Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Dekodesignerin startet Kampagne für soziales Miteinander

 Claudia Bias vor der von ihr geschaffenen Figur Toto. Der Boxer kommt auch auf den „Respect“-Kleidungsstücken zur Geltung.
Claudia Bias vor der von ihr geschaffenen Figur Toto. Der Boxer kommt auch auf den »Respect«-Kleidungsstücken zur Geltung.

Bekannte und unbekannte Menschen sind Botschafter einer Kampagne, die unter dem Titel „Respect“ mittels Kleidung für Toleranz gegenüber Minderheiten wirbt. Initiatorin ist die Designerin Claudia Bias aus Bobenheim-Roxheim.

Kämpferisch reckt Pia Wichmann dem Beobachter die ausgestreckte Hand entgegen. „Respect … weil mein Leben wertvoll ist“, steht auf dem Plakat der Schülerin mit Down-Syndrom aus dem Kraichgau bei Heidelberg. Der schwule Mannheimer Friseurmeister Florian Kropp trägt das Federkostüm einer Dragqueen und fordert Respekt, „weil Klischees uns unsere Offenheit rauben“. „Weil man mit dem Herzen keine Hautfarbe sieht“, titelt der aus der Demokratischen Republik Kongo stammende und in Stuttgart lebende Autor Kerfala Vidala mit Blick in den Himmel.

Für die Akteure, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, ist die soziale Kampagne eine Premiere dafür, Gesicht zu zeigen. Tina Möller zum Beispiel ist eine Standesbeamtin aus der knapp 6000 Einwohner zählenden hessischen Gemeinde Limeshain. Die 30-Jährige, die mit einem offenen Rücken zur Welt kam und deshalb ein schweres Handicap hat, hat sich noch nie öffentlich gezeigt. Telefonisch erzählt sie der RHEINPFALZ, wie sie zur Respect-Kampagne gestoßen ist: „Über eine Model-Agentur, bei der ich gelistet bin, hat mich Frau Bias gefunden. Als sie mich gefragt hat, ob ich mitmache, habe ich sofort Ja gesagt.“

Möller berichtet, sie sei als Heranwachsende oft gehänselt worden. Der jungen Frau ist die Kampagne ein Herzensanliegen: „Egal, was für ein Handicap wir haben und wie wir aussehen – wir sind alle Menschen.“ Das komme in der Pandemie, in der man eigentlich zusammenhalten müsse, zu kurz. Möllers Botschaft auf ihrem Plakat: „Respect … weil der Rollstuhl nur eine andere Art der Fortbewegung ist.“

Seit 25 Jahren im Geschäft

Eben diese Beweggründe motivierten Bias im vergangenen Corona-Sommer, die erste soziale Initiative dieser Art in ihrer mittlerweile 25-jährigen Karriere zu organisieren. „Gerade in der heutigen Zeit ist respektvoller Umgang und soziales Miteinander wichtiger denn je. Die Pandemie greift durch Angst um die eigene Existenz, Isolation und familiären Sorgen die Psyche der Menschen an“, findet Bias.

Zwar führt sie ihre Agentur Creation Dekodesign als Ein-Frau-Unternehmen, doch für „Respect“ suchte sich die 49-Jährige, die in Kassel und Fulda Design, Textiltechnik und Bekleidung studiert hatte, Verstärkung. In ihrem vierköpfigen Team ist unter anderem der Pop-Sänger Jimmie Wilson, der für die Kampagne den eingängigen Titelsong beisteuerte. „Alles, was ich brauche, ist ein bisschen Respekt, wenn ich zu Hause ankomme“, singt er.

Die Suche nach ehrenamtlichen Botschaftern sei durch die Beschränkungen der Pandemie schwierig gewesen, berichtet Bias. Sie ließ ihre privaten Kontakte spielen, die meisten Treffer kamen durch soziale Netzwerke zustande. Gern hätte Bias einen Senioren oder eine Seniorin unter den Models gehabt. Doch die Altenheime waren weitgehend verschlossen, und ältere Menschen reduzierten wegen der Ansteckungsgefahr ihre Kontakte. Bias fand einen anderen Dreh: Ihr Sohn Paolo wurde Botschafter und kam mit dem Spruch „Respect, weil Senioren das, was wir noch lernen müssen, schon wissen“ aufs Plakat.

Boxer Toto fordert Achtung

Alle Botschafter tragen ein schwarzes T-Shirt mit dem stilisierten Bild eines Boxerhunds. „Er heißt Toto“, sagt Bias und erzählt, dass es sich dabei um eine Figur aus Fiberglas handelt, die sie vor rund zehn Jahren geschaffen habe. „Der Boxer fordert Achtung und Respekt ein, ohne aggressiv zu wirken.“ Bias hat eine zwölfteilige Kollektion mit Oberbekleidung entworfen, die das Logo und den Titel der Initiative trägt und über einen eigenen Online-Shop vertrieben wird. „Dadurch soll die Botschaft der Kampagne zu einer tragbaren Lebenseinstellung werden“, so Bias. Ihr zufolge wird die Aktion mit dem Erlös finanziert, und zehn Prozent des Gewinns sollen der Deutschen Kinderschutzstiftung „Hänsel und Gretel“ zugute kommen.

Eigentlich sollte die Kampagne im vergangenen Sommer mit einer Gala in Mannheim beginnen. Ebenso wie die im November geplante Pressekonferenz in Frankfurt fiel sie wegen Corona aus. Dafür ging „Respect“ Anfang Februar in den 16 lokalen Radiosendern der Radio Group GmbH mit Sitz in Kaiserslautern auf Sendung und ist in sozialen Netzwerken zu finden. Demnächst möchte Bias Videoclips mit Lebensgeschichten der Botschafter ins Netz stellen.

Bias, die seit 20 Jahren in Bobenheim-Roxheim lebt und arbeitet, beschäftigt sich aktuell mit neuen Objekten aus ihrem bevorzugten Material Fiberglas. Produziert werden sie in der Nähe der polnischen Stadt Breslau, ihrer früheren Heimat. Die neue Serie „Puzzle“ ist Menschen mit Behinderung gewidmet.

Noch Fragen?

www.claudiabias.design/respect/kampagne. Die Agentur Creation Dekodesign befindet sich in Bobenheim-Roxheim in der Uhlandstraße 11a, Telefon 06239 997331.

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