehbaren Folgen würden zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustands der hier zu schützenden Arten führen.“

x