Rhein-Pfalz Kreis Das Problem liegt unter dem Asphalt
Der Ausbau der Gartenstraße in Gerolsheim nimmt Formen an: Die 35 Jahre alte Straße soll von Grund auf erneuert werden, auch eine Fahrbahnverengung soll es geben. Bei einer Bürgerversammlung am Donnerstagabend hat die Verwaltung die Planung vorgestellt. An den geschätzten Baukosten von rund 650.000 Euro werden über wiederkehrende Beiträge alle Grundstückseigentümer im Dorf beteiligt.
Die Asphaltdecke der 360 Meter langen Gartenstraße sieht eigentlich noch ganz gut aus. Hier und da Flicken und Risse, eine von Schlaglöchern durchsetzte Buckelpiste ist sie aber nicht. „Das Problem ist nicht das, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht“, sagte Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG) vor rund 100 Gerolsheimern im Bürgerhaus. Man müsse die Straße nur mit dem Rad entlangfahren, dann spüre man, wie wellig die Strecke zwischen Hauptstraße und An der Weet inzwischen geworden sei. Der eigentliche Knackpunkt liege unter dem Asphalt, erläuterte Guido Schäfer vom mit der Planung beauftragten Ingenieurbüro Schmihing in Grünstadt. Der Unterbau des als Wohn- und Sammelstraße kategorisierten Verkehrswegs sei 1980 technisch nicht den Erfordernissen entsprechend ausgeführt worden. „Der Unterbau ist aufgrund von Rissen und Aufspaltungen nicht mehr frostsicher, die Tragfähigkeit der Straße nicht mehr gegeben“, betonte der Diplom-Ingenieur. Dies habe ein Bodengutachten „eindeutig“ ergeben. Laut Schäfer soll die Straße einen komplett neuen, 55 Zentimeter starken Aufbau bekommen, der den heutigen Standards und der Verkehrsbelastung entsprechend ausgeführt werde. Weil auch der Untergrund nicht tragfähig sei, müsse der Boden im Bereich der Trasse ausgetauscht werden. Eine Reduzierung des Bauvorhabens auf eine neue Asphaltdecke – wie von einigen Gerolsheimern am Donnerstag gefordert – sei nicht sinnvoll. „Dann geben sie 50.000 Euro aus und haben in zwei Jahren das gleiche Problem wieder“, meinte Schäfer. Die Fahrbahn bleibt laut Plan sechs Meter breit, zu beiden Seiten soll es weiterhin 1,50 Meter breite Gehwege geben. Im Kreuzungsbereich an der Hauptstraße soll eine Querungshilfe gebaut werden. „Hier werden die Bordsteine abgesenkt, sodass die Straße auch mit Rollstuhl oder Rollator mühelos zu überqueren sein wird“, sagte Schäfer. Diese Stelle werde durch einen Belagwechsel farblich abgesetzt, genauso wie die Einmündungen von Nachtigallenstraße, Fasanenstraße und des Wirtschaftswegs. In diesen Bereichen soll Betonsteinpflaster anstatt Asphalt verlegt werden. Nördlich der Einmündung der Nachtigallenstraße ist eine Fahrbahnverengung auf 3,50 Meter als weitere Querungshilfe geplant, „nicht zuletzt für die Kinder auf dem Weg zu Kindergarten und Grundschule“, sagte Schäfer. Die Verengung solle helfen, die Autos abzubremsen, genauso wie Längsparkplätze, die im Wechsel auf beiden Seiten vorgesehen sind. 21 Stellplätze sind insgesamt geplant. Nichts ändern soll sich laut Bürgermeister Weyer an der Zone-30-Regelung. Doch nicht wenigen Anwohnern greifen diese Vorhaben zu kurz. Sie sprachen von einem „starken Durchgangsverkehr“ und „vielen Rasern“ und forderten lautstark mehr Verengungen sowie Blumenkübel vor den Parkständen. Angesichts der geschätzten Baukosten von 650.00 Euro müssen sich Grundstückseigentümer in Gerolsheim auf Belastungen einrichten. Derzeit wird bei einem 30-prozentigen Gemeindeanteil (195.000 Euro) mit 455.000 Euro gerechnet, die die Bürger tragen müssten. „Über die 2013 eingeführten Wiederkehrenden Beiträge werden nicht nur die Anlieger der Gartenstraße, sondern alle Grundstücksbesitzer im Ort am Ausbau beteiligt“, berichtete Rainer Eberle von der Verbandsgemeindeverwaltung Grünstadt-Land. Die genaue Summe werde aus den tatsächlichen Baukosten, der Grundstücksgröße sowie der vorhandenen oder nach dem Bebauungsplan möglichen Vollgeschosse eines Hauses errechnet. Weitere Zuschläge gebe es für Gewerbeimmobilien. Als Faustformel nannte Eberle einen Betrag von 1,30 Euro pro Quadratmeter Grundstücksgröße: „Bei einem 500 Quadratmeter großen Grundstück wären dann etwa 650 Euro zu bezahlen.“ Nach der alten Regelung der einmaligen Beiträge müssten die Anwohner der Gartenstraße im Schnitt jeweils rund 12.500 Euro zahlen, rechnete Eberle zum Vergleich vor. Ortschef Weyer umriss den ungefähren Zeitplan: Läuft alles glatt, könnte der Gemeinderat den Straßenausbau noch im Herbst beschließen, um rechtzeitig vor der Landtagswahl im März 2016 Landeszuschüsse auf den Gemeindeanteil zu beantragen. Nach der Auftragsvergabe könnten die Bauarbeiten dann im optimalen Fall im Sommer nächsten Jahres über die Bühne gehen und rechtzeitig vor dem Winter abgeschlossen sein.