Rhein-Pfalz Kreis
Der Hammer tanzt: Der Schifferstadter Erich Armbrüster erklärt die Schmiede-Kunst
„Ding-ding-ding“ klingt es, wenn Erich Armbrüster mit dem Hammer auf den Amboss schlägt. Aber warum schlägt er mal auf das glühende Werkstück, mal daneben? Wie heiß wird ein Schmiedefeuer? Und kann man Stahl verbrennen? Das alles erklärte der Meisterschmied bei seiner Vorführung im Adlerhof.
Michael Brüntrop hat die fahrbare Esse mitgebracht. Das ist eine Feuerstelle auf einem Tisch, unter dem ein Gebläse das Kohlefeuer anfacht und somit besonders heiß macht. In die Glut hat Erich Armbrüster einen Rohling aus Stahl gelegt. Das ist ein Rundstahl mit acht Millimetern Durchmesser und 700 Millimetern Länge. Anlässlich des Jubiläums will er, wie beim ersten Mal, einen Schürhaken daraus schmieden.
Der Stahl wird im Feuer glühend heiß und leuchtet erst rot, dann weiß. „Jetzt hat er eine Temperatur von 1400 bis 1500 Grad“, erklärt der Schmied und legt das Stück auf den Amboss. Mit dem 1,5 Kilo schweren Hammer formt er eine Spitze. Dabei haut er aber nicht nur auf das Werkstück, sondern auch daneben. „Ich lasse den Hammer tanzen und nutze damit die Federkraft, mit der er wieder hochspringt“, erklärt er. Das spare Kraft und schone das Handgelenk.
Der 77-Jährige was Ausbilder bei der BASF
Vor 20 Jahren hat der Verein für Heimatpflege zum ersten Mal Erich Armbrüster für eine praktische Vorführung des Schmiedens eingeladen, erklärte der Vorsitzende Werner Krämer. Seither habe man jedes Jahr eine Vorführung gemacht und auch zusammen mit der Volkshochschule einen Schmiedekurs angeboten. Das Interesse sei groß, sagte Krämer, als er sich bei Armbrüster für dessen Engagement bedankte.
Dass Armbrüster ein erfahrener Könner ist, sieht man an der Leichtigkeit mit der er in einem Zug eine Öse formt. Und die ist perfekt rund und symmetrisch. Der 77-Jährige war Ausbilder in den BASF-Werkstätten und beherrscht das Schmieden und Schweißen von Metall meisterhaft. Nach der Öse bekommt das andere Ende noch eine Hakenform und der Schaft des Hakens wird mit einem Wendel verziert.
Die Funken erinnern an eine Wunderkerze
Wie es aussieht, wenn Stahl zu heiß wird, zeigt Armbrüster auch. Da nämlich entweicht der im Stahl enthaltene Kohlenstoff und es sprühen Funken, was an eine Wunderkerze erinnert. Allerdings sei der Stahl dann auch ruiniert, weil er porös und brüchig werde, erklärt er.
Armbrüster, der Ehrenmitglied des Vereins für Heimatpflege ist, freut sich über das Interesse und will weiter Vorführungen machen. Dabei will er jedes Mal neue Aspekte der Schmiedekunst zeigen. Ursprünglich war diese Veranstaltung schon vor drei Wochen angesetzt, wurde aber wegen strömenden Regens an jenem Sonntag verlegt.