Rhein-Pfalz Kreis Der lange Weg zur Gemeinde

Wie kam das eigentlich mit Limburgerhof? Das erklärt Fritz Buch in einem Vortrag im Kultursaal.
Wie kam das eigentlich mit Limburgerhof? Das erklärt Fritz Buch in einem Vortrag im Kultursaal.

«Limburgerhof.» Ist Limburgerhof ein Gutshof? Oder eine Arbeitersiedlung? Oder gar eine Versuchsanstalt der BASF? In einem gut besuchten Vortrag im Kultursaal mit vielen historischen und neueren Bildern und einem anschließenden Rundgang, hat der passionierte Heimatforscher Fritz Buch die Geschichte seiner Gemeinde dargelegt. Veranstalter war der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur.

Dass Limburgerhof so schwer in einen Begriff zu fassen ist – ist das nun ein Dorf, eine Werkssiedlung der BASF oder was? – liegt in seiner Geschichte. Erst 1930 bekam die Siedlung den Status einer eigenen Gemeinde, entstanden auf Flächen der Gemeinden Mutterstadt, Neuhofen, Rheingönheim und Schifferstadt. Die Geschichte dieses Siedlungsplatzes jedoch reicht sehr viel weiter zurück. Der Sage nach hatte der Salierkaiser Konrad II an einem einzigen Tag im Jahr 1033 die Grundsteine des Doms zu Speyer und des Klosters Limburg gelegt. Als das Kloster 1035 fertig gebaut war, verlieh der Kaiser ihm das Dorf Schifferstadt und weite Teile seiner Gemarkung, darunter auch das Ackergelände, das später der Limburger Hof genannt wurde. Eine Siedlung gab es da noch lange nicht, erzählte Fritz Buch in seinem Vortrag. Er ist übrigens selbst Teil der Geschichte seines Heimatortes, nicht nur als ehemaliger Beigeordneter, sondern auch als Mitglied der Volleyballmannschaft von Limburgerhof, die völlig überraschend 1958 und 1959 Deutscher Meister wurde. Doch zurück ins nun 13. Jahrhundert. Damals wurde erstmals in der Nähe des Orts eine Mühle am Rehbach genannt. Pfalzgraf Johann Casimir kaufte Mitte des 16. Jahrhunderts das Gelände der Rehhütte, verlegte den Rehbach und erweiterte die Mühle. Im Dreißigjährigen Krieg wurde hier alles verwüstet, 60 Prozent der Bevölkerung verschwanden. Kurfürst Karl Ludwig begann Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Wiederaufbau. Er lud Mennoniten aus der Schweiz, die – bis heute – als gute Landwirte galten, als Pächter ein. Deren Nachkommen bewohnen immer noch den Kohlhof, der im 19. Jahrhundert zu Schifferstadt gehörte, aber 1930 der neuen Gemeinde Limburgerhof zugeschlagen wurde. Das Kloster Limburg war mittlerweile längst säkularisiert und verfiel. 1807 wurde das Gelände des Limburger Hofs versteigert und wechselte in der Folge mehrfach den Besitzer. Aufwärts ging es im 19. Jahrhundert mit dem Bau der Pfälzischen Eisenbahn – Paul Camille von Denis ist hier ein wichtiger Name – wobei die Mutterstadter ihren Bahnhof weit weg, auf dem Gelände Limburgerhof, bauten. Die Zuckerfabrik wurde begründet, weitere Fabriken siedelten sich an, am wichtigsten jedoch war die Fabrikation von Stickstoffdünger durch die BASF. Der Chemiker Heinrich von Brunck aus der Pfalz wurde einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Firma. 1901 wurde er Vorstandsvorsitzender. Er gilt als Begründer der betrieblichen Sozialfürsorge und ließ nicht nur in Ludwigshafen, sondern auch in Limburgerhof die Klinkerhäuser für Arbeiter erbauen – die „Alte Kolonie“ , und später auch die „Neue Kolonie“. Eine solche Siedlung brauchte eine Schule, die die BASF baute. Und auch eine Kirche, die Kapelle im Park – auch sie wurde von der BASF gebaut. Zwei Kirchen für die beiden Kolonien waren der Anilin aber zu teuer, so wurden zwei verschiedene Altäre gesetzt, und einfach ein Vorhang durchs Gebäude gezogen, der die Konfessionen trennte. Erst später gab es selbstständige Gemeinden und eigene Kirchen, die katholische wurde 1936 gebaut und die evangelische 1955 bis 1957.

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