Rhein-Pfalz Kreis Der frühe Vogel ...

Amseln, die in der Vorderpfalz überwintern, fangen recht früh an zu singen. Sie verteidigen ihr Revier.
Amseln, die in der Vorderpfalz überwintern, fangen recht früh an zu singen. Sie verteidigen ihr Revier.

Draußen im Garten pfeift’s. Eindeutig ist Vogelgezwitscher zu hören. Bei wem werden denn da Frühlingsgefühle wach? „Bei den Amseln, sie singen, wenn sie beginnen, ihre Reviere zu besetzen“, sagt Vogelexperte Thomas Dolich aus Neuhofen. „Es sind Vögel, die jetzt umtriebig werden, die hier überwintert haben.“ Dabei spiele für das Erwachen der Frühlingsgefühle eher das Licht eine Rolle als die Temperaturen. Im März war es morgens zeitweise sehr kalt, aber da pfeift die Amsel drauf. Die Meise und der Hausrotschwanz ebenso. Wer sich wie Thomas Dolich mit Vogelstimmen auskennt, hört die einzelnen Vogelarten heraus. „Es sind übrigens die Männchen, die die Stimme erheben, um ihr Revier zu verteidigen. Sie stellen sich meist früher als die Weibchen an den Brutplätzen ein.“ Testosteron lässt die Vogelmänner so herumprotzen. Sobald es länger hell ist, wird das Sexualhormon verstärkt ausgeschüttet. Dass die Amsel beim Morgengezwitscher wieder deutlich zu hören ist, freut Dolich. Der durch Stechmücken übertragene Usutu-Virus habe der Vogelart in den vergangenen Jahren zu schaffen gemacht. Viele Vögel verendeten. „Nun scheint die Amsel sich wieder zu erholen.“ Viele Amseln überwintern bei uns, aber nicht alle. Manche fliegen dem Neuhofener Vogelexperten zufolge auch vom Rhein-Pfalz-Kreis aus bis zum Mittelmeer. Dafür kommen andere Populationen vom Norden und Osten Europas im Winter zu uns. Kohlmeisen und Haussperling etwa gelten als Standvögel. Das heißt: Sie überwintern hier. Doch immer häufiger in Gesellschaft von Vögeln, die normalerweise zumindest als Kurzstreckenzieher gelten: Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp oder Star zum Beispiel. Da verschiebt sich also gerade etwas in der Vogelwelt. „Ein Effekt des Klimawandels“, sagt Dolich. „Die Vögel probieren aus, ob sie es hier aushalten – und wenn es klappt, ist es gut.“ Der frühe Vogel fängt den Wurm, heißt ein Spruch, aber er besetzt auch den besten Nistplatz. Wenn da etwa der Weltenbummler Trauerschnäpper aus seinen Winterquartieren südlich der Sahara kommt und trällert „Ich bin wieder hier in meinem Revier“, dann sind die besten Brutplätze bereits weg. „Aber der Zugtrieb dieses Vogels ist so groß ... Er zieht im Herbst los, wenn die Tage kürzer werden, und zwar weit weg.“ Der Trauerschnäpper gilt deshalb als Klimaverlierer – wie die meisten Langstreckenzieher. Flexibler zeigen sich, was das Reisen anbelangt, die Kurz- und Mittelstreckenzieher. Der Klimawandel führt aber auch ganz neue Gesichter zu uns: „Den Bienenfresser zum Beispiel“, sagt Dolich. „Dieser Vogel lebte bislang im Mittelmeerraum, fühlt sich nun aber auch in unseren Breitengraden wohl. Er wird nicht bis in Deutschlands Norden fliegen, aber das angenehme Klima in der Pfalz gefällt ihm.“ Wenn es im März und April noch winterlich ist, zeigt sich Vogelforschern zufolge an den Grenzen Deutschlands das Phänomen des Wetterpendelns: Vögel, die von Afrika und Südeuropa zurück nach Norden streben, könnten dann von einer oder mehreren Kältegrenzen gestoppt werden und noch einige Male vor- und zurückpendeln, bis wärmere Temperaturen den Verbleib im Brutgebiet erlauben. Der Mensch merkt davon fast nichts. „Es vollzieht sich zum großen Teil nachts und in großen Höhen“, sagt Dolich.

Schwalben gehören noch zu den Langstreckenziehern.
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Jetzt auch bei uns zu sehen: der Bienenfresser.
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Der Trauerschnäpper gilt als Klimaverlierer.
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Nicht alle Störche fliegen noch nach Afrika.
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