Rhein-Pfalz Kreis Das Vier-Stunden-Hilfspaket
Mutterstadt. Schulsozialarbeit ist kein Thema, das Schulen in Berlin-Neukölln für sich gepachtet haben. Auch in den Schulen im Rhein-Pfalz-Kreis wird eine zusätzliche pädagogische Unterstützung immer wichtiger. Unlängst wurde deshalb im Mutterstadter Rat beschlossen, dass Pestalozzi- und Mandelgrabenschule für vier Stunden in der Woche eine Fachkraft zur Seite gestellt bekommen. Für die Schulen zumindest ein Anfang.
Bedarf an Schulsozialarbeit? Na klar habe man den. „Wir haben viele Kinder, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Sei es, dass sie zu aktiv sind. Sei es, dass sie zu sehr in sich gekehrt leben“, sagt Schulleiterin Petra Böck-Dorsch von der Pestalozzischule. Sie berichtet von einem Projekt Schulsozialarbeit, das bei ihr an der Schule gelaufen ist und mit dem alle gute Erfahrung gemacht haben. „Den Kindern hat das sehr gut getan.“ Eine Aufgabe, die dazu kommt: Kinder aus Flüchtlingsfamilien in den Schulalltag zu integrieren. Das sei nicht nur eine rein pädagogische, sondern oftmals auch eine sprachliche und organisatorische Herausforderung. „Alleine die Schulaufnahme dauert viel länger“, nennt Petra Böck-Dorsch ein Beispiel. Wer ihr zuhört, bekommt das Gefühl, dass vier Wochenstunden Schulsozialarbeit schnell ausgefüllt sind. „Langweilig wird es der Person, die zu uns kommt, gewiss nicht. Vier Stunden sind besser als nichts. Wir freuen uns aber auch, wenn wir mehr bekommen.“ Im Gemeinderat ist das Thema Schulsozialarbeit schon „öfter in der Diskussion gewesen“, sagt Gunther Holzwarth, geschäftsführender Beamter der Gemeindeverwaltung. Angestoßen hat sie streng genommen die Landesregierung. Sie hat 2013/2014 mit einem Landesprogramm Schulsozialarbeit ankurbeln wollen. Zu den Einrichtungen, die daraus gefördert wurden, gehörte die Grundschule im Mandelgraben, erläutert Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) in einem Gespräch. „Um beide Grundschulen gleich zu behandeln, haben wir der Pestalozzischule aus Gemeindemitteln einen kleinen Etat zur Verfügung gestellt.“ Damit haben sich die Lehrer Unterstützung von der Firma „Klipp und Klar – Lernstudio Kruse“ geholt. „Und gute Erfahrungen gemacht.“ Schulsozialarbeit tat den Schulen gut, aber dann war das Landesprogramm beendet. Mitarbeiter des Jugendtreffs haben die Lücke gefüllt und die Schulen unterstützt. Das konnte laut Schneider aber keine Dauerlösung werden, sollen sich die Treffmitarbeiter doch auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können – die Jugendarbeit im Ort. Die CDU hat dem Bürgermeister zufolge dann den Antrag gestellt, ob nicht der Sozialarbeiter, der für die Flüchtlinge eingestellt wird, auch an den Schulen mitarbeiten könnte. Doch die Gemeinde wollte nicht schon wieder Aufgabenfelder vermischen. Nach Gesprächen mit Schulleiterin Böck-Dorsch sei man schließlich zu der Lösung gekommen, Schulsozialarbeit wieder fremd zu vergeben. „Wir haben uns mehrere Angebote eingeholt und uns dann für die ,Klipp und Klar‘ entschieden – auch aufgrund der sehr guten Erfahrung, die die Pestalozzischule gemacht hat.“ Vier Stunden Sozialarbeit gibt es jetzt für die Einrichtung. Das gleiche Paket sei auch für die Mandelgrabenschule geschnürt worden, die derzeit noch das Problem hat, dass der Schulleiter erkrankt ist. Der Gemeinderat hat dem Ganzen in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt. Die CDU-Fraktion ist mit dem Ergebnis der Ratssitzung jedoch nur teilweise zufrieden. „Wir haben das Gefühl, dass vier Wochenstunden nicht reichen“, sagt Ulf-Rainer Samel. „Wir haben uns umgehört: In Neuhofen gibt es zehn Stunden pro Woche, in Schifferstadt gar zwei halbe Stellen an jeder Grundschule.“ Walter Altvater, Fraktionschef der Grünen, hält Samels Kritik für berechtigt. „Man muss aber auch sagen, wir haben Herbst, das Schuljahr läuft, und bislang reden wir immer nur von Schulsozialarbeit. Es wird Zeit, dass wir sie auch machen. Da ist es besser, wir fangen mit vier Stunden an als gar nicht.“ Allerdings müsse die Gemeinde schnell reagieren, sollte sich zeigen, dass die Stundenzahl zu niedrig angesetzt sei. Grundsätzlich sollten Altvater zufolge solche wichtigen Themen besser vorberaten werden. Die Gemeinde habe einen Sozialausschuss mit kompetenten Leuten „Aber leider treffen sich diese zu selten. Und so war das in der Sitzung lediglich ein ,meinen‘ und ausgekannt hat sich keiner.“ Erschwerend sei hinzugekommen, dass der für das Thema zuständige Mitarbeiter der Verwaltung nicht da war. Auf kritische Nachfragen habe niemand ordentlich antworten können. Altvater wie Samel wollen das Thema mit ihren Fraktionen im Blick behalten. Mit der Fremdvergabe sind sie einverstanden, wenn denn die Qualität des Angebots stimmt. Dazu gehört für Hartmut Kegel, dass Schulsozialarbeit kontinuierlich läuft. „Möglichst ohne Fehlzeiten, aber ich glaube, da waren wir uns im Rat einig“, sagt der FWG-Fraktionsvorsitzende. Die Befürchtung, dass es Ausfälle geben kann, ist nicht ganz unberechtigt. „Klipp und Klar“ ist ein Eine-Frau-Unternehmen. „Allerdings lässt sich ein Sozialarbeiter, wenn er mal krank ist, auch nicht einfach so ersetzen. Die Kinder bauen ein Vertrauensverhältnis zu der Person auf. Wenn sie eine Woche nicht da ist, bringt es nichts, jemanden anderes zu schicken“, sagt Schneider, der das Problem mit den Schulen besprochen hat. Dort gibt es schon Präferenzen, wie die vier Stunden genutzt werden. „In erster Linie soll mit den Kindern gearbeitet werden, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen“, sagt Sieglinde Klein aus der Mandelgrabenschule. Sie ist Teil des Teams, das den Schulleiter vertritt. Wie ihre Kollegin aus der Pestalozzischule beobachtet auch sie, dass die Anzahl der Kinder mit Verhaltensproblemen steigt. Die Gründe dafür können den Pädagogen zufolge vielfältig sein. „Reizüberflutung“ ist das Stichwort, das Klein nennt, Petra Böck-Dorsch sagt: „Erziehung – Familien brauchen heute mehr Unterstützung.“ Und beide bestätigen: Die Anzahl der Kinder, die zusätzliche Hilfsangebote benötigen, steigt deshalb ebenfalls – obwohl heute maximal 24 Schüler in einer Klasse sitzen und nicht mehr 31. Viele wollten das vielleicht nicht wahrhaben: Schulsozialarbeit brauchen nicht nur Brennpunktschulen in der Stadt, sondern auch Grundschulen auf dem Dorf.