Rhein-Pfalz Kreis Der Heilige hat die Biege gemacht

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Mutterstadt. Schön schlicht ist das Wappen der Gemeinde Mutterstadt: ein silberner Schlüssel auf blauem Grund. Unter anderem liegt das daran, dass die Mutterstadter Siegel vorübergehend in Vergessenheit geraten waren. Anderenfalls wäre heute wohl der heilige Petrus das Erkennungszeichen des Orts.

Glaubt man dem „Großen Wappenbuch der Pfalz“ von Karl Heinz Debus, ist Petrus schon früh der Kirchenpatron von Mutterstadt gewesen. Bereits auf einem nicht mehr erhaltenen Siegel des Orts aus dem Jahr 1235 sei der Heilige abgebildet gewesen, schreibt der Heraldiker. Danach habe es verschiedene Varianten dieses Siegels gegeben: Mal hielt Petrus einen Schlüssel und ein Buch (1458), mal ein Buch und einen Sack (1712), der von manchen als Fischernetz, von anderen als Almosenbeutel oder Beutelbuch gedeutet wurde. So mancher neigt hier eher in Richtung Almosenbeutel, denn dieses Attribut, würde gut zu einem gewissen Medarus passen, der ebenfalls im engeren Zusammenhang mit der Gemeinde Mutterstadt steht. Auch Medardus ist ein Heiliger. Anders als der Himmelspförtner Petrus ist er aber vor allem für seine Mildtätigkeit bekannt und gilt außerdem als Patron der Schirmmacher. Medardus wurde im fünften Jahrhundert nach Christus in Frankreich geboren, hat unter anderem in Flandern missioniert, und es geht die Mär, dass einst ein Adler vom Himmel stieg, um ihn vor einem Unwetter mit heftigem Regen zu schützen. Deshalb ist er in manchen Ländern auch als Wetterheiliger bekannt und wurde in dieser Funktion früher von Bauern angerufen. Für das Mutterstadter Siegel von 1712 dürfte aber wichtiger gewesen sein, dass eben jener Medardus der Schutzheilige der katholischen Kirche in der Gemeinde ist. Im heutigen Wappen findet dieser Umstand leider keinen Niederschlag, denn statt eines Beutels zeigt es nun mal einen Schlüssel. Der Grund dafür? Als die Gemeinde Mitte des 19. Jahrhunderts aufgefordert wurde, einen Vorschlag für ein Wappen einzureichen, erinnerte sich offenbar niemand so recht an die alten Siegel, und es wurde stattdessen einfach auf die Schilde am Gemeindehaus verwiesen. Die zeigten einen Löwen und einen Schlüssel. Der Reichsherold entschied sich schließlich für den Schlüssel. Ganz ohne den hilfreichen Verweis auf dessen ursprünglichen Träger, den nimmermüden Petrus, der von jeher als Wächter an der Pforte zum Himmelreich gilt. Das Wappen wurde 1845 genehmigt, und bleibt den Mutterstadtern wohl erhalten. |yns

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