Rhein-Pfalz Kreis Der Landrat bringt Birnen
Limburgerhof. Ganz neu, aber schon berühmt: Die Container-Anlage im Limburgerhofer Burgweg ist nach dem Brandanschlag am 6. Mai die wohl bekannteste Flüchtlingsunterkunft im Rhein-Pfalz-Kreis. Inzwischen ist das Heim für 18 Flüchtlinge eingerichtet. Seit dieser Woche leben die ersten Asylbewerber darin. Landrat Clemens Körner (CDU) hat sie gestern persönlich begrüßt – mit Äpfeln und Birnen.
Der Landrat des Gemüsekreises kommt mit Obst und mit ihm drängen sich Journalisten, Kameraleute und Politiker in die Wohnanlage. Sechs Flüchtlinge aus Eritrea machen Platz, verziehen sich nach draußen an den Gartentisch. Um sie herum steht ein Bauzaun, ein bisschen sieht es aus, als säßen sie im Käfig. Drinnen: Interview in der Küche mit Clemens Körner. Interview im Waschraum mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Martin Haller (SPD). Interview im Wohnzimmer mit Bürgermeister Peter Kern (SPD). Kameraschwenk in ein noch unbewohntes Zweibettzimmer. „Ein Stehklo haben wir auch“, bietet Rosemarie Patzelt (FWG) an. Die Erste Beigeordnete der Gemeinde Limburgerhof hat sich ehrenamtlich mit Freiwilligen des Arbeitskreises Asyl um die Inneneinrichtung der Container gekümmert. „Jemand von der Firma, die hier gebaut hat, hat mir verraten, dass viele Menschen unsere Art von Toiletten nicht kennen und sich deshalb auf den Rand stellen. Das kann nicht funktionieren ...“ Patzelt ist praktisch. Und deshalb gibt es nun eine französische Toilette. Und Haushaltsunterricht für die sechs Nordafrikaner. „Gestern haben wir Wäschewaschen, Kochen und Putzen geübt. Das klappt“, sagt die resolute Politikerin. Patzelt ist froh, dass die Unterkunft nun bewohnbar ist. Der Brand auf dem Dach hatte die Container ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Ein Rückschlag für das gesamte Projekt. Ein bisschen erinnert Patzelt der Rummel heute an besagten Maitag. Damals waren es ein paar mehr Kameras und ein paar mehr Politiker, die ihre Betroffenheit kundtaten. Und Hilfe versprachen. Patzelt hatte sich einen Sicherheitsdienst für das Objekt gewünscht. Das Land sieht inzwischen allerdings keine „erhöhte Gefährdungslage“ mehr und so muss reichen, dass die Polizei regelmäßig vorbeifährt. Äpfel und Birnen – nicht das Hilfspaket, das sich Patzelt gewünscht hatte. Den jungen Männern aber schmeckt’s. Sie wissen nicht, dass ihre neue Behausung vor drei Monaten gebrannt hat, ein fremdenfeindlicher Hintergrund vermutet wird. Sie sind erst mal froh, angekommen zu sein. Heribert Werner, Leiter des Fachbereichs Soziales und zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge im Kreis, nimmt sich abseits der Interviews und Aufnahmen Zeit, den Afrikanern „Hallo“ zu sagen und ihnen zu erklären, was hier eigentlich los ist. Einer der Männer kann ein bisschen Englisch. Er versucht, für die Gruppe zu übersetzen. Die sechs erzählen, dass sie sich von unterschiedlichen Dörfern aus nach Libyen durchgeschlagen haben und dort ihr Leben einem Plastikboot anvertrauten. Über Italien sind sie nach Deutschland gekommen. Eltern, Geschwister, Frauen und Kinder sind noch zu Hause. „Das Problem, was wir mit diesen jungen Männern haben: Sie kommen alle aus einem familiären Umfeld, waren nie auf sich alleine gestellt. Für sie bräuchten wir am dringendsten Paten, finden aber kaum welche. Die meisten möchten sich um Familien mit Kindern kümmern“, sagt Werner. Hilfe gibt es vom Sozialarbeiter der Gemeinde. Auch der Kreis hat eine eigene Ansprechpartnerin für Asylsuchende. Noch haut alles einigermaßen hin – ehrenamtliche Hilfe, professionelle Angebote, Unterbringungsmöglichkeiten. Doch im Burgweg wird nicht nur zurückgeblickt und der Brandanschlag verurteilt, sondern auch ein Blick in die Zukunft geworfen. „Wir haben Anfang des Jahres mit 700 Neuankömmlingen kalkuliert, dann waren es 1000, heute müssen wir mit 1700 Menschen rechnen. Mit Anmietung kommen wir nicht weiter“, sagt Haller. Körner erklärt, dass der Kreis bauen wird, um Wohnraum zu schaffen. „Nicht nur in Modulbauweise, wir müssen auch nachhaltig denken.“ In Limburgerhof stehen nun aber Container – zwar ohne Giebeldach, wie Anwohner monierten. Dafür hochwertig, wie Bürgermeister Kern betont. Rosemarie Patzelt macht aus dem, was sie hat, ein „Schöner-Wohnen-Projekt“. Bald wird der Außenbereich bepflanzt – die katholische Jugend hilft. Der Bauzaun kommt auch weg. Wie im Zoo soll sich hier niemand vorkommen.