RÖMERBERG / SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Deponie Flotzgrün: Neue Messstellen für Grundwasser

Giftiges Erbe unter der Idylle: die älteren Deponie-Abschnitte. Im Hintergrund ist rechts das nahe Speyer zu sehen.
Giftiges Erbe unter der Idylle: die älteren Deponie-Abschnitte. Im Hintergrund ist rechts das nahe Speyer zu sehen.

Die 23 neuen Messstellen zur Überwachung des Grundwassers im Umfeld der Halbinsel Flotzgrün sind zum großen Teil fertiggestellt. Einen neuer Abschnitt auf der Deponie könnte derweil bald mit Müll der BASF befüllt werden.

Die BASF habe wie geplant Ende August 2020 mit dem Bau der Messstellen, die sowohl auf dem Deponiegelände selbst als auch jenseits des Altrheins in nördlicher Richtung entstehen sollten, begonnen, teilt Unternehmenssprecherin Ursula von Stetten mit. Eine Erweiterung des Messstellen-Netzes hatten Gutachter empfohlen, die zwischen 2015 und 2018 die Grundwassersituation rund um die Deponie untersucht hatten. Allerdings geriet der Bau Anfang 2021 ins Stocken: „Aufgrund des Rheinhochwassers im Januar und Februar 2021 waren die geplanten Bohrstellen im Auwald über mehrere Wochen nicht zugänglich. In der Folge konnten nur 19 der vorgesehenen 23 Grundwasser-Messstellen fertiggestellt werden, da die Bauzeit im Auwald aus Vogelschutzgründen auf Ende Februar begrenzt war“, sagt von Stetten. In Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) seien die Bauarbeiten Anfang März unterbrochen worden. Die fehlenden vier der 23 Messstellen mit einer Tiefe von 15 bis 90 Metern sollen dann in einem nächsten Bauabschnitt nach der Brutzeit ab Oktober 2021 gebaut werden.

„Keine Gefährdungslage“

Die Messstellen sind nötig, weil festgestellt wurde, dass das Grundwasser in der Nähe der Deponie mit Schadstoffen belastet ist. Grund dafür dürften die älteren Abschnitte der seit 1966 von der BASF betriebenen Deponie sein. Was dort lagert, weiß das Unternehmen selbst nicht genau. Anders als heute wurde in den frühen Jahren der Deponie-Nutzung das Erdreich unterhalb des Industriemülls nur unzureichend geschützt.

Zusammen mit den aktuell neu eingerichteten Messstellen gibt es laut BASF derzeit rund 115 Messstellen, mit denen die Grundwassersituation um die Insel Flotzgrün überwacht wird. „Die aus der letzten Messkampagne im Herbst 2020 vorliegenden Analysenergebnisse bestätigen die bisherige gutachterliche Bewertung der Grundwassersituation im Abstrom der Deponie“, berichtet von Stetten. „Es ist weiterhin keine Gefährdungslage für die abstromig gelegene Wassergewinnung Speyer Süd zu erkennen.“

Wie in früheren Untersuchungen festgestellt wurde, bewegt sich das schadstoffbelastete Grundwasser in Richtung der Brunnen des Speyerer Wasserwerks in rund 1,5 Kilometern Entfernung – allerdings laut BASF so langsam, dass auch in den kommenden Jahrzehnten keine Gefahr für die Trinkwasserversorgung bestehe. Ein großer Teil der Schadstoffe wird außerdem über sogenannte Sanierungsbrunnen abgepumpt. Die neuen Messstellen wurden Ende April im Rahmen der routinemäßigen Frühjahrsbeprobung der fortlaufenden Grundwasserüberwachung im Bereich Flotzgrün erstmals getestet. „Analysenergebnisse liegen noch keine vor“, so die Firmensprecherin.

Achter Deponieabschnitt

Auf der Deponie selbst ist mittlerweile der achte Abschnitt bautechnisch fertiggestellt. Die Fachbüros und der Fremdüberwacher stellen laut BASF derzeit die notwendigen Unterlagen für die abfallrechtliche Abnahme durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion zusammen. Wie das Unternehmen im Zuge der Bauarbeiten informierte, soll dort hauptsächlich nicht verwertbarer Bodenaushub und Bauschutt abgelagert werden. Rund 50 Millionen Euro wollte die BASF in den neuen Abschnitt investieren. Ton und mehrere Millimeter dicke Kunststoffbahnen sollen das Erdreich gegen den Abfall abdichten. Außerdem kommt moderne Technik zum Einsatz, um zu verhindern, dass es mit dem neuen Abschnitt in Zukunft ähnliche Probleme geben könnte wie mit den alten Deponieteilen: Undichte Stellen sollen mit Sensoren direkt aufgespürt werden können. Am Boden von Abschnitt acht wurden außerdem Drainage-Rohre verbaut, die das Wasser, das durch den Müll sickert, aufnehmen sollen, bevor es in den Boden gelangen kann.

Soll zum Erdreich dicht sein: Deponie-Abschnitt acht.
Soll zum Erdreich dicht sein: Deponie-Abschnitt acht.
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