Schifferstadt
„Das Wasser riecht komisch“: Brunnenwasseranalyse in Schifferstadt
„Das Wasser riecht komisch, aber mein Hund trinkt es. Kann ich damit mein Gemüse gießen?“, fragt eine Schifferstadterin, die in der Ludwigstraße einen kleinen Garten mit Brunnen hat. „Ich gieße mein Gemüse schon lange mit Brunnenwasser. Aber jetzt will ich einen Swimmingpool damit füllen, da sollte das Wasser in Ordnung sein“, sagt ein anderer Schifferstadter.
Je nach Verwendungszweck bietet Harald Gülzow verschieden ausführliche Analysen an, mit unterschiedlichen Kosten, je nach Aufwand. Was sofort vor Ort geht, ist die Untersuchung auf Nitratgehalt und Säuregrad. Fünf Proben hat Gülzow gerade untersucht. Drei davon sind in Ordnung, zwei haben einen Nitratgehalt von 65 und 71 Milligramm pro Liter. Das liegt über dem Grenzwert von 50 mg/L, den die Trinkwasserverordnung vorgibt. Nitrat ist meist eine Folge von starker Düngung in Regionen mit intensiver Landwirtschaft – wie in der Vorderpfalz. Gülzow untersucht hier seit Jahren das Brunnenwasser. „Wir hatten früher hier Spitzenwerte von bis zu 800 mg/L, das finden wir heute nicht mehr. Aber in der Breite gibt es durchaus noch häufig Nitratbelastungen“, sagt der Physiker. Das betrifft Wasser, das von oben eingetragen wird, und Brunnen, die nur einige Meter tief reichen. Die Trinkwasserversorger haben dagegen Brunnen, die in etwa 200 Meter Tiefe reichen.
„Ist das auch Trinkwasser, was aus meinem Brunnen kommt?“, will jemand wissen. „Dazu müsste ich auch den Keimgehalt untersuchen“, erklärt Gülzow. Diese Untersuchung ist nicht vor Ort möglich. Gülzow hat dafür Proben angenommen, die in einem Labor auf Keime untersucht werden. Die Ergebnisse kommen dann an die Brunnenbesitzer in 14 Tagen per Post. „Keime kommen oft aus dem Abwasser. Das kann passieren, wenn Kanäle überlaufen, oder Abwasserrohre undicht sind“, erklärt der Physiker. Wenn das Brunnenwasser mit Keimen belastet ist, ist Vorsicht geboten. „Wenn sie ihren Salat damit gießen, bleiben die Keime an den Blättern, auch wenn sie den Salat waschen“, erklärt Gülzow.
Braune Ablagerungen seien meist Eisen und harmlos. Ein komischer Geruch des Wassers könne aus gelösten Schwefelverbindungen kommen, aber auch auf Verunreinigungen durch Fäkalien aus Abwasser deuten. Wie sich die starken Regenfälle der vergangenen Wochen auswirken, sei schwer zu sagen. „Einerseits können mehr Verunreinigungen von der Oberfläche eingetragen werden, andererseits werden sie auch mehr verdünnt“, erklärt Gülzow.
Die Nachfrage nach Analysen ist groß: 66 Bürger aus Schifferstadt, einige auch aus Neuhofen und Dudenhofen, wollen ausführliche Analysen, dazu die fünf Schnelltests. Das seien etwas mehr als in den vergangenen Jahren, sagt Gülzow. Die Analysen organisiert der Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse, der sich vor allem dem Schutz des Grundwassers widmet. „Dazu kann jeder Einzelne beitragen, in dem er darauf achtet, auf seinem Grundstück Regenwasser versickern zu lassen“, sagt Gülzow. Gerade bei Brunnenbesitzern sei das wichtig, weil: „Was ich aus dem Brunnen hole, muss ja wieder aufgefüllt werden“, sagt der Physiker.