Rhein-Pfalz Kreis Der frühe Abschied vom eigenen Kind
Wachenheim. Seinen Lebensunterhalt verdient der Wachenheimer Markus Husner als Hochzeitsfotograf. Ehrenamtlich ist er mit seiner Kamera bei den wohl schwierigsten Momenten dabei, die ein Paar auszuhalten hat. Für die Organisation „Dein Sternenkind“ fotografiert Husner Kinder, die vor, während oder unmittelbar nach der Geburt gestorben sind.
Ist das Angebot von „Dein Sternenkind“ den Eltern oder der jeweiligen Klinik bekannt, können sie einen Fotografen der Organisation anfordern. Eine App benachrichtigt dann die im Umkreis von rund 100 Kilometern registrierten Fotografen, die ihrerseits melden, wann sie verfügbar sind. Die Eltern, und nur die, erhalten die Bilder später in digitaler Form. Und das kostenlos – die Fotografen verstehen es als ein „humanitäres Geschenk“. Vor nicht einmal einem Vierteljahr waren Husner und seine Frau in der Situation dieser Eltern. Sie verloren ihr Kind in der zweiten Schwangerschaftshälfte. Damals kannte er „Dein Sternenkind“ noch nicht. „Ich habe selbst sehr viele Aufnahmen von unserer Tochter gemacht und gemerkt, wie gut mir die Bilder tun. Sie hängen bei uns an der Wand, und jeden Morgen freue ich mich, wenn ich sie sehe“, erzählt Husner. Als er ein paar Wochen später von der Organisation „Dein Sternenkind“ erfuhr, war ihm klar, dass er sich engagieren möchte. Seitdem ist er einer von bundesweit über 600 Fotografen, die „Sternenkinder“ ablichten. Weil nicht alle Krankenhäuser die Organisation kennen, klappert Husner die Einrichtungen im Umkreis von 100 Kilometern ab und stellt sich und das, was er macht, vor. „Die Mehrzahl ist sehr aufgeschlossen“, berichtet er. „Es gibt immer wieder Leute, die fragen, warum wir tote Kinder fotografieren. Aber man fotografiert keine toten Kinder, man fotografiert den Wunsch nach Leben“, sagt er. Das Fotografieren von still geborenen Babys ist kein normaler Termin. „Man erlebt die Menschen in ganz intimen Momenten“, erzählt Husner. „Ich erzähle ihnen, dass ich dasselbe Schicksal durchgemacht habe. Das nimmt Spannung weg.“ Eine gute Viertelstunde nimmt sich Husner, um würdevolle Erinnerungen zu schaffen. Länger möchte er nicht bleiben, die Zeit für den Abschied ist kurz. Ohne Frage sind Bilder von toten Babys ganz schwere Kost. Doch auf Husners Bildern findet man den von ihm beschriebenen Wunsch nach Leben. Mal zeigen die überwiegend schwarz-weißen Aufnahmen nur einen Finger oder ein Füßchen, mal das Gesicht. „Es ist immer etwas Schönes an einem Kind“, findet Husner. Solche Begegnungen bleiben nicht in den Kleidern hängen. „Man geht anders raus, als man rein geht. Aber wenn die Tür zugeht, muss es vergessen sein.“ Husners Motivation ist dabei klar. „Ich weiß, dass ich Menschen etwas Gutes tue. Das Wichtigste für die Eltern sind die Bilder“, sagt er. „Manche sagen im ersten Moment, wir wollen es nicht sehen. Dann bekommen sie die Bilder und schauen sie sich in fünf oder zehn Jahren an. Und vielleicht ist es die einzige Erinnerung, die sie an ihr Kind haben.“ (Foto: Franck) Info „Dein Sternenkind“ bietet kostenlose Fotoaufnahmen an, die die Trauerbewältigung betroffener Eltern unterstützen sollen. Infos unter www.dein-sternenkind.eu .