Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Denise Goßlau kümmert sich um die Integrationsarbeit

In Heidelberg hat Denise Goßlau Medizin studiert. Anschließend wollte sie eine Klinik in Kamerun eröffnen. Doch es kam anders.
In Heidelberg hat Denise Goßlau Medizin studiert. Anschließend wollte sie eine Klinik in Kamerun eröffnen. Doch es kam anders.

Wie komme ich zurecht in einer neuen Kultur? Diese Frage beantwortet Denise Goßlau Migranten im Rahmen ihrer Integrationsarbeit. In Bobenheim-Roxheim und auf Rhein-Pfalz-Kreis-Ebene will die 47-Jährige mit Vorurteilen aufräumen und Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenführen.

1973 wird Denise Goßlau in Kameruns Hauptstadt Jaunde in eine Familie der oberen Mittelklasse geboren. Nach dem Abitur reist sie 1992 mit einem Stipendium nach Deutschland, um in Heidelberg Medizin zu studieren. „Buchdeutsch“, wie sie es nennt, lernt sie in einem siebenmonatigen Sprachkurs vor Studienbeginn.

Ursprünglich war geplant, nach dem Abschluss des Medizinstudiums in Kamerun eine Klinik zu eröffnen. Als ihre Mutter stirbt, zerplatzt der Traum. Nach zehn Semestern bricht sie das Studium ab und versucht sich noch ein Semester im Fach Mechatronik, bevor sie schließlich ihre Leidenschaft für die Sozialarbeit entdeckt. In Ludwigshafen findet sie den passenden Studiengang.

In die Pfälzer Art verliebt

Nach Bobenheim-Roxheim, wo Denise Goßlau noch heute mit ihren beiden Söhnen lebt, sei sie durch Heirat gekommen. „Ich habe mich in die warmherzige raue Art der Menschen in Bobenheim-Roxheim verliebt“, erzählt sie. „Es ist meine Heimat geworden, und das Gefühl will ich jedem vermitteln.“ Trotzdem hat Kamerun einen hohen Stellenwert für sie. „Ich fliege zwar nicht oft hin, aber im Herzen bin ich immer noch Kamerunerin“, sagt sie.

Heute arbeitet Denise Goßlau als Selbstständige mit zwei Kollegen als sozialpädagogische Familienhelferin mit dem Schwerpunkt interkulturelle soziale Arbeit mit Migration. Im Kreis und der Gemeinde Bobenheim-Roxheim wirkt sie im jeweiligen Beirat für Integration und Migration mit. Goßlau sieht ihre Arbeit als Anlaufstelle und Vermittlung zwischen den Kulturen. Mit Projekten wie dem Malwettbewerb „Macht Bobenheim-Roxheim bunt“ will der Beirat Ängste nehmen und integrativ wirken.

„Ich liebe es schon immer, unter Menschen zu sein und neue Kulturen kennenzulernen“, sagt sie. Die zweifache Mutter hat selbst erfahren, wie es ist, in ein fremdes Land mit einer anderen Sprache zu kommen. Sie kann sich in die Migranten hineinversetzen. Sie selbst habe erst spät Anschluss gefunden, nämlich in der Zeit, als ihre Söhne im Kindergarten waren. „Wenn ich in meiner Community geblieben wäre, hätte ich nichts vom Land kennengelernt.“ Damit meint sie, dass viele Migranten vor allem am Anfang dazu tendieren, in ihrem gewohnten Umfeld mit Menschen der gleichen Sprache und Kultur zu bleiben. Das mache eine Integration umso schwerer.

„Gemeinsam sind wir stark“

Deshalb möchte sie Einwanderer ermuntern, einen Schritt auf die Einheimischen zuzugehen. Aber auch Einheimische sollten Neugier zeigen und keine vorgefertigte Meinung haben, findet die 47-Jährige. „Verständnis von beiden Seiten ist wichtig. Jeder hat auf seiner Ebene etwas beizutragen, denn nur gemeinsam sind wir stark.“ Der Migrationsbeirat wolle den Menschen eine Plattform geben, „damit jeder sagen kann, was er auf dem Herzen hat“. Dazu sei es wichtig, auf die Integration und Schulbildung der Kinder zu achten. „Sie sollen die Angst verlieren, dass Unterschiede gefährlich sein können.“

Allerdings findet sie es fragwürdig, dass eingewanderte Kinder entsprechend ihrem Alter eingeschult werden, obwohl sie wegen der Sprachhürde oder wenigen Schuljahren in ihrem Heimatland dazu oft nicht in der Lage seien. Sie sagt aber auch: „Sprachkurse sind keine Garantie für den Integrationserfolg.“ Es müssten noch andere Faktoren berücksichtigt werden. Mit Rassismus und Fremdenhass hat sie selbst bisher nur wenige Erfahrungen gemacht. Trotzdem sei ihr klar, dass manches Verhalten mit ihrer Hautfarbe zu tun habe. „Es ist wichtig, dass die Menschen sich trauen zu reden“, sagt sie mit Blick auf die Black-Lives-Matter-Bewegung, bei der Menschen auf der ganzen Welt gegen Rassismus und für Gleichberechtigung kämpfen. Von ihrer Nichte hat Denise Goßlau einen inspirierenden Leitspruch übernommen: „Diversity is my Religion“. Vielfalt ist meine Religion.

Stichwort: Migrationsbeirat im Kreis

Zum Vorsitzenden des Migrationsbeirats im Rhein-Pfalz-Kreis ist Ishan Altindasoglu aus Hochdorf-Assenheim gewählt worden. Seine Stellvertreter sind Maurice Nickeleit-Bassing, Denise Goßlau und Abdülkerim Kurt. Die weiteren Mitglieder sind Mohanad Alawad, Marco Bussi, Maria Ines Campillo Lundbeck, Karl Fischer, Gülsen Kitzel, Luciano Lisanti, Salim Sentürk und Gökhan Yamac. Sie sollen Themen bearbeiten, die im Landkreis lebende Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen. Geplant sind laut Kreisverwaltung gemeinsame Feste, Infoveranstaltungen und Netzwerkarbeit. Dem Gremium gehören ebenfalls Landrat Clemens Körner (CDU) sowie die Kreisbeigeordneten Bianca Staßen (SPD), Volker Knörr (CDU) und Manfred Gräf (CDU) an.

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